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Blog nach Kategorie: Organisationen

04.12.2018 15:31
Was Beschäftigte für 2019 wichtig finden
Angesichts mancherorts vorhandener Vollbeschäftigung müssen einige Fragen zur Arbeitswelt neu oder erneut gestellt werden. Was ist den Beschäftigten in ihrem Beruf und an ihrem Arbeitsplatz am Wichtigsten? Wie ist das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Arbeit? Was treibt sie an? Wie stehen sie zu ihren Chefs? Ist die Möglichkeit, in Teilzeit arbeiten zu können, inzwischen besonders wichtig? Denken die Jungen darüber anders als die Älteren? Kurz: Was beschäftigt die Beschäftigten mit Blick auf 2019?

Zusammengefasst ergibt sich aus einer repräsentativen Umfrage 2018 mit Blick auf 2019 folgendes Bild:

„1. Das Wohlfühlen am Arbeitsplatz, die Arbeitsplatzsicherheit und die Zukunftsfähigkeit ihres Berufs sind erwerbstätigen Deutschen besonders wichtig.

2. Möglichkeiten zur Weiterbildung, die Unterstützung durch Vorgesetzte und die Einarbeitung in moderne Technik sind wichtige Anliegen, mit denen man im Vergleich weniger zufrieden ist.

3. Neue Ideen für die Arbeitswelt sind für Erwerbstätige derzeit nicht sehr wichtig, so die Option, berufliche und private Dinge zu verbinden. Vielmehr wollen sie in ihrer Freizeit nicht mit beruflichen Angelegenheiten behelligt werden.

4. Sabbaticals, Sportangebote, ein gesundes Kantinenangebot sind (noch) wenig relevant. Bei den jungen Erwerbstätigen zeigen sich hier allerdings erste Veränderungen.

5. Auch wenn die Unterstützung von Vorgesetzten bei der Weiterentwicklung bemängelt wird, sind die Erwerbstätigen mit der zwischenmenschlichen Beziehung zueinander weitgehend zufrieden.

6. Bei den jungen Erwerbstätigen zwischen 25 und 34 Jahren, die ihre Berufskarriere starten steht die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit an erster Stelle. Daneben erwarten sie Anerkennung, Unterstützung und Weiterbildungsmöglichkeiten.

7. Erwerbstätige zwischen 35 und 44 Jahren sorgen sich um ihr Fortkommen. Sie wollen sich weiterbilden, in moderne Technik eingearbeitet werden und erwarten dabei die Unterstützung durch Vorsetzte.

8. Leitende Angestellte wünschen sich die Einarbeitung in moderne Technik, die Unterstützung von Vorgesetzten und eine bessere Verteilung der Arbeit. Sie haben auch die Altersabsicherung im Blick. Die Zukunftssicherheit ihres Berufs sehen sie positiv.

9. Erwerbstätige in Großunternehmen (mehr als 2.000 Mitarbeiter) sehen die Unterstützung von Vorgesetzten bei der Weiterentwicklung als Defizit. Zudem erwarten sie sich eine bessere Verteilung der Arbeit und mehr selbstbestimmte Arbeitsinhalte.

Im Auftrag der ZEIT hat das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft quer durch alle Berufsgruppen 1.000 Menschen dazu befragt, was sie sich von ihrem Arbeitsplatz wünschen und wie zufrieden sie sind. (…) Dazu hat das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der ZEIT in einer repräsentativen Erhebung rund 1.000 erwerbstätige Menschen in Deutschland befragt: Arbeiter wie Angestellte, Selbstständige wie Auszubildende, ältere und junge, quer durch alle Berufsgruppen. Die Erhebung zu den "Fragen des Jahres" fand von Juli bis September 2018 mittels "computergestützter telefonischer Interviews" statt".

"Aspekte des Arbeitslebens, die im weitesten Sinne das Thema Führung betreffen, sind für die Beschäftigten auf besondere Weise relevant – sie finden sich vermehrt in der oberen Hälfte der Wichtigkeitsskala wieder. Das sind, zugegeben, noch keine "Breaking News". Aber ein zweiter Blick auf die Zahlen lohnt sich: Zwar sind die Vorgesetzten weiterhin die zentralen Figuren bei den wichtigen Fragen des Berufsalltags, sie sind Hoffnungsträger und Projektionsfläche. Bei den großen, "wichtigen" Themen "Weiterentwicklung", "Anerkennung", "Selbstbestimmtes Arbeiten", "Verteilung der Arbeit" und "Einarbeitung in moderne Technik" lautet die Botschaft allerdings: Kümmert euch gefälligst, und zwar deutlich mehr als bisher".

