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Angst und Unsicherheit hinter Imponiergehabe

Stichwort
Männer

Kaum wurde ‚der neue Mann' gesichtet, ist er auch schon wieder entschwunden. Wenn es nach dem Selbstverständnis der Männer geht, erweist sich ein nennenswerter Anteil von 28 Prozent als ‚neue Männer', die Erziehungsurlaub nehmen würden, sich die Hausarbeit mit der Frau teilen, Frauenemanzipation wichtig und richtig finden sowie das Einkommen mit der Frau gemeinsam beischaffen.

So jedenfalls dokumentierte es die Studie der Kirchen von Paul M. Zulehner und Rainer Volz unter dem Titel "Männer im Aufbruch" (vgl. Publik-Forum 23/1998, S. 53f). Soweit die männliche Ideologie angesichts der Frauenemanzipation und wachsenden Drucks in der Arbeitswelt. Die sozialwissenschaftliche Analyse des tatsächlichen Verhaltens ist dagegen ernüchternd: Die Hausarbeit bleibt Frauenarbeit. Besonders in der gebildeten Mittelschicht erweist sich die beschworene Partnerschaft als von beiden Geschlechtern gepflegte "Illusion der Emanzipation", so auch der Titel der entsprechenden Untersuchung von Cornelia Koppetsch und Bünter Burkart. Am Beispiel der Wäschepflege deutlich, wie die Unfähigkeit demonstrierenden Männer und die sich auf diesem Gebiet kompetent gebenden Frauen Hand in Hand traditionelle Geschlechtsnormen festigen. Terrence Real sieht dahinter einen Handel. Die Männer waren der Partner- und Familieliebe wegen bereit, auf innere emotionale Bedürfnisse zu verzichten, um sich besser in den beruflichen Konkurrenzkampf stürzen zu können, während die Frauen einwilligten, auf viele ihrer Leistungsbedürfnisse zu verzichten, um sich statt dessen der Pflege emotionaler und kommunikativer Ressourcen zu widmen. Kein Wunder, so Real, dass Depressionen bei Männern so viel wie bei Frauen verbreitet sind. Sie werden nur erfolgreicher geleugnet und getarnt, verraten aber viel über den Verlust wirklicher Intimität. Dafür gibt es dann sogenannte "Männerbünde", wie sie Helmut Blazek beschreibt und analysiert. Im Kollektiv des Männerbundes werden oft emotionale Grenzerfahrungen aufgesucht, werden Intimitäten kultiviert, die einerseits das Männliche im Gegensatz zum Weiblichen betonen, andererseits verlorene emotionale Zufuhr organisieren. Männer haben Angst, ihre Gefühle und emotionalen Bedürfnisse einzugestehen und zuzulassen, wenn sie sich dabei nicht gleichzeitig von Frauen unterscheiden und abgrenzen können.

Steht die männliche Identität auf zu schwachen Füßen? Warum meinen Männer, immer gewinnen, Macht ausüben und sich ständig fordern zu müssen? Diese Fragen stellen Heidrun Bründel und Klaus Hurrelmann, um zu zeigen, wie Männer von >Konkurrenz, Karriere und Kollaps< Abschied nehmen können. Doch die Veränderungsprozesse sind langwellig. Bisweilen breitet sich auch Ratlosigkeit aus, wenn immer mehr Männer impotent werden oder wenn wegen des Drucks auf die Männerrolle krankhafte Schuldgefühle, Zorn, Rachegelüste bis hin zu Depressionen zu Tage kommen. Walter Hollsteins Plädoyer "für ein verändertes Männerbild" unter dem Titel "Männerdämmerung" hilft verstehen, wie es zu einem negativen Männerbild gekommen ist, wie Männlichkeit heute nur noch im Plural zu begreifen ist und welche Schritte Männer noch gehen müssen, um jetzt nicht auf halber Strecke mit zweideutiger Männlichkeit stehen zu bleiben. Männliche Identität steht derzeit auf schwachen Füßen, was durch um so rasanteres Imponiergehabe in Politik und Wirtschaft bemäntelt wird. Den Blick dahinter erlaubt Wilfried Wiecks Buch "Was Männer nur Männern sagen", in dem in Gesprächsprotokollen viele Männerängste und Unsicherheiten sichtbar werden. Wie Frauen sich von Männern wirtschaftlich abhängig machten oder noch machen, so haben Männer sich emotional von Frauen abhängig gemacht. Das männliche Wohlbefinden verdankte und verdankt sich so den Zuwendung der Frauen oder der männlichen Entgegensetzung zur Frau. Männer hätten zu lernen, sich wohl zu fühlen, ohne die Frau abzustoßen oder abzuwerten und ohne nur auf die Zuwendung der Frau zu warten oder sie anzubaggern. Das Wohlfühlbuch für Männer von Michael Reitz "Mann, das tut gut!" kann da eine ‚Erste Hilfe' sein. Viele praktische Ideen für eine Selbstfindungsreise zu einer noch zukünftigen neuen männlichen Identität.

Dr. Norbert Copray


Rezensierte Bücher:

Helmut Blazek: Männerbünde. Ch.Links. 264 Seiten.

Heidrun Bründel/Klaus Hurrelmann: Konkurrenz, Karriere, Kollaps. Kohlhammer. 207 Seiten.

Walter Hollstein: Männerdämmerung. Vandenhoeck&Ruprecht. 140 Seiten.

Cornelia Koppetsch/Günter Burkart: Die Illusion der Emanzipation. UVK. 344 Seiten.

Michael Reitz: Mann, das tut gut! Bauer. 191 Seiten.

Terrence Real: Mir geht's doch gut. Männliche Depressionen. Scherz. 383 Seiten.

Wilfried Wieck: Was Männer nur Männern sagen. Kreuz. 224 Seiten.