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Hier bloggt Dr. Norbert Copray
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24.08.2010 13:41
Das neue und einzigartige Buch über Fairness
Brandneu und aktuell: Das Buch „Fairness“ (Gütersloher Verlagshaus 2010, 240 Seiten), in das die Erkenntnisse der Fairness-Forschung, die Ansätze der Fairness-Stiftung zum Aufbau von Fairness-Kompetenz und meine Erfahrungen der letzten 35 Jahre in der Beratung von Verantwortungsträgern, Chefs und Management eingeflossen sind. Es ist das einzige Buch im deutschsprachigen Raum, das sich ausschließlich und grundlegend mit Fairness befasst. Dazu liefert es einen Ansatz,
1. die Fairness-Intuition des Menschen und ihre Störungen zu verstehen,
2. das parasitäre „System der Unfairness“ zu durchschauen,
3. die Fairness-Fallen frühzeitig zu identifizieren oder zu verlassen,
4. eigene Fairness-Kompetenz aufzubauen,
5. den Umgang mit Fairness professioneller zu machen und
6. Fairness als Lebenskompass zu begreifen und zu nutzen.
Zugleich werden die verschiedenen Felder in den Blick genommen, in denen Fairness eine besondere Rolle spielt bzw. in denen Unfairness ihr böses Spiel treibt: Gesellschaft und Wirtschaft, Privat- und Berufsleben, Unternehmen und Organisationen, Nachbarschaft und Elternschaft.
Zum verbreiteten Missverständnis über Fairness heißt es in der Einleitung: „Die Vorstellung, Fairness sei lediglich etwas weich gespülte Zwischenmenschlichkeit, um die Härte nicht zu spüren, mit der man manipuliert, ausgenutzt und ausgebeutet wird, hat den Fairness-Faktor noch nicht wirklich verstanden. Fairness ist das genaue Gegenteil und hat – wie in Fairness-Prozessen zu erfahren ist – für viele überraschend gar nichts mit Seichtheit und dem Schein der Nettigkeit zu tun.
Fair sein heißt nicht nett sein, sondern sehr deutlich, konsequent und mitunter mit harten Ergebnissen für Fairness zu sorgen. Denken wir nur an sehr gute Schiedsrichter, die durch gelbe und rote Karten dafür sorgen, dass ein Spiel wieder an Fairness-Qualität gewinnt, das schon in die gegenteilige Richtung zu kippen drohte. Wer Fairness banalisiert oder mit einem naiven, nicht qualifizierten Fairness-Begriff operiert, arbeitet unfairen Akteuren in die Hände. Sie haben großes Interesse daran, Fairness lächerlich zu machen, zu tabuisieren und auf eine nette, höfliche Maske zu schrumpfen. Lassen wir uns dazu nicht verführen“ (S. 11f).
Erhältlich überall im Buch- oder im Versandbuchhandel. Handsigniert bei
http://www.publik-forum.de/shop/Default.asp?id=9982&titel=Fairness+%28handsigniert%29&k1=31&k1n=Mittelfeld&k2=3&k2n=Handsigniert
Gesellschaft
18.08.2010 10:29
Wie der Atomdeal politische Unfairness fördert
Wird Angela Merkel zur Atomkanzlerin? Sie hat erkennen lassen, dass sie zu einer Verlängerung der Atomlaufzeiten steht. Aber niemand weiß, welchen Zeitraum sie bevorzugt. Immerhin war sie Umweltministerin, als weiter nuklearer Abfall in die Asse II in Niedersachsen eingefüllt wurde, obwohl es in ihrem Hause massive Bedenken gegen die Sicherheitsstandards und die Zuverlässigkeit der Asse gab. Heute steht die Bundesrepublik vor einem Scherbenhaufen des Atommülllagers und muss zwei Milliarden Euro aufwenden, um den radioaktiven Abfall aus dem Salz-Wasser-Gemisch wieder heraus zu holen. Die Frage eines Atommüllendlagers ist immer noch nicht geklärt, aber es wird weiter radioaktiver Abfall für Jahrhunderte und Jahrtausende produziert.
