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19.02.2007 19:18
Atomindustrie ohne Vertrauenskapitel  

Wie wirken die Erklärungen der Atomindustrie auf Sie? Die Atomindustrie hat eine gigantische Glaubwürdigkeitslücke. Zäh sind die Erklärungen von Vattenfall Europe, die nach zwei Atommeilern in Forsmark (Schweden) – davon schrammte einer haarscharf an einer Katastrophe vorbei - nun auch einen seiner Reaktoren im Kernkraftwerk Ringhals aus Sicherheitsgründen heruntergefahren hat. Auch Oskarshamn meldet Probleme. Das dritte schwedische Atomkraftwerk Oskarshamn, das der Tochtergesellschaft OKG von E.ON gehört, meldete Probleme mit Lecks im Kühlwassersystem. Die Zeitung "Göteborgs-Posten" am selben Tag berichtete, die Atomaufsichtsbehörde SKI habe Vattenfall offiziell wegen Vernachlässigung der Sicherheit in Ringhals kritisiert. So habe man den ältesten der vier Reaktoren im Januar 14 Tage weiterlaufen lassen, obwohl Probleme am Kühlsystem für Reaktor 1 bekannt gewesen seien. Und seit 154 Tagen ist Biblis wegen Sicherheitsmängeln vom Netz, ohne dass dies das Stromangebot wesentlich beeinflusst hätten, wie stets von der Atomindustrie behauptet.

Am Wochenende ist die Atomindustrie mit einer Anzeige als Sonderbeilage in vielen Zeitungen mal wieder in die Öffentlichkeit gegangen. Die Stromerzeugung durch Atomkraft sei frei von Kohlendioxid heißt es da. Das stimmt, aber was ist danach und davor?

Die Brennelemente müssen hergestellt werden. Und wenn sie abgebrannt sind, muss man den Abfall aufwändig behandeln. Der ganze Prozess benötigt soviel zusätzliche Energie aus fossilen Quellen, dass für jede Kilowattstunde Atomstrom über 50 Gramm des Treibhausgases Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben werden. Bei 167,4 Terawattstunden, die im Jahr 2006 in deutschen AKW erzeugt wurden, sind das immerhin über acht Millionen Tonnen. Und um den plutoniumhaltigen Abfall sicher entsorgen und lagern zu können, braucht man einen langen Atem: 24.000 Jahre beträgt die Halbwertzeit von Plutonium, vom dem schon Promille eines Gramms in der Atemluft eines Menschen genügen, um ihn für immer krank zu machen. 24.000 Jahre hat noch kein einziger Staat jemals auf der Erde existiert. Und schließlich: die Begrenztheit der Uranvorräte. Es gibt weltweit 435 AKW. Für die würden die bekannten Lagerstätten 40 Jahre reichen.

Die Strategie der Atomindustrie, nicht immer alle Karten auf den Tisch zu legen, Störungen zu beschönigen oder so lange es geht zu verheimlichen, sich im Energiemix von Biomasse, Wasser-, Wind- und Solarenergie zu verstecken und ein Märchen von der Treibhausgas-Einsparung durch Atomstrom aufzutischen, versetzt dem kaum vorhandenen Vertrauenskapital in der Bevölkerung den Todesstoß. Das haben sie sich verdient.

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