Am deutlichsten wird dies im Bereich "Unterstützung bei Weiterentwicklung durch Vorgesetzte" artikuliert. Obwohl drei Viertel der Befragten (74 Prozent – bei den 25- bis 44-Jährigen sogar 80 Prozent) es so relevant finden, dass es Platz fünf auf der Wichtigkeitsskala einnimmt, liegt der Zufriedenheitswert insgesamt bei dürren 45 Prozent – der größte Abstand unter allen abgefragten Punkten. Besonders groß ist die Diskrepanz und eine damit verbundene Anspruchshaltung bei Arbeitnehmern in Großunternehmen mit über 2000 Mitarbeitern. Da besteht nach Auskunft der Infas-Experten ein flächendeckender "Handlungsauftrag": Die Angestellten wünschen sich Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten und Einarbeitung in moderne Technik ebenso wie bei eigenständiger Gestaltung der Arbeitsinhalte und einer besseren Verteilung der Arbeit.

Bei aller Selbstständigkeit sehnt sich der noch so mündige Arbeitnehmer offenbar auch nach Streicheleinheiten. Gleich nach der "Weiterentwicklung" folgt "Anerkennung" auf Platz sechs der Wichtigkeitsskala: Für fast 70 Prozent aller Beschäftigten ist diese Frage von herausragender Bedeutung, übrigens in allen befragten Altersgruppen gleichermaßen. Hier scheinen die Chefs aber ihre Lektion gelernt zu haben: 54 Prozent der Beschäftigten sind zufrieden mit der Art und Weise, wie ihnen Wertschätzung entgegengebracht wird".

Doch es ist noch Luft nach oben, denn die Zahl heißt auch: 46 Prozent sind noch nicht mit der Wertschätzung und Anerkennung durch ihre Vorgesetzen zufrieden. Oder lassen es die Beschäftigten an Qualität und Engagement vermissen? Auch dann wäre eine motivierende und leitende Rückmeldung wichtig, die auch wertschätzend praktiziert werden kann und Mankos überwinden hilft.

Weitere Ergebnisse, Details und Schaubilder finden sich im PDF der Studie
"Studie zur Arbeitswelt 2019"

17.10.2018 16:34
Warum kann das Ökosiegel FSC die Zerstörung von Urwäldern nicht stoppen?
Urwälder verschwinden immer schneller: Um das Abholzen aufzuhalten, wurde vor 25 Jahren - auch mit Greenpeace - das Ökosiegel FSC gegründet. Es bescheinigt, dass Papier, Möbel und andere Produkte aus "umweltgerecht" gefälltem Holz hergestellt wurden.

Doch verkehrt sich das gut gemeinte FSC-System womöglich ins Gegenteil, indem illegale Waldrodung nicht verhindert und der Verbraucher getäuscht wird?
Der kambodschanische Urwald wurde seit dem Jahr 2000 bis auf 25 Quadratkilometer völlig abgeholzt. Die anhaltende Abholzung der Erde ist für mehr CO2 Emissionen verantwortlich als alle Autos und Lastwagen.

Die internationale Organisation Forest Stewardship Council (FSC) ist ein Verein zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft. Das FSC-Siegel gilt weltweit als das wichtigste Ökosiegel. Mit Hilfe des FSC soll der Verbraucher Möbel, Papier, Terrassendielen und andere Güter aus „umweltgerecht“ gefälltem Holz erkennen können.

Der FSC mit Sitz in Bonn hat bislang das Forstmanagement für mehr als 200 Millionen Hektar Wald zertifiziert. Dies entspricht einer Fläche etwa so groß wie Westeuropa. Manfred Ladwig und Thomas Reutter ziehen in ihrer Filmreportage „Die Ausbeutung der Urwälder“ eine spannende und bittere Bilanz: Sie filmten monatelang an globalen Hotspots der Abholzung. Was haben 25 Jahre FSC gebracht?