Offensichtlich geht es weniger um die Sicherheit der Bundesbürger als um’s Geld. Das jedenfalls lässt sich von der Tatsache ableiten, dass über die Laufzeitverlängerung zwischen den Atomenergiekonzernen und dem Bundesfinanzministerium verhandelt wird. Nicht einmal Bundesumweltminister Norbert Röttgen ist dabei. Im Vorfeld haben die Atomkonzerne die Bundesregierung wissen lassen, dass sie die älteren Atomkraftwerke abschalten würden, wenn ihnen mit einer Brennelementesteuer Gewinne verloren gingen, weil dann angeblich die Atommeiler nicht mehr rentabel seien. Die Kanzlerin ließ die Konzernbosse wissen, dass sie von diesem öffentlichen Säbelrassel nichts halte. Offenbar findet solches Droh- und Imponiergebaren aber wohl hinter verschlossenen Türen ab, womit die Konzerne ihr Erpressungspotenzial vorführen. Dabei gehört Deutschland derzeit zu den stromexportierenden Ländern, was den Konzernen auch gute Gewinne bringt. Insofern ist eine Stromlücke durch das Abschalten älterer Atommeiler nicht zu erkennen.
Doch entscheidender als das Gezeter um die Laufzeiten und die finanziellen Aspekte für die Bundesregierung und die Atomenergiekonzerne ist die Art und Weise, in der Politik gemacht wird. Politik soll sich an Gemeinwohlinteressen ausrichten, nicht ein Einzelinteressen. Doch wie versucht wird, am Bürgerwillen und an künftigen Regierungen vorbei politische Tatsachen zu schaffen, ist „ein Niedergang des demokratischen Parlamentarismus“. Wie es die Vorsitzende von Transparency International, Edda Müller, zu Recht ausspricht. Da beklagen die Politiker nach jeder Wahl die Politikverdrossenheit der Bürger. Um kurze Zeit darauf unter Missachtung von Transparenz, Gemeinwohl und Bürgerwillen schwer änderbare Fakten zu schaffen. Wenn sich starke Wirtschaftszweige wie die Atomkonzerne in der Energiewirtschaft oder die Hotelketten in der Hotelerie günstige Bedingungen ihres Profitstrebens von der Politik erkaufen oder mit Erpressungspotenzial heraushandeln können, dann steht das demokatrische System grundsätzlich auf dem Spiel. Und der politischen und steuerlichen Unfairness wird Tür und Tor geöffnet. Dabei geraten andere, schwächere gesellschaftliche Gruppen, ins Hintertreffen. Gesellschaftliche Unfairness wird zementiert.
http://www.fr-online.de/politik/-man-muss-massiv-dagegen-vorgehen-/-/1472596/4564460/-/index.html
http://www.transparency.de/Lobbyismus.737.0.html
Politik
12.08.2010 11:49
Wenn Arbeit krank macht
Dauerdruck, Hektik und geringe Ressourcen: Deutsche Arbeitnehmer reagieren mit psychischen Beschwerden und Erkrankungen auf den kaum noch zu bewältigenden Stress in den Unternehmen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes betrugen die Krankheitskosten durch psychische und Verhaltensstörungen im Jahr 2008 knapp 28,7 Milliarden Euro. Für gut die Hälfte dieser Kosten waren nur zwei Diagnosen verantwortlich: 9,4 Milliarden Euro wurden für Demenzerkrankungen und 5,2 Milliarden Euro für Depressionen ausgegeben. Vor allem für die Behandlung von Frauen fiel ein Großteil der Kosten an, da Frauen häufiger als Männer unter einer dieser beiden Erkrankungen leiden.
Die Ergebnisse der Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Kosten durch psychische Erkrankungen von 2002 bis 2008 besonders stark gestiegen sind: Bei den Behandlungskosten von Frauen machte sich eine Plus von rund drei Milliarden Euro bemerkbar, bei Männern ein Plus von zwei Milliarden. Das entspricht einem Zuwachs von 20 beziehungsweise 26 Prozent. Insgesamt sind die Krankheitskosten seit 2002 um 16 Prozent gestiegen.
Deutschlands Arbeitnehmer nehmen immer mehr Antidepressiva ein. So eine Sonderauswertung des TK-Gesundheitsreports. Demnach hat sich das Volumen der verschriebenen Antidepressiva unter Deutschlands Beschäftigten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Statistisch erhielt 2009 jeder Berufstätige durchschnittlich für acht Tage Medikamente zur Behandlung von Depressionen. Das bedeutet einen Anstieg von 113 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000.
