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Buchtipps

Pascal Bruckner
Verdammt zum Glück
Der Fluch der Moderne. Aufbau.266 Seiten.

Lebenskunst, philosophische zumal, ist in. Und immer geht es um das gute Leben und das Glück. Fundiert in antiken Lebenskunstregeln wird die Kunst für die verschiedenen Lebensbereiche aufgefächert. Existenzphilosophie in neuem Gewande, angereichert mit psychologischen und gesundheitlichen Reflexionen. Da nützt die Warnung der philosophischen Vorreiter nichts, die philosophische Lebenskunst als Rezept zu verstehen. Insgeheim versprechen die Lebenskunstphilosophen doch, zur Glücksstrategie beizutragen oder wenigstens zu einer Pädagogik des Glücksstrebens, damit der zur Lebenskunst Bekehrte durch ein richtiges Verhältnis zum Glück eine größere Chance auf Glück bekommt.
Wo alle in die gleiche Richtung schauen, braucht es wenigstens einen, der in die andere Richtung und hinter die Schauenden schaut. Rigoros, elegant, subtil und gelehrt - so irritiert der französische Kulturkritiker Pascal Bruckner mit seiner scharfsinnigen und launigen Kritik die Erwartungshaltung der in philosophischer Lebenskunst Belehrten und der an der Lebenskunst verdienenden Gelehrten, die derzeit die Herolde des gesellschaftlichen Trends sind. Bruckner ist kein Unbekannter, hat er doch nicht nur Anfang der 80er Jahre zusammen mit Alain Finkielkraut das postmoderne Essay "Die neue Liebesunordnung", Mitte der 80er Jahre den als "Buch des Monats" in Publik-Forum ausgezeichneten Band "Ich leide, also bin ich" (jetzt als Taschenbuch) und den Roman vorgelegt, der als "Bitter Moon" von Roman Polanski 1992 verfilmt wurde. Bruckner zeichnet ein scharfe Beobachtung, ein souveräner Umgang mit Sprache und Inhalt sowie ein Blick aus, der psychoanalytisch aufgeladen so etwas wie eine Archäologie unserer Kultur- und Geistesentwicklungen betreibt.
Bruckners Essay ist grundsätzlich. Das Glücksstreben wird als "Fluch der Moderne§" aufgefasst. Und nicht von ungefähr setzt sein Buch mit einer pointierten Untersuchung der Glücksverheißungen des Christentums und seines Widersachers, der Aufklärung ein, die sich letztlich als stark Verwandte entpuppen. So zieht Bruckner die Linien durch die Neuzeit, ohne sich in eine Chronologie zu verlieren. Stets bleibt der Gegenstand genau im Blick: Das Verhältnis des Einzelnen und der Gesellschaft zum Glück, zur Glückssehnsucht, zur den Glücksverheißungen, von den Disziplinen der Glückseligkeit bis zur Glückstechnologie unserer Tage. Drei Paradoxa markieren Bruckners Betrachtungen: Der Plan, glücklich zu sein, "richtet sich auf ein Ziel, das dermaßen verschwommen ist, dass es vor lauter Ungenauigkeit einschüchtern wirkt". Zweitens führt Glück über kurz oder lang entweder zur Langeweile oder zur Apathie, denn Glück ist nicht beständig, nicht manifest, sonst verlöre es seinen Glückscharakter. Und schließlich kneift das Glück vor dem Leid, so "dass es ihm wehrlos gegenübersteht, sobald dieses auftaucht". Diesem Aspekt ist der vierte Teil des Buches gewidmet, wo Bruckner Gedanken aus seinem Buch "Ich leide, also bin ich" wieder aufnimmt und in einen neuen Zusammenhang stellt.
Bruckners Auseinandersetzung lädt ein, sich an Hand vieler Impulse selbst in seinem Glücksverständnis zu prüfen. Dabei geht es nicht unbedingt um hehre Glückstheorien, sondern auch um die vulgären Erscheinungsformen unserer Glücks- und Beglückungsarbeit. Alains Buch "Die Pflicht, glücklich zu sein" ist für Bruckner ein wichtiger Aufhänger für eine Reihe diagnostischer Erkenntnisse, die jeden betreffen. Gesundheit, Sexualität, Körperlichkeit, Auftreten und Selbstdarstellung - alles ist um Kampffeld der Glückszurichtung geworden und eine ganze Zeitschriften-, Buch-, TV- und Seminarindustrie steht parat, die richtigen Tipps zur rechten Zeit für den geeigneten Geldbeutel abzusondern. Nicht, dass Bruckner zum Schluss nicht eine ebenso überraschende wie bestechende Perspektive anbietet. Aber zuvor haben wir in seinen Spiegel zu schauen und zu erkennen - ob mit Schrecken oder Erstaunen - dass das Rad, in dem wir die Hamster sind, so groß sind, dass wir es für ein Glücksrad halten können.

Dr. Norbert Copray