Dabei kommt es zu unschönen Entdeckungen: Firmen, die beschuldigt werden, auch illegal geschlagenes Urwaldholz zu verarbeiten, wird das Ökosiegel nicht zwangsläufig vom FSC entzogen. Und selbst eine Firma, die für illegale Abholzungen im brasilianischen Regenwald verurteilt wurde, darf das Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft weiter nutzen. Ein investigativer Film über die Zusammenhänge zwischen dem FSC, illegalen Rodungen und der Vertreibung von Waldbewohnern.

"Filmreportage über die Ausbeutung der Urwälder für unseren Papierverbrauch"

:
"Greenpeace verlässt das FSC-Siegel, das es selbst mitgegründet hat"
Greenpeace ist nach wie vor davon überzeugt, dass der FSC – außerhalb von Urwäldern – das beste Zertifizierungssystem für Wälder ist.

"Kritische Fragen an das FSC-Siegel"

"FSC in der Krise?"

08.10.2018 11:03
Werte-Kanon und Leitbild zwischen Marketing und Realität
Es gibt Trends und Organisationsglaube besonders im Führungskreis und in der Personalentwicklung von Unternehmen, die bisweilen in die Irre führen. Professor Uwe P. Kanning erklärt, warum die hochgelobte "DNA" der Unternehmen weniger Nutzen stiftet als angenommen (Teil A). Er ist seit 2009 Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück. Seine Schwerpunkte in Forschung und Praxis: Personaldiagnostik, Evaluation, Soziale Kompetenzen und Personalentwicklung. Anschließend zeige ich auf, wo Kanning wiederum irrt und was zum Besseren einer Organisation getan werden kann (Teil B).

Teil A

„Glauben auch Sie daran, dass Unternehmenswerte der Schlüssel zum Erfolg sind? Haben Sie sich ein Leitbild gegeben, um Mitarbeiter und Führungskräfte daran einzunorden? Vermitteln Sie auf Ihren Internetseiten eine einzigartige DNA Ihres Unternehmens, um aller Welt kund zu tun, wie der Laden bei Ihnen läuft? Gehen Sie davon aus, dass diese jungen verrückten Leute der Generation Y nach Werten nur so gieren und Ihnen dann die Türen einrennen werden, um bei Ihnen arbeiten zu dürfen?

Herzlichen Glückwunsch, dann bewegen auch Sie sich auf der Höhe aktueller Personaltrends! Sie haben alles richtig gemacht, denn wenn man so denkt wie der Rest der Szene, kann man doch eigentlich gar nicht falsch liegen, oder?

Forschung zeigt: Unternehmenswerte werden überschätzt

Ein Blick in die Forschung zeichnet – wie immer – ein sehr viel kritischeres Bild:

1. Studien, die sich mit der Frage beschäftigen, ob jüngere Menschen deutlich andere Arbeitsmotive – und damit auch arbeitsbezogene Werte – in sich tragen als ältere, fördern nur geringfügige Unterschiede zu Tage. Oft gehen die Unterschiede nicht einmal in die erwartetet Richtung. So interessieren sich jüngere Menschen beispielsweise sogar geringfügig stärker für Geld und Macht als ältere Menschen. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn sie müssen erst noch das erreichen, was ihre Eltern schon erreicht haben.

2. Metastudien, die untersuchen, wie stark die Attraktivität eines Arbeitgebers in den Augen von Bewerbern von den kommunizierten Werten des Unternehmens oder den realen Fakten des Arbeitsplatzes abhängen, zeigen zwar, dass Werte durchaus Einfluss nehmen, die Fakten aber wichtiger sind. Wenn der Arbeitsplatz nicht zu den eigenen Kompetenzen passt, ein lausiges Gehalt gezahlt wird oder man nach Bitterfeld ziehen muss, helfen die schönsten Werte nicht weiter.

3. Die Darstellung von Unternehmenswerten hat durchaus einen positiven Effekt auf Bewerber. Dieser Effekt hängt aber maßgeblich davon ab, wie präzise und glaubwürdig die Angaben des Arbeitgebers sind. Wer nur behauptet, dass man sich für Fairness einsetzt, sagt so gut wie nichts. Ebenso könnte man behaupten, dass Automobilherstellern in erster Linie das Wohl ihrer Kunden am Herzen läge. Überzeugender wird die Geschichte, wenn man differenziert erläutert, was der Arbeitgeber unter Fairness versteht und darüber hinaus belastbare Belege für faires Unternehmensverhalten gibt. Viele Bewerber ist mit bloßen Sprüchen nicht so leicht zu beeinflussen wie herkömmliche Kunden durch die Produktwerbung. Wer dies aus dem Blick verliert, zieht zu viele naive Bewerber an.

