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Buchtipps

Wir brauchen Zukunftsbilder!

Werner Mittelstaedt
Kurskorrektur
Bausteine für die Zukunft. Edition Büchergilde. 191 Seiten.

Bei Arbeitgebern, Gewerkschaften, Regierungs- und Oppositionsparteien gibt es nur eine Antwort auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten: Wachstum, Wachstum über alles. Dass diese Antwort nicht nur einfältig, sondern auch hoch riskant ist, wissen wir nicht nur seit dem Bericht an den Club of Rom, der 1972 unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ bekannt wurde. Viele aktuelle globale Analysen bestätigen: Ökonomisches Wachstum wie bisher verkürzt das Leben der Menschheit. Im Grunde ist die aktuelle Problemlage durch das Wachstum und den Erfolg des Kapitalismus entstanden: Pro Tag suchen 1,5 Billionen Dollar weltweit eine Anlagemöglichkeit. Es wurde soviel freischwebendes Kapital durch wirtschaftlichen Erfolg erzeugt, dass es bereit ist, in alles zu investieren, was noch viel mehr Kapital erbringt, egal, ob es sinnvoll ist.
Zukunftsgestaltung ist nur möglich, wenn über das Krisenmanagement hinaus die Perspektive klar wird, wohin die Reise gehen soll. Dazu hat Werner Mittelstaedt, der Senior der Zukunftsforschung in Deutschland, seine „Kurskorrektur“ herausgebracht und liefert damit tragfähige „Bausteine für die Zukunft“. Aus seinem Konzept einer evolutionären Zukunftsforschung heraus plädiert er dafür, auf vielen verschiedenen Ebenen die Zukunftsdiskussion und die Kurskorrektur neu zu betreiben. Dazu skizziert er in seinem Buch „beispielstiftende, hoffnungsvolle Zukunftsbilder“. Mittelstaedt: „Für das visionäre Ziel einer wirklich nachhaltigen Entwicklung müssen viele dieser ‚hoffnungsvollen Zukunftsbilder’ aus ihrem Nischen-Dasein zum Mainstream des Wertens und Handelns werden“.
Zuerst vermittelt Mittelstaedt notwendiges Zukunftswissen zu den globalen Megatrends. Den wenigen Visionen, die bislang für das 21. Jahrhundert entworfen worden sind, fehle es an Ausstrahlungskraft und Verbindlichkeit. Außerdem seien sie mit den Lebensbedingungen von Milliarden von Menschen nicht ausreichend vernetzt. Nicht zuletzt deshalb, weil seit Jahren Einzelinteressen „über die gesellschaftlichen und globalen Interessen“ dominieren. Mittelstaedt ist nicht blauäugig: „Wir müssen lernen, aus egoistischen Motiven die Zukunft evolutionär zu gestalten“. Dabei dürfen die Lösungen nicht wieder zum Bestandteil der aktuellen Krise werden. Ziel ist es, den Planeten, von dem wir alle leben, zu erhalten. Und ihm nicht, wie heute, zu 20 Prozent mehr abzuverlangen, als er tatsächlich für uns erübrigen kann. Der 1992 in Rio begonnene Prozess für Umwelt und Entwicklung ist nicht nur ins Stocken geraten. Erde und Menschheit verzeichnen Minusprozesse. Daher dürfen neue Fortschritte nicht von Politik und Unternehmen erwartet werden. Nichtstaatliche Organisationen, neue soziale Bewegungen und Gruppierungen, länderübergreifende Netzwerke müssen Politik und Wirtschaft in die Zange nehmen, unter Druck setzen, Rio und Agenda 21 selbst in die Hand nehmen.
Als „Bausteine für die Zukunft“ stellt Mittelstaedt Sichtweisen, Methoden, Veranstaltungsformen, Aufgaben und schließlich seine Zukunftsbilder vor. Dabei greift er auf die vergessene, kritische Futurologie Ossip K. Flechtheims zurück. Die Grundhaltung ist entscheidend, die Zukunft als offen, den aktuellen Wandel als dynamisch zu sehen und sich Eingreifmöglichkeiten, auch durch klärende Antithesen, zuzusprechen. Pessimismus tötet Zukunft. Was den Zukunftsbildern noch fehlt, ist deren Vernetzung und Prüfung auf Wechselwirkungen. Das Ziel muss sein, hoffnungsvolle Visionen zu schaffen, die Perspektiven für nachhaltiges Handeln erschließen. Und viele Menschen zu motivieren, sich der Suche danach aktiv anzuschließen. Damit das quantitative Wachstum durch ein qualitatives Wachstum überwunden, Erde und Menschheit erhalten, jedem Menschen ein sinnvoller, sozialer Platz zugestanden und die Vielfalt von Natur und Kultur entfaltet wird. Die dazu erforderliche Zukunftsethik wäre die Entwicklung eines planetarischen Bewusstseins. Das wäre das beste Erbe, das wir unseren Kindern hinterlassen können.

Dr. Norbert Copray