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12.08.2010 11:49
Wenn Arbeit krank macht  

Dauerdruck, Hektik und geringe Ressourcen: Deutsche Arbeitnehmer reagieren mit psychischen Beschwerden und Erkrankungen auf den kaum noch zu bewältigenden Stress in den Unternehmen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes betrugen die Krankheitskosten durch psychische und Verhaltensstörungen im Jahr 2008 knapp 28,7 Milliarden Euro. Für gut die Hälfte dieser Kosten waren nur zwei Diagnosen verantwortlich: 9,4 Milliarden Euro wurden für Demenzerkrankungen und 5,2 Milliarden Euro für Depressionen ausgegeben. Vor allem für die Behandlung von Frauen fiel ein Großteil der Kosten an, da Frauen häufiger als Männer unter einer dieser beiden Erkrankungen leiden.

Die Ergebnisse der Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Kosten durch psychische Erkrankungen von 2002 bis 2008 besonders stark gestiegen sind: Bei den Behandlungskosten von Frauen machte sich eine Plus von rund drei Milliarden Euro bemerkbar, bei Männern ein Plus von zwei Milliarden. Das entspricht einem Zuwachs von 20 beziehungsweise 26 Prozent. Insgesamt sind die Krankheitskosten seit 2002 um 16 Prozent gestiegen.

Deutschlands Arbeitnehmer nehmen immer mehr Antidepressiva ein. So eine Sonderauswertung des TK-Gesundheitsreports. Demnach hat sich das Volumen der verschriebenen Antidepressiva unter Deutschlands Beschäftigten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Statistisch erhielt 2009 jeder Berufstätige durchschnittlich für acht Tage Medikamente zur Behandlung von Depressionen. Das bedeutet einen Anstieg von 113 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000.

Seelische Erkrankungen bedeuten längere Fehlzeiten als bei physischen Erkrankungen. Und für die Firmen kommt es dadurch zu 4,1 Milliarden Euro Kosten bzw. nicht realisierten Umsätzen. Doch das scheint kein Grund für die Unternehmen zu sein, für gesundheitsförderliche und damit faire Arbeitsumstände zu sorgen. Viele haben den Zusammenhang zwischen psychischen Arbeitsbedingungen, Leistungsfähigkeit und psychischen Beeinträchtigungen auch noch nicht erkannt. Krankenkassen versuchen mit Gesundheitsförderung dem Trend entgegen zu wirken. Mit geringem Erfolg. An der extremen Arbeitsverdichtung, hohen Beschleunigung und unmittelbaren Dauerverfügbarkeit hat sich nichts geändert. Die Firmenleitungen müssten erkennen, dass sie mit einer gesundheitsförderlichen Arbeitskultur nicht nur an Fairness-Qualität, sondern auch an Performance gewinnen. Aber dafür wird nur selten und wenig Geld in die Hand genommen.

Und dann soll die nächste „Gesundheitsreform“ der schwarz-gelben Regierung auch noch die Unternehmen aus der weiteren Zunahme von Krankenkassenkosten entlassen und sie einseitig den Versicherten aufbürden. Als würden Arbeitsumstände, ehrgeizige Ziele und eine verbesserungsbedürftige Führungs- und Unternehmenskultur nicht selbst zu steigenden Krankheitskosten beitragen.

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