Information und Hilfe
Formen der Unfairness
Instrumente der Unfairness
Erste Hilfe bei unfairen Attacken
Infothek
   
Adressen
Angst
Belastungstrauma
Beratungsstellen
Entspannung
Freunde
Definition: Unfaire Attacken
Glossar der Unfairness: Grafik
Impulse zum Beten
Prinzip Achtsamkeit
Selbsthilfe
Selbsthilfegruppen
Stress
Suizid vermeiden
System der Unfairness
Teufelskreise
Risk-Management und
Unternehmenskommunikation
Mobbingscout


  Empfehlen: Diesen Artikel per Facebook empfehlen Diesen Artikel per Twitter empfehlen Diesen Artikel per E-Mail empfehlen
  Verfolgen: Diese Website per Twitter verfolgen RSS-Feed verfolgen

  Diese Seite weiterempfehlen
  Ihr Feedback

Buchtipps

Angst

Sigrun Schmidt-Traub
Angst bewältigen - Selbsthilfe bei Panik und Agoraphobie.
Springer. 159 Seiten

Angst und Angstgefühle sind lebenswichtig: Sie entstehen, wenn wir ein bedrohliches Ereignis erwarten und versetzen uns in die Lage, vorsichtig zu handeln und angesichts einer akuten Bedrohung instinktsicher mit Kampf oder Flucht zu reagieren. Sie motivieren zu Höchstleistungen, mehr Ehrgeiz und Konzentration. Angstgefühle gelten als notwendige biologische, psychologische und soziale Warnsysteme. Davon unterscheidet die Autorin Angststörungen wie Panik oder Agoraphobie. Es handelt sich um falsche Alarmreaktionen, um Ängste ohne reale Gefahr. Nicht selten werden bei Panikattacken körperliche Beschwerden als Anzeichen drohender Gefahr fehlinterpretiert.
Länger anhaltende Angstzustände verbunden mit ständigem sorgenvollem Grübeln werden als Angstepisoden bezeichnet. Als Panikstörung wird die sogenannte "Angst vor der Angst" bezeichnet, die meist mit einem oder einigen wenigen traumatisierenden Angstanfällen beginnt. Die Angst vor Situationen, die nicht wirklich gefährlich sind, aber gemieden werden, weil die betroffene Person weitere Panikattacken befürchtet, wird als Agoraphobie bezeichnet.
Gerade aber das Vermeiden und Ausweichen von angstbesetzten Situationen kann zu einer Ausweitung, das heißt zu einer Generalisierung der Angst führen. Daher ist es notwendig, sich den eigenen Erwartungsängsten zu stellen und sie durch das Hineingehen in gerade jene Situationen, die ängstigen, zu bewältigen. Nur so wird der tatsächliche Angstgehalt der Situation, der meist viel geringer ist als die Erwartungsangst im Vorfeld, erfahrbar. Schmidt-Traub zeigt gekonnt, wie alle Angststörungen im weiteren Verlauf depressive Verstimmungen und Selbstwertprobleme als Folgeerscheinung auslösen können. Das Wechselspiel zwischen der physiologischen Ebene (vegetatives Nervensystem), der kognitiven Ebene (negative Selbstbeobachtung) und der motorischen Ebene (Verhaltensebene) der Angst führt dazu, dass Panik als eine ganzheitliche Reaktion im Sinne der Leib-Seele-Einheit einer Person erlebt wird. Die Wahrnehmung körperlicher Symptome und deren negative Bewertung setzt einen Teufelskreislauf panikartiger Angst in Bewegung: durch das mangelnde Vertrauen gegenüber der eigenen Psyche und dem eigenen Körper verursachen vor allem kognitive Faktoren eine Spirale negativer Selbstbeeinflussung und führen zur Intensivierung der Angst. Die Autorin hat Eigenschaften ausfindig gemacht, die Angstpatienten für irrationales Angsterleben und erhöhte Angstsensibilität prädestinierten: Sie seien "nicht nur lernwillig, differenziert und sensibel, auch im Umgang mit ihren Mitmenschen, sondern außerdem zuverlässig, gewissenhaft und geradezu perfektionistisch". Sie seien "meist außerordentlich bemüht um Kooperation" und übernähmen "zu viel Verantwortung für negative Ereignisse". Auch die Erziehung und das soziale Lernen am Modell können Angstinhalte und Angstbereitschaft beeinflussen, wie ein überängstlicher Umgang mit Krankheit oder das Gegenteil, "nämlich kolossale Tapferkeit, ja sogar Härte gegen sich selbst beim Hinnehmen von Krankheiten". Frauen mehr als Männer neigten sozialisationsbedingt dazu, Angststörungen und Depressionen zu entwickeln. Männer dagegen neigten dazu, Krankheiten zu verschleppen und ihren allgemeinen Gesundheitszustand dadurch zu gefährden.
Im zweiten Teil des Buches geht es weniger um die Definition, begriffliche Klärung und Beschreibung verschiedener Erscheinungsformen der Angst, sondern um die Desensibilisierung und das Aufzeigen von Bewältigungsstrategien. Ansätze der Lernpsychologie verbunden mit Vorgehensweisen der kognitiven Verhaltenstherapie sollen Betroffenen helfen, die Angst im Alleingang zu bewältigen und auf das Angstgeschehen Einfluss zu nehmen, um wieder zu einer Selbstbestimmung in der Lebensführung zu finden, die nicht mehr von Angst beherrscht ist. Möglichkeiten des Angstabbaus werden ebenso beschrieben wie Maßnahmen zur Vorbeugung künftiger Stressreaktionen und erneuter Angstentwicklung. Dazu gehören eine genaue Beobachtung, die Wahrnehmung gedanklicher Verzerrung und Konzentrationslenkung ebenso wie sportliche Betätigung, körperliche Entspannung und die Inanspruchnahme einer therapeutischen Begleitung bis hin zur stationären Psychotherapie. Der Anhang als dritter Teil des Buches klärt über die medikamentöse Behandlung und weitere Zusammenhänge auf und liefert, nicht nur für Betroffene, sondern auch für deren Angehörige wertvolle Tipps und Hinweise im Umgang miteinander. Das Buch ist, wie es der Titel verspricht, eine exzellente Anleitung und Hilfe zur Selbsthilfe.

Jutta Schmidt