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Buchtipps

Von der Kunst, das Leben gelingen zu lassen

Rudi Ott
Wertvoller als alles Gold ist die Seele
Die Weisheit großer Philosophen nutzen. Kösel. 207 Seiten.

Philosophie ist für viele Menschen eine abstrakte, blutleere Wissenschaft im universitären Elfenbeinturm. Dort werden die Interpretationen der Interpretationen von Texten vorgenommen, die meistens ein beträchtliches Alter haben, und mit anderen Interpretationen verknüpft oder konfrontiert. Eine Art zirkuläres Dauerschachspiel ohne Bedeutung für die Alltagswelt. Ganz ohne Zweifel gibt es diese Art von Philosophie und nicht selten in den Universitäten. Aber die heutige Philosophie erschöpft sich nicht darin. Einerseits ist die Philosophie wissenschaftlich gefordert, Randbedingungen und Grundprinzipien von Wissenschaft und Technologie immer wieder in Frage zu stellen und den Bedeutungen von Erkenntnissen nachzugehen. Anderseits engagiert sich die Philosophie in Form der Ethik beziehungsweise der Moralphilosophie, zur Diskussion und Orientierung beizutragen, wenn es um kritische und bedeutsame Probleme der modernen Gesellschaft und die Freiheit des Einzelnen geht. Gen-Ethik, Bio-Ethik und Wirtschaftsethik sind Beispiele dafür. Doch über diese eher wissenschaftlichen Spielarten der Philosophie hinaus gibt es Philosophie noch als Lebenskunst. Und seit Pierre Hadots Buch >Philosophie als Lebensform< von 1991 hat diese Form der Philosophie einen enormen Imagezuwachs bekommen. Das schlug sich nieder in einem wachsenden Interesse an philosophischen Themen in Bildungszentren, in philosophischen Cafés, aber auch in der fünften Auflage des Buches von Wilhelm Schmid >Philosophie der Lebenskunst< (stw 1385, vgl. Publik-Forum ........). Auch Rudi Ott bemerkte ein zunehmendes Interesse an seinen Vorträgen und Seminaren, in denen er sich mit >Philosophie als innovative Lebenskunst< beschäftigte. Daraus ist ein gelungenes Buch geworden.
Rudi Ott, Professor für Religionspädagogik in Mainz, will die Weisheit der vor allem antiken Philosophen für die heutige Lebenskunst entfalten. Deshalb beginnt jedes Kapitel mit einer Darstellung wichtiger philosophischer Gedanken, wobei auch moderne Philosophen und Tiefenpsychologen einbezogen werden. Im zweiten Schritt werden passende Sprachbilder, häufig Märchen, kleine Geschichten und Gedichte vorgestellt. Abgeschlossen wird jedes Kapitel mit einem Vorschlag zur geistigen Übung. Hier wird spätestens deutlich, wie stark philosophische Lebenskunst gerade in der Antike mit einer entsprechenden geistigen, inneren Haltung und demzufolge mit Spiritualität zu tun hat. Als Religionspädagoge scheut sich Ott daher auch nicht, seine Vorschläge aus den Schätzen der weisheitlichen und religiösen Traditionen zu entwickeln, Meditationen, Fantasiereisen und Mantra-Übungen anzuregen. Das wird im klassischen Sinn philosophisch Interessierte abschrecken, für spirituelle Impulse offene Menschen eher freuen, die nicht gleich ein religiöses Konzept übergestülpt bekommen möchten.
Folgerichtig beginnt Otts Buch mit dem Thema >Selbsterkenntnis<, um dann zur >Selbstbildung< und zu eventuell erforderlichen Änderungen des eigenen Denkens und Wahrnehmens überzugehen. So durchwandert Ott die verschiedenen Facetten menschlicher Existenz, nimmt die Leiblichkeit und Sinnlichkeit des Menschen in den Blick, vertieft sich in Lebensfreude und Traurigsein, betrachtet das Glück und das Gelingen des Lebens. Dem Buch ist anzumerken, dass es in vielen Begegnungen mit Menschen zuvor erprobt wurde. Daher kommt die gute Verständlichkeit ebenso wie die kluge Gedankenführung. Bisweilen entsteht jedoch der Eindruck, die Überlegungen seien auf eigenartige Weise zeitlos und unkonkret. Sie ziehen wenig die aktuelle Situation von Menschen in Betracht, in denen sie heute leben und oft auch leben müssen. Verkündet das Buch Otts so etwas wie ewige Wahrheiten darüber, wie Leben gelingen kann? Ott notiert, dass sich das Buch erst in der eigenen Lebenskunst seiner Leser erfüllt. Es hat seine Grenze da, wo das konkrete Leben der Einzelnen anfängt. Letztlich muss jeder Mensch sein eigenes Buch zur philosophischen Lebenskunst schreiben: für sich selbst.

Dr. Norbert Copray