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Buchtipps

Der Schrei nach Liebe

Stichwort
Depression

Der ärztliche Direktor der Züricher Universiätsklinik "Burghölzli" Daniel Hell, schätzt, daß mindestens jeder fünfte Mensch im Laufe seines Lebens ein- oder mehrmals an Depression leidet. Die Psychologin Dana C. Jack geht nach neueren Untersuchungen von doppelt soviel Frauen wie Männern aus, die von schweren Depression betroffen werden. Kultur- und Gesellschaftskritiker neigen dazu, unserer Zeit pauschal eine zunehmende Depressivität zu unterstellen, wobei unklar bleibt, an welcher früheren gesellschaftlichen Situation dieser Sachverhalt gemessen wird. Der Begriff "Depression" bezeichnet das Gefühl der Nutz-, Sinn- und Wertlosigkeit bis hin zu Wahnvorstellungen, was dann eine schwere, klinische Depression ausmacht, die nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung erfaßt. In dieser Bandbreite tummeln sich alle leichten, mittelschweren und schweren Depressionen. René Diekstra will davon auch noch die Situation unterscheiden, wenn jemand deprimiert ist, denn "jemand, der durch ein Examen fällt, einen geliebten Menschen verliert oder gesagt bekommt, daß er an einer ernsten Krankheit leidet, wird zu Recht eine Zeitlang traurig und düster gestimmt sein. Aber von einer ernsten Depression kann erst die Rede sein, wenn diese Gefühle dauerhaft sind und uns sowohl körperlich als auch geistig und sozial völlig zerrütten". Doch die Anlage seines Buches samt Untertitel - "Alltagsdepressionen" weist darauf hin, wie sehr ihn selbst der Begriff der leichten bis mittelschweren Depression geleitet hat. Denn schwere Depressionen sind selten der Selbsthilfe zugänglich und sollten auch nicht allein der Fürsorge von Angehörigen überlassen bleiben. Insofern sind auch die anderen Bücher von Gabriela Vetter, Sean Haldane und Berthold Rothschild gute Einführungs-, Selbsthilfe- und Angehörigenbücher, die bei leichten seelischen Schwierigkeiten erste Seelen-Hilfe ermöglichen und zum richtigen Verständnis beitragen, aber bei schwierigen Situationen nicht als Rezeptbücher mißverstanden werden sollten. Rothschilds und Haldanes Bücher gehen über den Bereich der Depression hinaus und helfen vor allem auch Menschen, die dem psychischen und therapeutischen Bereich bislang mit Abwehr oder Unverständnis gegenüber standen, auf einfache und solide Art zu einer ersten Grundkenntnis. Vetters Buch ist von der Überzeugung getragen, daß die Diagnose "endogene Depression" mit körperlichen Symptomen einhergeht, kennt auch möglicherweise einen äußeren Anlaß, aber ihre Schwere entspricht nicht ihrem aktuellen Aufhänger. Also sind die Gründe im Inneren des Menschen, in seiner seelischen Veranlagung, in seiner früheren Konfliktgeschichte zu suchen. Erwin Ringel kommt im ersten Teil des Buches "Machen uns die Medien krank?" mit Medienkritik: Die mediale Minus-Impfung "Mind-Kidnapping", die uns von aktiver gesellschaftlicher Teilnahme letztlich fernhält. Neu ist die These nicht. Bleibt die Frage, ob Menschen tatsächlich medienkrank und damit depressiv werden müssen oder ob sie Medien nicht auch anders handhaben können. Zu vermuten ist eher, daß Menschen mit depressiver Persönlichkeitsstruktur sich durch Überinformation in ihrer Eigenart bestätigt oder gar veranlaßt sehen, mit Depression auf die Wörter- und Bilderwucht zu reagieren. Doch solche Erklärungen helfen nicht weiter; sie verschieben nur den Erklärungsbedarf von einem Problem zum anderen. Tiefgreifender ist da eher das Buch Martin Seligmans "Pessimisten küßt man nicht", der vor Jahren Depression mit "erlernter Hilflosigkeit" übersetzte. Wer sich im Gemeinwesen einsetze, entfalte einen flexiblen Optimismus im sozialen Engagement. Helfer-Syndrom auf Rezept gegen die Depression? Da trifft Dana C. Jack im Blick auf weibliche Depression eine wichtige Unterscheidung. Männliche Depression entsteht vermutlich, wenn Autonomie- und Leistungsverluste einsetzen. Weibliche Depression geht mit einem Selbstverlust in Beziehungen einher. Frauen neigen dazu, aus maximaler Verantwortung für Beziehungen, ihren eigenen Bedürfnisse, Neigungen, Interessen und Eigenarten zu schleifen, zu unterdrücken, niederzuschlagen und werden dann über die Jahre depressiv. In ihrem herausragenden Buch zeigt Jack diese negative Spirale der Selbstabwertung von Frauen in Abhängigkeit. Damit aus Abhängigkeit Bindung, aus Selbstverlust Selbstsein in Beziehungen werden kann, stellt Jack weibliche Wege vor, Depression zu bewältigen. Aus tiefenpsychologischer und daseinsanalytischer Sicht entwirft Daniel Hell ein Modell der Depression und ihrer Heilung, das biologische, psychische, soziale und spirituelle Aspekte integriert. Hells auch in der Gliederung phantastisches Buch sucht Botschaft und Ziel der Depression zu verstehen. Sozial wirkt sie wie ein "Schrei nach Liebe". Entscheidend ist, mit der eigenen depressiven Gefährdung einen lebensfähigen Umgang zu entwickeln. In Robert Burtons 1621 erschienenem Standardwerk heißt es: "Auf einen Tropfen Honig kommt in dieser Welt leicht ein Becher voll Galle, auf eine Unze Freude ein Pfund Leid. Es ist höchst absurd und lächerlich, wenn die Sterblichen in diesem Dasein eine ununterbrochene Dauer des Glücks erwarten". Eine gewisse Melancholie könnte realitätsgerecht sein. Unsere Kinder wachsen unter einem Ozonloch auf, das zu unseren Lebzeiten nicht mehr rückgängig zu machen ist. Wie trauern wir um unsere verlorengegangene Heimat in der Natur?

Dr. Norbert Copray

Rezensierte Bücher:

Robert Burton: Anatomie der Melancholie. dtv 2281.

René Diekstra: Pflaster für die Seele. Wie man mit Alltagsdepressionen fertig wird. Kabel. 167 Seiten.

Reginald Földy/Erwin Ringel: Machen uns die Medien krank? Depression durch Überinformation. Universitas. 252 Seiten.

Volker Friedrich: Melancholie als Haltung. Gatza. 157 Seiten.

Sean Haldane: Erste Hilfe für die Seele. Knaur 82001.

Daniel Hell: Welchen Sinn macht Depression. Rowohlt. 300 Seiten.

Dana Crowley Jack: Immer hab' ich mich dir angepaßt. Wenn Frauen ihr Selbst zum Schweigen bringen. Heyne. 312 Seiten.

Berthold Rothschild: Seele in Not - was tun? Oesch. 254 Seiten.

Martin Seligman: Pessimisten küßt man nicht. Knaur 82026.

Gabriela Vetter. Seele unter Eis. Ein Selbsthilfebuch für Depressive, Resignierte und ihre Angehörigen. Heyne 64.