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Internationales Fairness-Forum 2005

sponsored by Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

Führung zwischen Transparenz und Diskretion

Ein Rückblick

Nach einem Einstieg ins Thema mit einem Stück des Unternehmenstheaters von Dr. Andreas Zeuch und Lydia Hubert eröffnete Dr. Norbert Copray, geschäftsführender Direktor der Fairness-Stiftung, das Internationale Fairness-Forum unter anderem mit den Worten: „Unser Anliegen heute ist nicht eine Neuauflage der Skandalisierung von Intransparenz oder von Diskretionskartellen wechselseitiger Bereicherung. Zwar zeigen die Ereignisse der letzten Monate die Dringlichkeit des Themas, aber die Behandlung in den Medien auch, wie wichtig eine tiefer gehende Befassung damit ist. Deshalb fragen wir heute danach, wie Führung zwischen den Polen von Transparenz und Diskretion aussehen muss. Diskretion zunächst als Verschwiegenheit, aber auch als Vertrautheit verstanden, die nicht unbedingt mit Intransparenz einhergehen muss. Transparenz zunächst verstanden als Offenheit und offene Kommunikation der miteinander im Business kooperierenden Partner. Insofern sind Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Öffentlichkeit Partner eines Unternehmens und wollen nicht hinters Licht, sondern offen und fair orientiert werden bzw. nicht über den Tisch gezogen, sondern als Partner auch auf Zukunft Geschäfte miteinander eingehen.“

Prof. Dr. Tom Sommerlatte, Chairman der Unternehmensberatung Arthur D. Little, skizzierte im ersten Vortrag das Begriffs- und Bedeutungsfeld von Transparenz und Diskretion. Er verdeutlichte, dass der Gegensatz von Transparenz nicht Diskretion, sondern Intransparenz, und von Diskretion nicht Transparenz, sondern Indiskretion bedeutet. In diesem Spannungsfeld setzte er höchste Erwartungen an die Unternehmens- und Personalführung, sowohl für Transparenz als auch für Diskretion zu sorgen. Prof. Dr. Tom Sommerlatte
Heribert Schmitz, ehemaliger Geschäftsführer von Hewlett-Packard GmbH Deutschland, danach Aufsichtsratvorsitzender Hewlett-Packard GmbH Deutschland und Vizepräsident und Mitglied des Executive Committee of the American Chamber of Commerce in Germany, bettete das Thema „Führung zwischen Transparenz und Diskretion“ in eine grundsätzliche Sicht des Managements und seiner Verantwortung ein. Transparenz ist für ihn ein entscheidender und markanter Baustein einer fairen, motivierenden und ethisch fundierten Führungskultur, weil sich daran entscheidet, inwiefern intelligente, kooperative, leistungsbereite und kompetente Mitarbeiter mit der Führung eines Unternehmens zusammen den Erfolg herbeizuführen gewillt sind. Heribert Schmitz

 

Betty Zucker Betty Zucker, Expertin und Beraterin für Change und Knowledge Management, bis 1999 Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts in Zürich, seitdem Leiterin der Stiftung Risiko Dialog sowie selbständig tätig in der eigenen Firma „Betty Zucker & Co.“ in Zürich, untersuchte in ihrem Vortrag die Ambivalenz und Doppelbödigkeit von Transparenz und ihrem Wechselspiel.
Dr. Thomas Strüngmann Dr. Thomas Strüngmann, Unternehmer, Vorstand, Geschäftsführer der Hexal AG und frisch gekürter Preisträger des Deutschen Fairness Preises 2005, reagierte auf die Ausführungen der Vorredner, besonders auf die Impulse von Betty Zucker und Heribert Schmitz, mit sehr persönlichen Gedanken und Akzenten.

Im anschließenden Podiumsgespräch unter der Moderation von Dr. Norbert Copray wurden insbesondere die Chancen und Risiken transparenter Führung diskutiert, und zwar gerade in Anbetracht ihrer möglichen Ambivalenz und ihres möglichen verdeckten Angriffcharakters.

Podiumsgespräch unter der Moderation von Dr. Norbert Copray
v.l.n.r. Prof. Dr. Tom Sommerlatte, Betty Zucker, Dr. Norbert Copray, Dr. Thomas Strüngmann, Heribert Schmitz

Dabei plädierte Prof. Dr. Sommerlatte für ein ausgereiftes Ethos von Führungspersönlichkeiten, die zwischen einer glaubwürdigen Transparenz und einer trickreichen Transparenz unterscheiden können. Und zeigte sich zuversichtlich, was den Führungsnachwuchs anbelangt, der ihm aus seiner Professorentätigkeit in Kassel ebenso wie auch seinen vielfältigen Unternehmensberatungen für Arthur D. Little bestens bekannt sei.
Hier meldete Betty Zucker Skepsis an. Zwar unterstrich sie die in diese Richtung gehende Hoffnung, machte aber darauf aufmerksam, dass das Business Spielregeln folge, denen sich der Einzelne nur sehr schwer entziehen könne, was dann eine sehr gefestigte und klare Persönlichkeit voraussetze. Insofern empfehle sie, Transparenzversprechen und Diskretionsverhalten nie einfach nur zu vertrauen, sondern sowohl die Belastungsfähigkeit als auch die Tragweite jeweils zu erkunden und im Auge zu behalten, denn alles andere sei naiv.
Heribert Schmitz konnte Prof. Dr. Sommerlatte und Frau Zucker beipflichten, wollte aber die Perspektive transparenten und diskreten Führungsverhaltens in eine Gesamtkonzeption der Führung eingeordnet wissen, die dafür auch tragfähige und selbst korrigierende Ansätze liefert. Er habe sich als Geschäftsführer und Aufsichtsratvorsitzender von Hewlett-Packard niemals in einer rechthaberischen Position gesehen, sondern als Dialog- und Reflexionspartner, der um seine eigenen Grenzen wisse und auf Kritik angewiesen sei. Nur wenn Kritik auch an Führungsautoritäten nicht nur zugelassen, sondern auch gewünscht und organisiert sei, gebe es eine Chance, dass Transparenz und Diskretion nicht zum Spielball von Businessstrategien verkommen, sondern Teil einer selbst lernenden und stets sich auch ethisch verbessernden Organisation werden.
Dr. Thomas Strüngmann stellte die Widersprüche dar, in die man bei unternehmerischer Tätigkeit verwickelt sei, wenn man zugleich transparent und diskret handeln wolle. Dabei sei es ihm und seinem Bruder immer darauf angekommen, von Geschäften und auch internen Prozessen die Finger zu lassen, die es nicht erlaubten, vor sich selbst zu bestehen und eine Balance von Transparenz und Diskretion hin zu bekommen. Das gelte auch für den Umgang mit Mitarbeitern. Von Mitarbeitern, die sich als wenig fähig und fit erwiesen hätten, an einer fairen, transparenten, kooperativen und zugleich diskreten Unternehmenskultur mitzuwirken, hätte man sich auch getrennt. Und in Geschäftsverhandlungen käme es ihm und seinem Bruder stets darauf an, nicht in eine totale Abhängigkeit vom Verhandlungsgegenstand zu geraten, weil man dann bereit sei, jeden Preis zu bezahlen, also auch Fairness, Transparenz und Diskretion aufs Spiel zu setzen oder gar fahren zu lassen.

Teilnehmer des Internationalen Fairness-Forums 2005

Im Schlusswort dankte Dr. Norbert Copray den Speakern und den Teilnehmern des Internationalen Fairness-Forums 2005 und gab einen Ausblick auf das Internationale Fairness-Forum 2006.