Seelische Erkrankungen bedeuten längere Fehlzeiten als bei physischen Erkrankungen. Und für die Firmen kommt es dadurch zu 4,1 Milliarden Euro Kosten bzw. nicht realisierten Umsätzen. Doch das scheint kein Grund für die Unternehmen zu sein, für gesundheitsförderliche und damit faire Arbeitsumstände zu sorgen. Viele haben den Zusammenhang zwischen psychischen Arbeitsbedingungen, Leistungsfähigkeit und psychischen Beeinträchtigungen auch noch nicht erkannt. Krankenkassen versuchen mit Gesundheitsförderung dem Trend entgegen zu wirken. Mit geringem Erfolg. An der extremen Arbeitsverdichtung, hohen Beschleunigung und unmittelbaren Dauerverfügbarkeit hat sich nichts geändert. Die Firmenleitungen müssten erkennen, dass sie mit einer gesundheitsförderlichen Arbeitskultur nicht nur an Fairness-Qualität, sondern auch an Performance gewinnen. Aber dafür wird nur selten und wenig Geld in die Hand genommen.
Und dann soll die nächste „Gesundheitsreform“ der schwarz-gelben Regierung auch noch die Unternehmen aus der weiteren Zunahme von Krankenkassenkosten entlassen und sie einseitig den Versicherten aufbürden. Als würden Arbeitsumstände, ehrgeizige Ziele und eine verbesserungsbedürftige Führungs- und Unternehmenskultur nicht selbst zu steigenden Krankheitskosten beitragen.
Unternehmen
30.07.2010 16:09
Mobbing gegen Afrika?
Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union, Jean Ping, warf dem Internationalen Staatsgerichtshof in Den Haag vor, den afrikanischen Kontinent zu „mobben“. Hintergrund ist das Vorgehen des Staatsgerichtshofs gegen afrikanische Präsidenten, insbesondere gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir. Gegen den Präsidenten gibt es einen Haftbefehl, der sich unter anderem auch auf die Anklage wegen Völkermord bezieht. Und obwohl 30 der 52 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU) das Statut des Internationalen Staatsgerichtshofs unterzeichnet und sich rechtlich zur Zusammenarbeit mit dem Gericht verpflichtet haben, haben die beim AU-Treffen versammelten Staaten alle AU-Mitgliedsländer aufgefordert, die Verhaftung Al-Baschirs zu boykottieren.
Die afrikanischen Staatschefs behaupten, westliche Regierungen missbrauchten die Justizbehörde zu neokolonialen Einmischungsversuchen in die Belange afrikanischer Staaten. Hingegen macht die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai darauf aufmerksam, dass die Unterstützungsverweigerer eben jene „sogenannten Führer“ seien, „die die Menschenrechtsvergehen zu verantworten haben.“ Daher schützen die afrikanischen Staatschefs nur einen der ihren aus Sorge, selbst die nächsten Angeklagten zu sein, weil sie an schweren Vergehen beteiligt oder gar allein dafür verantwortlich sind.
Mit dem Vorwurf, einen ganzen Kontinent zu mobben, hat die Verwendung des Mobbingbegriffs nie da gewesene internationale Präsenz erhalten. Ursprünglich ein deutsches Kunstwort, das es bislang so im Englischen gar nicht gibt, wird es jetzt sogar international gebräuchlich und auf einen ganzen Kontinent bezogen.
Der Vorgang zeigt zweierlei:
1. Verstecken sich solche, die selber Unrecht tun und Unfairness verbreiten, selbst gern hinter dem Vorwurf Mobbing gegenüber der Gegenseite. Ein Macht- und Zuweisungsspiel, das selbst hierzulande Eingang in die Gerichtssäle findet. So können unfaire Akteure den Vorwurf umdrehen und sich zu Opfern stilisieren.
2. Es geht hier beim Vorwurf des kontinentalen Mobbings nicht um Mobbing im eigentliche Sinne, sondern die afrikanischen Präsidenten meinen unfaire Attacken im Sinne von Dissen in verschärfter Form. Dazu passt auch, dass die Präsidenten dem Chefankläger des Staatsgerichtshofes, Luis Moreno-Ocampo, „unerhört rüde und herablassende“ Umgangsformen vorwarfen.