4. Die Darstellung von Leitbildern beziehungsweise Unternehmenswerten weckt immer auch Erwartungen. Wer diese nicht erfüllen kann, frustriert die (neuen) Mitarbeiter ohne Not. Die Leistungsstarken sind dann schon bald wieder weg. Übrig bleiben diejenigen, die keine andere Wahl haben.

5. Eine Metastudie, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Leitbildern und Unternehmenserfolg beschäftigt, kommt zu sehr ernüchternden Befunden: Die Existenz von Leitbildern korreliert zu lediglich zwei Prozent mit wirtschaftlichen Kennzahlen. Dabei ist nicht einmal klar, was hier die Henne und was das Ei ist. Es könnte sehr gut sein, dass sich wirtschaftlich erfolgreichere Unternehmen auch eher Leitbilder leisten.

6. Die Idee, dass jedes Unternehmen eine einzigartige DNA habe, die sich in acht bis zehn Unternehmenswerten beschreiben ließe, erscheint angesichts der Tatsache, dass in Deutschland etwa 3,6 Millionen Unternehmen existieren, recht gewagt. Die Anzahl positiv besetzter Werte ist überschaubar und negative traut man sich nicht nach außen zu kommunizieren. Wahrscheinlich reflektieren die vorhandenen Leitbilder eher Wünsche und Ziele der Arbeitgeber, wobei sich die Unternehmen im Vergleich untereinander wenig unterscheiden: mitarbeiterorientierte Führung, Teamgeist, Kundenorientierung, Leistungskraft, Innovation, Fairness, Work-Life-Balance, Offenheit, Toleranz, Umweltschutz und dergleichen. Die Unterschiede liegen eher im Wording und der Vermarktung als in den Inhalten.

7. Es ist zumindest fraglich, ob Großunternehmen überhaupt einen sinnvoll zu beschreibenden Wertekanon besitzen können, der mehr ist als nur die Ansammlung von Sprüchen. Tragen nicht die Leute im Presswerk weitgehend andere Werte in sich als ihre Kollegen im Marketing? Und wie sieht es mit den Mitarbeitern der Personalabteilung im Vergleich zum Lager aus?

Unternehmenswerte müssen die Realität widerspiegeln

Alles in allem sprechen die Befunde dafür, dass Unternehmenswerte kein Schlüssel zum Erfolg darstellen und in ihrer Bedeutung eher überschätzt werden. Richtig eingesetzt dürften sie aber einen kleinen Beitrag zum großen Ganzen leisten können. Wichtig erscheint dabei vor allem, dass die Werte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern tatsächlich die Realität widerspiegeln“. Soweit Kanning, der richtige Punkte anspricht. Sie werden indes verursacht von Aspekten, die Kanning völlig unterschätzt und nicht sieht. Was er und Viele nicht sehen und nicht beachten, ist der Prozess in einem Unternehmens, sich über die Orientierungswerte und damit die sozialen. Kommunikativen und ethischen Werte zu verständigen und für verbindlich zu erklären. Dieser Prozess, der sich je nach Größe des Unternehmens zwischen 1 und 4 Jahren dauern kann, ist das eigentlich Entscheidende. Und was nach diesem Prozess passiert. Es reicht nicht aus, den Wertekanon nach dem Motto: gelesen, gelacht, gelocht, geheftet zwischen zwei Aktendeckeln verschwinden oder marketingorientiert auf die Website und in Prospekte bringen zu lassen. Entscheidend ist:

a) Der Prozess muss möglichst alle Hierarchieebenen umfassen und sollte weder von unten nach oben und schon gar nicht von oben nach unten gehen. Fatal, wenn sich den Wertekanon sogar eine externe PR-Agentur und eine Unternehmensberatung ausdenkt und dann mit der Führungsspitze von oben nach unten (top down) an die Mitarbeiterschaft vermittelt. Zielführend ist vielmehr ein Erarbeiten jeweils in den Hierarchiestufen und dann ein Matching-Prozess über mehrere Stufen und Schritte. Das wirkt. So hat die Fairness-Stiftung methodisch in Unternehmen und Organisationen mithelfen können, dass aus einer zufälligen Sammlung von Menschen in einem Unternehmen eine weitgehend konsistente und kohärent kommunizierende und agierende Großgruppe entsteht, ein Groß-Team mit gleichem Sprachgebrauch und gleichsinnigem Handeln – das ist für die Kundschaft und für den Ertrag.

