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Buchtipps

Wirtschaftliche Freiheit auf Kosten der Bürger

Warum es eine neue Marktordnung geben muss

Während Staat, Unternehmen und Arbeitnehmer die Weltwirtschaftskrise mit Kurzarbeit abzumildern suchen, sind die Investmentbanken schon wieder oben auf und machen teilweise mehr Kasse als vor der Krise. Wie geht das? Noch nie wurde weltweit einer ganzen Branche staatliche Subvention zuteil wie der Finanzindustrie. Auf Kosten der Steuerzahler, der Bürger, der Arbeitnehmer und etlicher Unternehmen. Mit seinem neuen Buch „Im freien Fall“ legt der Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger von 2001, Joseph Stiglitz, eine geharnischte Analyse über das „Versagen der Märkte“ vor, um daraus Konsequenzen für eine „Neuordnung der Weltwirtschaft“ zu ziehen. Der Leiter einer „UN-Kommission zur Reform der internationalen Geld- und Finanzmärkte“: Die Marktfundamentalisten behaupten, die Weltwirtschaft hätte einen schweren Unfall erlitten, der aber prinzipiell nicht zu vermeiden ist. Die kapitalistischen Unfälle in Kauf nehmen hieße, sich mit Symptomen einer tief sitzenden Krankheit einzurichten. Aber „die gegenwärtige Krise hat grundlegende Mängel im kapitalistischen System offenbart“. Eine „Neue Marktwirtschaft“ ist aufzubauen, die auf einer Reihe neuer Gesellschaftsverträgen basiert, um das Vertrauen zwischen Bürgern und Staat, zwischen Staat und Wirtschaft im Sinne einer größeren staatlichen Regulierung wiederherstellt, weil Märkte aus sicher heraus nicht effizient funktionieren. Stiglitz in der Tradition des Ökonomen John Maynard Keynes. Genau Kenntnisse über ihn vermittelt das Buch „Die Rückkehr des Meisters“ von Robert Skidelsky, das sehr sorgfältig die Biographie und das Denken von Keynes vorstellt und daraus die Konsequenzen zieht für ein Urteil über die aktuelle Wirtschaftskrise und für den künftigen Aufbau einer geordneteren Marktwirtschaft. Während Keynes den Kapitalismus für eine vorübergehende Erscheinung von Wirtschaft hielt, glaubt Stephen Green, Präsident des weltweit größten Finanzinstituts HSBC und ordinierter anglikanischer Priester, Kapitalismus entstehe immer dann und dort, wo Menschen keine anderen Ismen aufgezwungen würden. Dieser christlich verbrämte neoliberale Glaube, dass Freiheit, Demokratie und Kapitalismus eine nahezu selbstverständliche Einheit bilden, ist einer der Ursachen für die Dereguliergung des Marktes durch christliche US-Präsidenten und ihre Parteien. Und an die Stelle eines konservativ geregelten Marktes „traten die Strukturen des Räuberstaats“, wie James K. Galbraith schreibt. Eine Wirtschaft, so Galbraith, „die sich von einer Spekulationsblase zur nächsten bewegt, ist nicht nachhaltig“ und begünstigt die Reichtumsvermehrung Weniger zu Lasten Vieler. „Raubverhalten in der Wirtschaft ist der Feind einer aufrichtigen, unabhängigen und inbesondere nachhaltigen Unternehmenskultur“ und fördert reaktionäre, schlechte, skrupellose Unternehmen und Staaten. Daher sein Plädoyer „gegen den Räuberstaat“, gegen Scheinmärkte, Marktversagen und für notwendige, wirtschaftliche Planung und Standards. Green spricht von „nachhaltiger Wertmaximierung“, sieht aber deren Ursprung eher in persönlichen Werten als in polit-ökonomischen Strukturen, wie sie heute nötig wären. Darauf zielt der radikale Ansatz des Autorengespanns Michael Hardt und Antonio Negri. Mit „Common Wealth“ schließen sie ihre Triologie ab, mit der sie die Krise des Kapitalismus und die Chancen einer globalen Alternative von ausgelotet haben. Im neuen Werk treten sie für eine multipolare Welt, für Unternehmen ohne Vorgesetzte, für eine Entfamilisierung des Sozialen und – das Wichtigste – für eine Überwindung des Eigentums ein. Nicht wirklich neu, aber unter einem enormen Berg von Polit- und Soziobegriffen enthalten. Die vielfältige globale Gemeinschaft der Menschen kennt nur noch Gemeineigentum und gemeinsame Pflege und Verwaltung. Das passt nicht zu langläufigen WG-Erfahrungen, aber durchaus zu den Erfahrungen von Katharina Weinberger in einem Konzern. Ihre „Insider-Analyse“ zeigt, wie die „Selbstzerstörung von Konzernen“ funktioniert, so dass es besser wäre, auf diese zu verzichten und die Politik aus ihrem Bann zu befreien. Bleibt die Frage: „Kann Kapitalismus moralisch sein?“ Für André Comte-Sponville ist Kapitalismus amoralisch, aber er muss in eine moralische Ordnung gebracht und durch individuelles Verhalten immer wieder ethisch überschritten werden. Aber so ändert sich nichts.

Dr. Norbert Copray

André Comte-Sponville, Kann Kapitalismus moralisch sein? Diogenes. 223 Seiten. 22,90 €

James K. Galbraith, Der geplünderte Staat, Oder was gegen den freien Markt spricht. Rotpunktverlag. 345 Seiten. 24, 50 €

Stephen Green, Wahre Werte, Über Moral, Geld und die Zukunft. FinanzBuch. 253 Seiten. 24,90 €

Michael Hardt/Antonio Negri, Common Wealth, Das Ende des Egentums. Campus. 437 Seiten. 34,90 €

Robert Skidelsky, Die Rückkehr des Meisters, Keynes für das 21. Jahrhundert. Kunstmann. 304 Seiten. 19,90 €

Joseph Stiglitz, Im freien Fall, Siedler. 448 Seiten. 24,95 €

Katharina Weinberger, Kopfzahl-Paranoia, Von der Selbstzerstörung der Konzerne. dtv 24763. 220 Seiten. 14,90 €