Wären die afrikanischen Präsidenten in ihren eigenen Ländern als Vorkämpfer von Fairness und Menschenrechte bekannt, wäre das glaubwürdig, So aber ist es nur der Missbrauch der Begrifflichkeit Mobbing zum eigenen Selbstschutz, hinter dem auch noch unfaire Handlungen und Menschenrechtsverletzungen versteckt werden.
http://www.fairness-stiftung.de/Dissen.htm
http://www.fairness-stiftung.de/Mobbing.htm
Gesellschaft
26.07.2010 11:56
Wie Whisteblowing Finanzmachtkontrolle befördert
Beim Versuch, die Ursachen der Finanzkrise anzugehen und staatliche Kontrollmechanismen auszubauen, setzen die USA jetzt verstärkt auf ein Instrument, welches diesseits des Atlantiks noch weitgehend unbekannt ist: Whistleblowing. So Guido Strack vom Whistleblower-Netzwerk.
Nach Meinung des Whistleblower-Netzwerks sollten sich Politiker in Deutschland und Europa hieran ein Beispiel nehmen. Schon beim Entstehen der Finanzkrise hatte es immer wieder Whistleblower, also Brancheninsider, wie z.B. Harry Markopoulos oder Paul Moore gegeben, die frühzeitig auf Fehlentwicklungen aufmerksam gemacht haben. Leider hatten die Aufsichtsbehörden ihnen kein Gehör geschenkt. Stattdessen wurden sie von ihren Arbeitgebern abgestraft oder vor die Tür gesetzt.
Dies alles soll das soeben in Kraft gesetzte US-Gesetz zur Finanzmarkreform jetzt ändern. Es enthält zahlreiche Elemente, die dafür sorgen sollen, dass:
• Whistleblower zukünftig kompetente Ansprechpartner haben (z.B. durch Schaffung einer eigene Abteilung bei der Börsenaufsicht SEC),
• es für sie nicht nur Risiken, sondern auch Anreize gibt (Ausweitung der z.B. im Pharmabereich bewehrten Regelungen des False Claims Acts)
• sie im Verwaltungsverfahren und vor Gericht bessere Chancen haben (Verlängerung von Ausschlussfirsten, Ausweitung von Jury-Verfahren),
• sie besser vor Repressalien aller Art geschützt sind (ausgeweiteter arbeitsrechtlicher Schutz und strafrechtliches Sanktionierungsverbot).
Mit dieser Reform werden für die Privatwirtschaft neue Maßstäbe im Hinblick auf Whistleblowerschutz und Whistleblowingförderung gesetzt. Dies wird auch von US-Whistleblower-Organisationen begrüßt. Letztere fordern allerdings zusätzlich die Schaffung entsprechender Regelungen auch für Whistleblower aus der öffentlichen Verwaltung, aus Militär und Geheimdiensten, gegen welche die US-Regierung derzeit besonders hart vorgeht.
Nach Meinung von Guido Strack, dem Vorsitzenden des Whistleblower-Netzwerk e.V., wird das Thema von Politikern in Deutschland und Europa verschlafen: „Es ist doch absurd, wenn unsere Politiker zwar eine Übermacht der Wirtschafts- und Finanzlobby und eigene Informationsdefizite beklagen, aber beim Thema Whistleblowing, bei dem sie handeln könnten, untätig bleiben.“ Das Wissen, wo sich die nächsten Risiken verbergen, ist nach Meinung Stracks heute schon vorhanden: bei kritischen Menschen in den agierenden Unternehmen und Verwaltungen. Hier gäbe es viele, die gerne ethisch handeln und der Demokratie eine Chance zum agieren geben möchten. Aber derzeit würden sie von der Justiz, Politik und Gesellschaft alleine gelassen, als Nestbeschmutzer verunglimpft und als Geheimnisverräter verfolgt. Dort, wo sie dennoch die Zivilcourage aufbrächten, sich an Behörden zu wenden, höre ihnen keiner zu. Oder aber die zuständigen Stellen sind unterbesetzt und glauben dann, ohne wirkliche Untersuchungen durchzuführen, allzu gerne den Beschwichtigungen der Mächtigen.
Das Whistleblower-Netzwerk fordert die Politik auf, dieses zu ändern und Whistleblowern auch in Deutschland und Europa durch klare gesetzliche Regelungen endlich eine faire Chance zu geben, sich für das Gemeinwohl einzusetzen ohne dabei ihre wirtschaftliche Existenz aufs Spiel setzen zu müssen: Nötig seien positive Bestärkung für Whistleblowing, effektiven Whistleblowerschutz und Ansprechpartner die zuhören und über genügend Macht verfügen Missständen rechtzeitig entgegenzutreten.
