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Buchtipps

In destruktiver Energie positive Lebensenergie entdecken

Horst-Eberhard Richter (Hg.)
Kultur des Friedens
Psychosozial. 309 Seiten.

Viele haben die deutsche Friedensbewegung bereits tot gesagt. Dafür sind zwei Aspekte maßgeblich. Einerseits: Die Ost-West-Polarisierung im Kalten Krieg gab vielen Friedensbewegten eine Orientierung, ein klares Feindbild. Die Multipolarität der gegenwärtigen Welt und die differenzierten Wechselwirkungen zwischen den Kulturen des Krieges und des Friedens eignen sich nicht für fundamentalistische Positionen. Was also tot gesagt wurde oder wird, ist oft die aus kalten Kriegszeiten untaugliche eigene Motivation für eine neue Epoche der Friedensarbeit. Andererseits: Demonstrationen, Märsche, Appelle und Manifeste sind nicht mehr die bevorzugten Mittel der Friedensbewegung. Sie artikuliert sich vielmehr als früher in - wie Horst-Eberhard Richter es formuliert - einer "Arbeit mit Menschen. Sie macht weniger Geräusch, aber tritt durchaus widerständig auf, wo Anpassung kontraproduktiv ist. Sie kämpft z.B. gegen die zunehmende Militarisierung der Sprache, mit der systematisch eine Militarisierung des Denkens eingeübt wird". Und mehr als 1000 Teilnehmer am Kongress "Kultur des Friedens" Ende 2000 von der Organisation "Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW)", in Deutschland seit 1991 mit dem Zusatz "Ärzte in sozialer Verantwortung", zeugen von einer lebendigen Friedensbewegung. Der Band über die "Kultur des Friedens" enthält die Referate und Beiträge des Kongresses und dokumentiert die neue Nachdenklichkeit, Reife und Richtung der Friedensbewegung.
Prominente Denker wie Hans-Peter Dürr, György Konrád, Reinhard Höppner, Hans-Eckehard Bahr, Oskar Negt, Andreas Buro, Egon Bahr, Dieter S. Lutz, Andreas Zumach und eben Horst-Eberhard Richter, der Direktor der Sigmund Freud-Instituts in Frankfurt und Mitbegründer und Vorstand der Deutschen IPPNW, aber auch hier zu Lande weniger bekannte, nichts desto trotz wichtige internationale Köpfe der Friedensbewegung verdeutlichen Horizont und detailliert Inhalte der Friedensarbeit. Genau wird noch einmal der Jugoslawienkrieg auch im Blick auf die Militarisierung der deutschen Politik und Gesellschaft unter die Lupe genommen. Nicht ohne aktuelle Bedeutung wird auf die in der öffentlichen Debatte meist unterschlagene "militärische Nutzung der Gentechnik" hingewiesen. Der Zusammenhang zwischen Frieden und Menschenrechte beschäftigt die Redner im Blick auf die Türkei und das Handelsembargo gegen den Irak. Was eine konstruktive Friedensarbeit "mit Menschen" sein kann, wird in Skizzen von Modellen dazu sichtbar gemacht. Nicht zuletzt bietet Südafrika hier ein wichtiges Beispiel aktiver Versöhnungsarbeit. Sie würde allerdings nicht fruchten, wenn sie nicht auf Grundlagen und Einsichten zurück ginge, die im Eröffnungskapitel des Bandes zu einer "Kultur des Friedens" entfaltet werden.
Da deutet Dürr Frieden als eine Kunst: "Frieden wird uns nicht einfach in den Schoß fallen, sondern verlangt eine besondere Anstrengung. Frieden muss mit viel Einsicht, Umsicht, Vorsicht und Weltsicht erprobt werden. Es bedeutet zunächst, dass wir uns bewusst werden, was Menschen im Grunde verbindet. Es erfordert nicht, die gleiche Sprache zu sprechen oder in Werten und Bewertung überein zu stimmen, sondern das Andersartige zu tolerieren und, mehr noch, es voll zu respektieren". Dürr lehrt uns am Beispiel der Natur, wie sie erfolgreich Plussummenspiele erfolgreich inszeniert. Die Natur hat es weit gebraucht, die enorme Komplexität ihrer Systeme zu meistern, ohne ihr Überleben insgesamt zu gefährden. Konrád definiert Frieden letztlich als Freundschaft und eine gute Gesellschaft als von freundschaftlichen Fäden durchzogen. Und Hans-Eckehard Bahr, der jugendliche Gewalttäter sozialkompetent in den Blick nimmt, zeigt in beeindruckender und überzeugender Weise mit Bezug auf Martin Luther King, wie es zur Kultur des Friedens gehört und beiträgt, "in jeder destruktiven Energie verborgene positive Lebensenergie freizusetzen". Die "Kultur des Friedens" ist wie tägliches Brot für eine engagierte Friedensarbeit.

Dr. Norbert Copray