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09.01.2014 13:00
Faire Kleidung tut not  

Dass Kleidung fair produziert wird, ist für die hiesigen Verbraucher nicht wichtig. Sonst würden nicht kiloweise Textilien gekauft, verramscht und weggeworfen werden. Denn Kleidung ist hierzulande billig. Zu billig. Davon profitieren die Käufer, die Verkäufer, die Klamottenketten und die Zwischenhändler.

Auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter in Kambodscha, Bangladesh, Indien und anderswo, die in einer 70-80 Stundenwoche nicht in der Lage sind, ausreichend ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Katastrophen in Bangladesh und Todesschüsse auf demonstrierende, friedliche Arbeiter in Kambodscha werfen ein Schlaglicht auch auf unsere ausbeuterische "Kleiderordnung".

Hierzulande die Preise zu erhöhen, reicht nicht. Zu leicht stecken sich dann die Klamottenketten, Markenartikler und Zwischenhändler die Differenz in die eigene Tasche; bei den Arbeiterinnen und Arbeitern in Fernost kommt davon nichts an. Daher ist es zunächst auch wichtig, die Transparenz zu erhöhen, wie es die ehemalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul jüngst in der Frankfurter Rundschau (S. 10) fordert:

"Transparenz zwischen den vielen Bekleidungsunternehmen in den westlichen Industrieländern, die in den Entwicklungs- oder Schwellenländern produzieren lassen und einkaufen, und den heimischen Produzenten in diesen Ländern. Transparenz über die Rolle der jeweiligen Regierungen, ob sie die Rolle unabhängiger Gewerkschaften respektieren und diese ungehindert in den jeweiligen Produktionsstätten arbeiten können.

Transparenz bei der Lohngestaltung: Selbst die Verdoppelung oder Verdreifachung der elend niedrigen Löhne in diesen „Produktionsstätten“ würde für die Verbraucher und Verbraucherinnen in unseren Ländern nur eine minimale Steigerung des Preises zum Beispiel für ein T-Shirt zur Folge haben.

Transparenz in der Frage der Verantwortung der beteiligten Staaten und ihrer Regierungen bei der Einhaltung der festzulegenden Sicherheitsstandards in den Produktionsstätten, zum Beispiel durch wirklich unabhängige, qualifizierte Sicherheitskontrollen.

Transparenz bei der Verpflichtung der importierenden Bekleidungsunternehmen: Wie halten sie die Standards der „Corporate Social Responsibility“ ein, also der sozialen Verantwortung, die sie selbst akzeptiert haben?

Transparenz für Verbraucher und Verbraucherinnen, wenn sie bei uns Kleidung einkaufen.

Transparenz durch die hervorragende beispielhafte Arbeit der Zivilgesellschaft in unseren Ländern, aber auch in den beteiligten Entwicklungsländern. Die „Clean Clothes Campaign“, in der zahlreiche gesellschaftliche Organisationen zusammengeschlossen sind, hat hier bereits wegweisende Arbeit und Aufklärung geleistet".

Dabei ist der Druck auf die Entwicklungsländer nach dem Motto „Wenn du bei der Umsetzung der Standards und der Löhne nicht nachgibst, suchen wir uns das nächste, ,billigere‘ Land.“ nur begrenzt hilfreich. Vielmehr wird dadurch die Spirale nach unten zu immer niedrigeren Löhnen in Gang gesetzt und gehalten. Daher: "Bessere Standards und bessere Löhne sind ein positiver Standortfaktor für die beteiligen Unternehmen. Das Auseinanderdividieren der Länder durch die Unternehmen würde schwieriger.

Dieser Prozess muss jetzt endlich in Gang kommen. Denn können wir wirklich in Frieden leben (und konsumieren), wenn wir gleichzeitig zulassen, dass ausbeuterische Arbeitsverhältnisse anderswo die Basis dafür sind? Es geht um Wettbewerb nach oben statt Wettbewerb nach unten. Das ist auch im Interesse der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in unseren Ländern!"

Wir brauchen eine "neue Kleiderordnung": fair, transparent, menschenfreundlich - auch körperfreundlich durch schadstofffreie und lebensangepasste Stoffe. Eine solche Kleidung tut not - den Menschen im fernen Osten und hierzulande.

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