Ansprechpartner:
info@whistleblower-netz.de
, Tel.: 0221 1692194
http://www.fairness-stiftung.de/Whistleblowing.htm
Korruption
25.06.2010 14:29
KiK und die Billigkleidung sind krass unfair
Ein T-Shirt für einen Euro. Das ist krass unfair. Und wird nicht besser durch begleitende PR-Maßnahmen. Fair-Washing betreiben KiK und Co. im Billigsegment des Textilhandels. Zu Recht schreibt Klaus Staeck in der Frankfurter Rundschau von heute:
>> Qualität "kommt von quälen", wirbt Verona Pooth in ihrem schlichten Feldbusch-Deutsch für KiK. Wenn sie wüsste, wie recht sie damit hat. Eigentlich kann sie doch nicht so naiv sein, wie sie sich im Werbespot gibt. Selbst Verona sollte klar sein, dass ihr Auftraggeber mehr Qualen als Qualität produziert. Dieses Leiden bekommen keineswegs minderwertige Billigprodukte bei der Qualitätsprüfung zu spüren, wie der Spot suggeriert, sondern seine Mitarbeiter in Deutschland und die Näherinnen in der Dritten Welt. Doch was schert es die mit üppigen Gagen verwöhnte Werbeikone, dass die Verkäuferinnen bei KiK mit 5,20 Euro pro Stunde abgespeist werden und sich die Arbeiterinnen in Bangladesch jeden Tag nur "Reis und vielleicht alle zwei Monate ein Hühnchen" leisten können. Hauptsache, die eigene Kasse stimmt.
Plagen Verona und KiK die investigativen Medien wieder einmal, werden sie mit irreführenden PR-Kampagnen beruhigt. Ohne mit den Wimpern zu zucken, setzt sich Pooth für "SOS Kinderdörfer" oder "Ein Herz für Kinder" ein und nimmt in Kauf, dass Kinder und Frauen in Bangladesch für einen Hungerlohn im Auftrag von KiK T-Shirts zusammennähen. Da kann der Textilverramscher noch so oft beteuern, dass seine Lieferanten in Südostasien einen Verhaltenskodex unterzeichnet haben, der Mindestlöhne garantieren und Kinderarbeit verbieten soll. Obwohl dieser "Code of Conduct" wegen seltener Kontrollen nicht eingehalten wird, die Ausgebeuteten von ihren Chefs geschlagen werden und bis zu 16 Stunden pro Tag schuften müssen, wirbt KiK weiter mit seinem sozialen Engagement. In der Vermarktung ihrer bescheidenen Wohltaten sind sie ganz groß, in Sachen sozialer Verantwortung ganz klein.
Für das Image von KiK macht es sich gut, tausend Kindern in Bangladesch einen Schulbesuch und etwa ebenso vielen Fabrikarbeiterinnen einen minimalen medizinischen Gesundheitscheck zu ermöglichen. Doch für die Betroffenen ändert sich im Alltag wenig. Statt sündhaft teure PR-Maßnahmen zu starten und sich in Prospekten mit dem "Gold Standard Award" für vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit in Asien auf die Schulter zu klopfen, sollte der Textildiscounter lieber für gerechte Löhne und gesunde Arbeitsbedingungen sorgen. Es wie die Lifestyle-Experten von Apple darauf ankommen zu lassen, dass zehn Mitarbeiter eines chinesischen Zulieferbetriebs wegen der Niedriglöhne den Freitod wählen, zahlt sich fürs Image auf Dauer nicht aus. Ebenso wenig wie die Garantien von Billigheimer Lidl, der mit fairen Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer aus Bangladesch geprotzt hat und nach genauer Prüfung der Hamburger Verbraucherzentrale seine Werbung zurückziehen musste.