b) Der Prozess darf nicht durchgepeitscht werden, sondern muss eher ein Wachsen ein. An guten Pflanzen zu ziehen, beschleunigt weder das Wachstum noch die Qualität und den Ertrag. Es braucht also Phasen des Kommunizierens, Erarbeitens, Nachdenkens, Prüfens und Nachjustierens. Und die müssen dem Arbeitsprozessen im Unternehmen und dem Rhythmus der Teams und Hierarchieebenen angepasst sein. Also braucht es eben dies genannte Zeit und ist nicht im Handumdrehen zu haben. Die Konstruktion einer größeren Maschine, eines neuen Computers, eines komplexen Gebäudes braucht auch mitunter viel Zeit. Also braucht auch der Werte- und Fairness-Prozess richtig Zeit, wenn es gut werden soll. Oft gehen Unternehmen mit dem Zeitfaktor bei einem solchen Prozess sehr restriktiv um, weil er Geld kostet. Doch für Prozesse im administrativen, produktiven oder unternehmenspolitischen Bereich gibt es oft alle Zeit der Welt. Dieses Missverhältnis in der pekuniären Wertschätzung eines Werte- und Fairness-Prozesses ist dann eine Hypothek dafür, dass alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den angestoßenen Prozess ausreichend ernst nehmen.

c) Der Prozess braucht methodisch versierte externe Begleiter. Sie sollen sich inhaltlich zurückhalten, jedoch mit Impulsen den Prozess mit am Laufen halten, wie ein Gärtner, der seine Pflanzen gießt und ab und zu mit einem Pflanzstab für Stabilität sorgt. Die Begleiter müssen ausreichend Geduld mitbringen, gute reflektieren können, sehr umseitig sein und auch in Teilen ‚leidensfähig‘, wenn es Rückschläge oder Angriffe auf den Prozess oder die Begleitexperten gibt.

d) Der Prozess selbst ist so zu gestalten, dass schon zu Beginn geklärt werden, in welchem Geist, orientiert an welchen Aspekten dieser Prozess selbst gestaltet sein soll. So sollte das Prozessdesign möglichst nahe an der Unternehmensrealität und zugleich an den gewünschten Werten orientiert sein. Dadurch beginnt ein Korrespondenz-Rhythmus zwischen dem Prozess und dem zu erarbeitenden Wertekanon, dem Reglement, dem Leitbild. Zwischen beiden Seiten startet eine konvergente Entwicklung. Wo dies nicht der Fall ist, gibt es Ansätze für Analysen, woran das liegt, die dann wieder in den Prozess eingespeist und dort verarbeitet werden können. Dazu gehören auch Widerstände und Widerstandsgruppen, deren Widerstandskraft und –inhalte im Prozesse konstruktiv aufgegriffen werden können und ihren Platz bekommen, so wie Unkraut heute als Wildkräuter auch in einem Garten zum gepflegten Teil eines Gartens werden können.

e) Der Prozess braucht einen Vor-Prozess und einen Nach-Prozess. Im Vorfeld muss der Auftrag, die Aufgabe des Prozesses sehr gut geklärt, abgestimmt und verlautbart werden, um möglichst alles anzusprechen und mitzunehmen. Einwände können noch aufgenommen werden, um die Prozess kommunikativ abzusichern. Im Nach-Prozess ist zu realisieren, was im Prozess verabredet wurde, um den Prozess abzusichern, wirksam nach vorn zu gestalten und gegebenenfalls auf Störungen oder Versuche, die Ergebnisse zu unterlaufen, um zu deuten oder zu missachten, zu reagieren. Diesen Teil schenken sich viele Organisationen, weil sie das für verplemperte Zeit und rausgeworfenes Geld halten – „das sind dort Werte, die ohnehin jeder lebt oder leben sollte“. Verkennen aber, dass wie bei Einzelpersonen auch Unternehmen nach einer gewissen Zeit das Vereinbarte aus dem Blick verlieren und bei Werte- und Personenkonflikte die Flinte ins Korn werfen. Denn der Prozess einer Orientierung an verbindlichen Werte und an Fairness erweist sich als anstrengend. Und lieber ist ‚man‘ gewohnheitsmäßig in alten Mustern unterwegs und in seiner Komfortzone bequem aufgehoben. Da weiß man, wie’s läuft und muss nicht mit eigener Unsicherheit und ungewohnter Anstrengung kämpfen auf einem Gebiet, das nicht deckungsgleich ist mit der eigenen Profession.

