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Buchtipps

Zwischen Adonis und Ikarus hin- und hergerissen

Stichwort
Männlichkeit

Im ärztlich-therapeutischen Blick: Der Mann. Seine Störung: Im Versuch, seine durch die Frauenemanzipation und den Jugendlichkeitswahn angeknackste männliche Identität wieder in den Griff zu bekommen, wählt er die Strategie der Verschlimmbesserung. Denn die Unzufriedenheit der Männer mit sich währt schon länger, schlägt sich nun in Selbstzweifeln am eigenen Körper nieder. Also wird der Körper in die Mangel und hart ran genommen, wie es Männerart ist. Stählende Trainings, Anabolika und Steroide in Massen, Tabuisierung der Männerzweifel. Ein Cocktail, der auch starke Männer fertig macht. In dem Maße wie die Muskelkraft gesellschaftlich und ökonomisch an Wert verloren hat, sind die Muskelmänner in Film und Sport bedeutender geworden. Zum Schluss bleibt den Männern der Kampf gegen den eigenen Körper, der Krampf mit der eigenen Sexualität, die Flucht aus den nahen Beziehungen zur Vermeidung weiterer Selbstzweifel. Die Mediziner Harrison G. Pope, Katharine A. Phillips und Roberto Olivardia haben mit dem bei dtv erschienen Taschenbuch "Der Adonis-Komplex" nicht nur eine scharfsinnige Analyse davon geliefert, wie Männer heute mit ihrer Männlichkeit vor Spiegel, Streckbank und Frauenaugen ringen, sondern auch Wege zum Verständnis und zu einer gut begründeten Heilung aufgezeigt. Susan Faludi, einst Anklägerin der Rückeroberung feministisch erkämpfter Positionen durch Männer, hat nun die "Männer" als "das betrogene Geschlecht" entdeckt. Sie empfiehlt den Männern, den Männlichkeitswahn, in dem die Männer befangen seien, als Holzweg bei der Reparatur der Männeridentität zu durchschauen.

Da steht es um die Männerillusionen schlecht, die immer noch durch Bücher wie "Der Mann 2000" und "Superpotenz" und "Der neue Mann" genährt werden. Doch eine genaue Lektüre zeigt, wie die Autoren solcher Bücher selber schlingern. Größen- und Starkwahnideen der Männer werden bedient, um ihnen Appetit auf langes Leben, Gesundheit und Lebensqualität zu machen, mit der die Männer schließlich zu verändertem Gesundheits-, Ermährungs- und Wertungsverhalten geködert werden. Wolfgang Bergmann zeigt in seinem provokanten Buch "Ikarus 2000", "warum das nächste Jahrhundert männlich wird". Er hält diagnostiziert eine Steigerung des Männlichen. Männlichkeit strebe derzeit nach absoluter Schöpferfreiheit, nach maschinengleich perfekter Welt: Die Gen- und Informationstechnik lässt grüßen. Adonis war gestern, heute ist Ikarus. Dazu passt, wie laut Ralf Puchert und Stephan Höyng Männer die Gleichstellung der Frauen verhindern und unterlaufen: "Die Ausbremser". Es gilt, die Frau als ein Risiko zu managen. Schlüssig daher Hilde Schröders kulturgeschichtliche Einsicht: "Der Krieg ist männlich". Weder zum anderen Geschlecht noch zu sich selbst gelingt "dem" Mann ein wirklich befriedigendes Verhältnis. Er bleibt ratlos und angstvoll in Bezug auf "die" Frau, den Nicht-Mann, und löst das ‚Problem' verhängnisvoll: durch "männliche Gewalt", wie Vera van Aaken in ihrem Buch sehr eingehend durch die Evolutionsgeschichte hindurch aufzeigt. Denn auf diese Weise bleibt das Nichtmännliche unter Kontrolle und die Männlichkeit ungefährdet. Der katholische Zölibat, der eine harte Mauer um das Amtspriestertum zieht, ist eine subtile Kulturtechnik, männliche Identität zu bewahren. Um den Preis, dass die Geschützen auch die Eingemauerten sind, unverstanden von mehr 90 Prozent der Gläubigen. Was männliches Gefangensein hervorbringt, lässt sich in Schlüsselgeschichten über Priesteraffären von Hubertus Mynarek unter dem Titel "Casanovas in Schwarz" nachlesen. Die Geschichten haben zwar auch mit dem Schlüsselloch zu tun, lassen jedoch vor allem den Hintergrund kirchlich ein- und zugemauerter männlicher Identität zur Überhöhung des Mannes durchblicken. Aber die Kirche ist nicht die einzige Bastion traditioneller Männlichkeit, der Männer und Frauen Opfer bringen müssen.

Dr. Norbert Copray


Rezensierte Bücher:

Vera van Aaken: Männliche Gewalt. Patmos. 432 Seiten.

Wolfgang Bergmann: Ikarus 2000. Kreuz. 219 Seiten.

Dudley Seth Danoff: Superpotenz. Bettendorf. 317 Seiten.

Susan Faludi: Männer. Rowohlt. 636 Seiten.

Tuli P. Haromy: Der neue Mann. Piper. 475 Seiten.

Georg Kindel/Siegfried Meryn/Markus Metka: Der Mann 2000. Ueberreuter. 352 Seiten.

Hubertus Mynarek: Casanovas in Schwarz. Blaue Eule. 176 Seiten.

Harrison G. Pope/Katharine A. Philips/Roberto Olivardia: Der Adonis-Komplex. dtv 24249.

Ralf Puchert/ Stephan Höyng: Die Ausbremser. Kreuz. 200 Seiten.

Hilde Schmölzer: Der Krieg ist männlich. Ist der Friede weiblich? Verlag für Gesellschaftskritik. 352 Seiten.