Aus eigener Einsicht oder schlechtem Gewissen werden KiK und Co. ihre Billig-Strategie nicht ändern. Die Verantwortlichen sind gefordert, die Discounter auf Sozialstandards in ihrer Lieferkette zu verpflichten. Auch der Kunde trägt eine Mitverantwortung. Er muss wissen, was hinter der Charity-Fassade so mancher Promis steckt und wieso ein T-Shirt beim Discounter statt zehn nur einen Euro kostet. Was der Kunde hier billig einkauft, kommt seine Mitmenschen in Deutschland und der Dritten Welt sehr oft teuer zu stehen. Wer also nicht so gedankenlos wie Verona handeln möchte, der kaufe besser dort, wo die Produkte nicht nur billig, sondern ihren Preis für alle Beteiligten wert sind. <<
Klaus Staeck ist Verleger und Grafiker:
http://www.klaus-staeck.de/index.php
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/?em_cnt=2784208&
Kaufen & Haben
02.06.2010 11:51
Unfairness im Bekleidungshandel
Ist Textildiscounthändler KiK unfair, sogar krass unfair? Eine Sendung von Panorama (ARD/NDR) zeigte unlängst "Innenansichten" einer Billigkette, die wie kaum ein anderes Unternehmen expandiert. In mehr als 2.800 Ladengeschäften werden Klamotten zu Schleuderpreisen angeboten. Für 30 € kann man sich komplett einkleiden. Der Film zeigte, wie die Billigpreise zustande kommen - und wie Menschen dafür teuer bezahlen müssen. Das gilt für die Verkäuferinnen, Regalräumer und Putzleute hierzulande, das gilt für Näherinnen und Näher in Bangladesh. In einer ausführlichen Studie hat die Aktion Saubere Kleidung die Einzelheiten untersucht und dokumentiert, die auch in den Film eingegangen sind.
Im Blog zum Film schreibt Gudrun:
„Ich bin erschüttert. Ich arbeite seit fast 2 Jahren bei Tedi, die Arbeitsbedingungen sind fast das gleiche. Ich habe 4,91 € netto und Herr Heinig ist nun auch bei uns der Chef. Ich bin auch dafür das die Missstände aufgedeckt werden müssen, und bin auch bereit da mitzuwirken. Mein Vertrag läuft in Kürze aus, ich werde Ihn nicht verlängern! Durch die ganze Zustände und Machschaften komme ich nicht mehr zur Ruhe. Kaum eine Nacht kann ich mal durchschlafen. Das ganze Unternehmen besteht nur aus Lügen und Intrigen.“
Stefan Heinig ist zusammen mit Familie Haub (Tengelmann Group) Gesellschafter der HH Holding, die wiederum KiK und andere Geschäfte betreibt. Unter dieses Dach wurden jetzt auch die Woolworth-Geschäfte geholt und werden vermutlich im Laufe der Zeit mit KiK verschmolzen.
Stefan Heinig sieht die Vorwürfe und Kritik als haltlos an und verteidigt die niedrigen Löhne bei KiK:
http://www.welt.de/wirtschaft/article3425870/Der-KiK-Chef-sagt-warum-weniger-Lohn-besser-ist.html.
Auf die Idee, seinen Mitarbeitern Gehälter zu zahlen, die ihnen ein menschenwürdiges Dasein durch eigene Arbeit ermöglichen, scheint er nicht zu kommen. Die Schuld liegt beim Staat, der Steuern und Abgaben benötigt, nicht beim Unternehmen, das mit der Arbeit anderer Geld verdient.
Gleichzeitig sponsert KiK mit Milliarden Fußballvereine (Arminia Bielefeld 2002-2004; Werder Bremen 2005/06; Hansa Rostock 2007/08 sowie zeitgleich VfL Bochum), die Handball-Nationalmannschaft 2009, die österreichischen Fußballschiedsrichter, den Boxsport und den Eishockeyclub EHC Dortmund mit Millionensummen. Könnten stattdessen nicht Mitarbeiterinnen hierzulande und Näherinnen in Bangladesh besser bezahlt werden? Und auch Werbe-Ikone Verono Pooth kostet Millionen Euro.
http://www3.ndr.de/sendungen/panorama_die_reporter/panorama430.html
http://panorama.blog.ndr.de/2010/04/07/die-kik-methoden/
http://www.saubere-kleidung.de/
http://www.saubere-kleidung.de/downloads/publikationen/2008-01_Brosch-Lidl-KiK_de.pdf
Stefan Heinig von KiK bestreit die Kritik. Besser wäre es, er macht KiK transparenter und die Unternehmenskultur fairer. Und die Käufer und Käuferinnen werden kritischer, was die niedrigen Preise auf Kosten von Menschen angeht. Von vierzig Stunden Arbeit muss ein Mensch leben können; Teilzeitarbeit braucht eine analoge Gehaltsstruktur. Niemand würde leiden müssen, wenn man sich erst ab 50 € komplett neu einkleiden könnte.