Doch sollten gerade diejenigen, die ständig den Wandel vorantreiben oder auf den Wandel im Markt und auf technische, organisatorische oder politische Veränderungen reagieren müssen, bei Fragen der Wertorientierung und der Wertekommunikation in Unternehmen die Beharrungszone verlassen. Vorangehen heißt die Devise.

Mehr dazu findet sich in meinem Buch „Fairness“, Gütersloh 2010:
"Das Buch 'Fairness' von Norbert Copray"

sowie noch mehr zum Handlung des Thema im Buch meines Kollegen Dr. Ulrich Wiek
"Fairness als Führungskompetenz"

25.01.2017 14:43
Ökologisches Papier und Holz von FSC in der Glaubwürdigkeitskrise
Holz, das Bären tötet, illegal geschlagen wird, skrupellos durch Beamtenbestechung und Einschüchterung von Öko-Aktivisten ermöglicht wird? Holz, dass auch vielfach der Papierherstellung dient. Schauen Sie mal auf das FSC-Siegel Ihrer Papierverpackung und Ihrer Möbel. FSC Forest Stewardship Council, kurz FSC, ist eine internationale Non-Profit-Organisation für nachhaltige Forst- und Papierwirtschaft.

"Ein Unternehmen zerstört durch illegale Abholzung in Rumänien den Lebensraum der Braunbären – und darf sein Holz hierzulande sogar mit einem Nachhaltigkeits-Siegel verkaufen" schreibt die NGO-Kampagne Campact. "Wenn wir schnell handeln, können wir das ändern. Unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition:

"Den Appell gegen Ökotäuschung und Greenwashing hier unterschreiben"

"Klicken Sie hier und unterzeichnen Sie den Appell
Wir Verbraucher/innen vertrauen darauf, dass Produkte mit dem Siegel der Organisation Forest Stewardship Council (FSC) nicht aus dem Kahlschlag geschützter Wälder stammen".

Seit Herbst 2016 wird bekannt: "In Rumänien ist einer der größten Holzkonzerne Europas in illegale Abholzung verstrickt.[1] Skrupellose Holzfäller vertreiben dabei geschützte Braunbären aus Europas letzten Urwäldern, bestechen Beamte und schüchtern Umweltaktivisten vor Ort mit Gewalt ein.[2,3] Trotz seiner Geschäfte mit dieser Holzmafia, führt der österreichische Schweighofer-Konzern das renommierte FSC-Siegel – und macht damit auch in Deutschland ein gutes Geschäft.[1]

Der Vorstand des FSC in Bonn will den Fall zwar in zwei Wochen prüfen – und könnte Schweighofer das markante Siegel mit dem weißen Baum auf grünem Grund entziehen. Das Problem aber ist: Der FSC möchte das Unternehmen in seinem Verbund halten.[4] Der Vorstand könnte sich deshalb von fadenscheinigen Rechtfertigungen und Absichtserklärungen des Unternehmens einlullen lassen".

Um das zu verhindern, sollen dem FSC-Vorstand am 7. Februar 100.000 Unterschriften gegen sein Vorgehen überreicht werden. Es sind also nur wenige Tage Zeit, um sie zu sammeln. Campact: "Gemeinsam mit unseren Schwesterorganisationen aus Rumänien und Österreich fordern wir ein konsequentes Vorgehen gegen die Holzmafia. Bislang ist der FSC noch keinen Gegenwind für seine Siegel-Vergabe gewohnt – wir können deshalb starken Eindruck machen und die Organisation zu einer konsequenten Haltung gegen illegale Abholzung bringen. Bitte seien Sie jetzt dabei!
Hier klicken, um den Appell zu unterzeichnen":

"Den Appell gegen Ökotäuschung und Greenwashing hier unterschreiben"

