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Buchtipps

Regina und Gerd Riepe
Fremd ist der Fremde nur in der Fremde
Argumente gegen Rassismus. Lamuv 299. 160 Seiten.

Mittlerweile gibt es eine ansehnliche Zahl von Büchern und Theorien, um uns den Rassismus, den Nationalismus und die Fremdenangst zu erklären. Und nicht wenige von ihnen wurden an dieser Stelle vorgestellt und zu lesen empfohlen. Doch sie sind nicht das tägliche Brot der sozialen und kulturellen Auseinandersetzung in diesem Themenfeld. Die Sprüche, Halbsätze, Halbwahrheiten und Schnelllügen, die rassistisches und fremdenfeindliches Gedankengut transportieren, kommen gewissermaßen als Bodensatz der Alltagsgespräche daher. Sie entgehen deshalb auch weniger aufmerksamen und kritischen Zeitgenossen. Schnell ist man einer rassistischen Attitüde unbemerkt in die Falle gegangen und dadurch Teilnehmer und Produzent eines geistig-sozialen Klimas, das in letzter Konsequenz über die Angstabwehr, Missachtung zur Verachtung, Demütigung und Ausgrenzung führt. Ob sich all jene, die sich darüber beklagen, dass sich etliche ausländische Mitbürger bei uns durch Erwerb der deutschen Sprache nicht integrieren wollen, mal überlegt haben, ob sie sich denn in eine Sprachkultur würden integrieren wollen, die subtile und aggressive Ressentiments gegen einen selbst transportiert. Und dann kommt als Argument gleich, dass die Ursprungsgesellschaften der ausländischen Mitbürger, die türkische Gesellschaft insbesondere, weit weniger tolerant mit Fremden und mit fremdartigem Kulturgut umgehe, weswegen im Ausland der Druck viel größer sei, sich anzupassen. Wer türkische Menschen kennt, kann solche Pauschalurteile nicht bestätigen, gleichwohl sich viele Türken selbst nicht eins über den Weg zu einer liberalen oder autoritären Gesellschaft sind.
Als tägliches Brot gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit legen Regina und Gerd Riepe ihr Taschenbuch "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" vor. Ein Taschenbuch, das tatsächlich in der Tasche mitgeführt werden und von Tasche zu Tasche wandern sollte. Denn in einer exzellenten Didaktik machen sie die Leser mit den verschiedenen Aspekten von täglichem Rassismus sowie mit den Gegenargumenten und -strategien vertraut. Was fremd ist, wird aus der Sicht der aggressiven und subtilen Rassisten dargestellt, um die entsprechenden Gegenargumente und -strategien darstellen zu können. "Die Bilder von Fremden" sind ebenso Thema wie "das politische Spiel mit den Ängsten" vor den Fremden und der Fremdheit, auf das sich besonders politisch Konservative bis Rechtsradikale ausgezeichnet verstehen. Wissenschaftliche Erklärungsversuche werden in einem Überblick zum Schluss vorgestellt, doch das Wichtigste hat zuvor schon in diesem Buch gestanden. Gekonnt haben die Autoren eine Fülle von Material kleingearbeitet und für das Alltagsgespräch eingerichtet. Auszüge aus Zeitungen, Lieder, Statistiken, Autorenzitate, Karikaturen, Internetadressen und Literaturhinweise machen das Buch zu einem kleinen Tausendsassa, zu einer kleinen ‚Bibel des Antirassismus'. Das Buch ist handlich und preiswert. Es sollte in Stapeln verschenkt, paketweise in Schulen verteilt und diskutiert, in die Tasche eines Jeden und einer Jeden gesteckt werden. Rassismus ist selbst ein Unwort, denn die Einteilung der Menschen in Rassen, wie dies volkstümlich im Irrglauben an wissenschaftliche Grundlagen geschieht, ist hanebüchener Unsinn und entbehrt jeder vernünftigen Grundlage. Rassen sind ein soziales Konstrukt, eine Interpretation von kulturellen und vermeintlich anatomischen Unterschieden, die erst durch diese Interpretation den Stellenwert ‚rassistischer' Unterschiede erhalten. Die Vorstufe des Rassismus indes ist Fremdenfeindlichkeit und Fremdenabwehr, vielmehr noch das Spiel mit den Ängsten der Menschen vor dem Fremden. Darauf verstehen sich auch jene Kreise sehr gut, die sonst das Schild der europäischen Wertekultur vor sich her tragen und möglichst noch das hohe C des Christentums anstimmen. Ein scharfe Replik von uns, dem Volk, gegen solche Führungsgestalten, ist überfällig. Anstand gibt es nur da, wo es gegen Inhumanität Aufstand gibt.

Dr. Norbert Copray