Unternehmen
17.05.2010 13:20
Fairness für Herz-Typen
Das Herz geht in die Knie, wenn die Arbeit überhand nimmt. Das ist die gesicherte Erkenntnis der Whitehall-II-Studie im European Heart Journal (2010; doi: 10.1093/eurheartj/ehq124). Die Whitehall-II-Studie gehört zu den wichtigsten arbeitsmedizinischen Langzeituntersuchungen. Die erste Studie, die 1967 begonnen wurde, hatte gezeigt, dass Beamte der unteren Besoldungsgruppen ein erhöhtes kardiovaskuläres Sterberisiko haben. Die zweite Phase sucht seit 1985 nach den Ursachen dafür.
Dafür wurden mehr als zehntausend staatliche Angestellte im Londoner Regierungsbezirk Whitehall zu ihrem Lebensstil befragt und mit ihrer Erlaubnis Einblick in ihre Krankenakten genommen. Marianna Virtanen von der Forschergruppe des University College London hat den Einfluss der Überstunden an 6.014 Teilnehmern untersucht, die durchschnittlich über 11,2 Jahre nachbeobachtet wurden. Dabei fiel auf: Beamte mit durchschnittlich drei oder vier Überstunden in den Woche zu 60 Prozent häufiger an Herzinfarkten oder Angina pectoris erkrankten, während ein bis zwei Stunden keine Auswirkungen hatten.
Der Grund liegt vermulich darin, dass Überstunden typisch sind für eine Typ-A-Persönlichkeit, deren Vertreter als ehrgeizig, gehetzt, ungeduldig, aggressiv und reizbar beschrieben werden. Im Gegensatz dazu die gelassenen und entspannten Typ-B-Persönlichkeiten, deren Herzen möglicherweise den Stress am Arbeitsplatz besser gewachsen sind, aber auch nicht zu ausufernden Überstunden neigen.
Natürlich sind Typ-A-Persönlichkeiten gern gesehene Mitarbeiter, weil sie viel schaffen, ambitioniert sind und mit einer Aufgabe nicht aufhören, ehe sie nicht erledigt ist. Den Preis dafür zahlen jedoch nicht nur die Mitarbeiter mit Herzbeschwerden, sondern auch die Unternehmen mit krankheitsbedingten Ausfällen und anderen Krankheitsfolgekosten. Eine faire Führung setzt daher klare enge Grenzen für Überstunden, nutzt Typ-A-Persönlichkeiten nicht schamlos aus und sorgt für Ausgleich und Urlaub.
Wissenschaft
27.04.2010 12:40
Unsinn über Soft Skills
Soft Skills hätten keinen positiven Effekt auf den Start am Arbeitsmarkt. Verbreitet die FAZ vom 24.4.2010 auf Seite C4. Dabei stützt sich die Autorin Anne Theiss auf eine Diplomarbeit, diedie Diplomsozialwissenschaftlerin Judith Offerhaus zum Abschluss ihres Studiums an der LMU München eingereicht und wofür diese den Preis der „Gesellschaft für Hochschulforschung“ bekommen hat. Zeitungsbeitrag und die Schlussfolgerung der Diplomantin aus ihrer Umfrage lassen tief blicken. Sie wirken wie die Erfüllung bestellter Erkenntnis von interessierter Seite.
Judith Offerhaus hatte festgestellt, dass Hochschulabsolventen, die ein höheres Niveau an Schlüsselqualifikationen z.B. durch entsprechende Trainings, Seminare und Praktika aufwiesen, keinen günstigeren Start am Arbeitsmarkt hatten. Und zwar unabhängig vom Fach. Daraus folgert Offerhaus kurzschlüssig und überheblich: „Die allgemeine Rhetorik geht dahin, die Schlüsselqualifikationen über alles zu loben. Ich halte diese aufgeblähte Diskussion für wenig zielführend“. Richtigerweise stellt sie allerdings fest, dass man Soft Skills am besten nach dem Prinzip „learning by donig“ erwirbt und nicht anhand von Alltagspraxis abgekoppelter Seminare.
Richtigerweise bedeutet das Ergebnis von Offerhaus: Firmen und Manager, die Mitarbeiter einstellen, messen den Soft Skills nach wie vor eine geringe Bedeutung bei. Sie haben noch nicht begriffen, dass ohne Kooperations-, Team-, Kommunikations- und Fairness-Kompetenz eine noch so ausgezeichnete Fachkompetenz nicht wirklich ihr Potenzial entfalten wird, auch wenn der Augenschein das vortäuscht. Das zeigt sich auch bei Beförderungen: Passgenaue Soft Skills-Praxis und eine exzellente Führungsqualität von Mitarbeitern zählen nach wie vor weniger als Erfolge, die sich in Zahlen, Umsätzen und Renditen ausdrücken lassen. Das Ergebnis: In der Kundenorientierung hängt Deutschland meilenweit hinter Japan hinter her. Bei den Innovationen sind die Ergebnisse mäßig, dafür die Marketingausgaben erheblich. Die Kooperationsdichte und die Fairnessqualität ist in den Firmen nur sehr spärlich ausgeprägt und daher die Motivation der Mitarbeiter niedriger als in anderen Gesellschaften.
Schlüsselqualifikationen erwirbt man am besten durch vertiefte Reflexion von Erfahrungen im Umgang mit Kollegen, Kunden, Lieferanten, Partnern und Dienstleistern. Dazu braucht es jedoch Wissensimpulse, sonst köchelt man im eigenen Saft. Dazu braucht es Provokationen, sonst bleibt man in seiner Komfortzone und bei einem sehr selbstzufriedenen Selbstbild. Dazu braucht es Training und Übung, sonst ist jeder Versuch, seine Soft Skills auszubauen, eine Operation am offenen Herzen. Das gelingt im Coaching, im Training, im Workshop. Also: „learning by doing“, aber nicht: das lernt sich nebenher von selbst. Der Überzeugung sind etliche Führungskräfte; mitunter zum Entsetzen der Mitarbeiter. Niemand sollte sich durch das Fazit von Offerhaus abschrecken lassen, so früh und so kontinuierlich wie möglich Schlüsselqualifikationen fundiert zu entwickeln. Wenn es die anstellenden Rekruting-Manager der Unternehmen den Bewerbern nicht hoch anrechnen, werden es spätere Mitarbeiter auf jeden Fall danken, wenn jemand eine Führungsposition erreicht oder hat.
Unternehmen
25.03.2010 14:37
Fairness für Verbraucher
Fairness bei Dienstleistungen ist dringend erforderlich, denn häufig werden Verbraucher über den Tisch gezogen oder mit einer schlechten Qualität abgespeist. Das Verbraucherbarometer 2009 hatte aufgedeckt, dass bestimmte Dienstleistungsmärkte – darunter Energie und Bankwesen – für die Verbraucher nicht zufriedenstellend sind (siehe IP/09/202).
Mittlerweile hat die Kommission detaillierte Marktstudien über diese beiden Sektoren eingeleitet. Und am 18. und 19. März einen Europäischen Verbrauchergipfel mit dem Thema „Dienstleistungen: Zugang, Auswahl und Fairness“ durchgeführt. Der Gipfel konzentrierte sich auf die Dienstleistungssektoren, die für die Verbraucher besonders wichtig und aus deren Sicht noch verbesserungsbedürftig sind, wie aus den Marktanalysen im Rahmen des Verbraucherbarometers hervorgeht. Die Ergebnisse des Gipfels fließen direkt in die Überlegungen zur künftigen Politik für Verbraucherdienstleistungen ein.
Am Vorabend des Gipfels kommentierte der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik John Dalli: „Die Verbraucher fühlen sich zu oft nicht gut behandelt von wichtigen Anbietern wie Banken oder Energiebetrieben. Wir müssen diese Problematik auf EU-Ebene angehen.“
„Ist das fair?“ - die „Europäische Initiative zur Unterstützung von Verbrauchern“ – unterstützt mit einem umfassenden Portal Konsumenten, um unlautere, sprich unfaire Geschäftspraktiken zu erkennen und ihnen entgegen zu treten:
http://www.isitfair.eu/index_de.html.
Leider sind die entsprechenden Websites des EU-Verbraucherschutzes überwiegend in englischer Sprache, was einer breiten Rezeption der Informationen und ihrer Anwendung durch Verbraucher entgegen steht. Hier ist die EU nicht besser als die von ihnen kritisierten Anbieter: unfair in Bezug auf einen beträchtlichen Teil von Verbrauchern deutscher Sprache und anderer Sprachen.
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