Illegale Abholzung ist in Rumänien für den Tod hunderter Bären verantwortlich. Durch die Zerstörung ihrer Lebensräume werden sie in menschliche Siedlungen getrieben – und dort abgeschossen.[2,5] Bislang war das kein Grund für den FSC, der Schweighofer-Gruppe das Siegel abzuerkennen. Der FSC erklärt seine bisherige Nachsicht damit, dass das Unternehmen in Rumänien mit unübersichtlichen und illegalen Strukturen innerhalb der Branche konfrontiert sei.[4]

Was der FSC nicht erwähnt: Schweighofer selbst ist maßgeblich für diese Strukturen verantwortlich. „Seit Schweighofer am rumänischen Markt aufgetaucht ist, verschwinden jedes Jahr mehr und mehr Wälder. Die illegale Abholzung macht selbst vor Nationalparks nicht Halt“, berichtet Raluca Vestemeanu von unserer rumänischen Schwesterorganisation de-clic. Das Unternehmen ist mächtig: Schweighofer verfügt mittlerweile über genug Sägewerke, um die gesamte Holzproduktion des Landes zu kontrollieren.[6] Mit seiner Lobbymacht setzt der Konzern Politik und Behörden unter Druck.[3]

Eine breite Allianz aus zivilgesellschaftlichen Gruppen kämpft in Rumänien seit Langem gegen die Übermacht des Konzerns, tausende Menschen gingen gegen die Abholzung auf die Straßen.[7] Ein erster Erfolg: Eine rumänische Baumarktkette boykottiert das Holz des Unternehmens. Doch die großen Absatzmärkte liegen im Ausland: Österreich, Japan – und natürlich Deutschland. Solange der Konzern das FSC-Siegel führt, hat er keine Probleme, Abnehmer zu finden – und auch die letzten rumänischen Wälder der eigenen Gewinnbilanz zu opfern.

„Für uns ist die Unterstützung der Campact-Aktiven von entscheidender Bedeutung“, sagt Raluca Vestemeanu. „Deutschland ist ein wichtiger Markt für Schweighofer. Und für den FSC steht das Vertrauen der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher auf dem Spiel. Mit unserem gemeinsamen Bürgerprotest können wir erreichen, was Behörden und Regierung nicht schaffen: einen Sieg über Schweighofers Konzernmacht.“

Seit 2014 gingen in Rumänien übrigens tausende Hinweise auf illegale Holztransporte ein. Zur Verfolgung kam es lediglich in einem Fall.[3] Weil die Behörden versagen, muss deshalb der FSC jetzt endlich konsequente Schritte gegen die Holzmafia unternehmen. Bitte unterzeichnen Sie jetzt diesen Appell:
"Den Appell gegen Ökotäuschung und Greenwashing hier unterschreiben"

Was ist, wenn es gar nicht genug und Papier gibt, das man FSC zertifizieren kann?

[1] „Der gestohlene Urwald“, Studie der Environmental Investigation Agency (eia) zur Schweighofer-Gruppe, Oktober 2015
[2] „Die Armee jagt Meister Petz“, taz, 21. Oktober 2014
[3] „Ein Paradies wird abgeholzt“, Handelsblatt, 17. Mai 2015
[4] Stellungnahme des FSC zum Fall Schweighofer, Dezember 2016
[5] „Der Bär ist los“, Deutschlandfunk, 2. November 2016
[6] „Stealing the last Forest“, Volltext der Studie der Environmental Investigation Agency (eia) zur Schweighofer-Gruppe, Oktober 2015
[7] „Proteste gegen Abholzen der Wälder“, Neue Zürcher Zeitung, 9. Mai 2015

"Stellungnahme vom FSC"

09.05.2016 14:56
Wie fair sind faire Produkte?
Fair gehandelte Produkte bevorzugen – geht das, lohnt sich das? Stiftung Warentest hat in diesem Monat die stärksten Siegel für Nachhaltigkeit untersucht. Und kam zu dem Schluss: Den höchsten Standard repräsentieren die Siegel „Naturland fair“, „Fairtrade“ und „Hand in Hand“ von Rapunzel.

Sind denn die Verbraucher bereit, für fair gehandelte Ware mehr auszugeben? Stiftung Warentest stellt fest: „Ja. 2014 lag der Umsatz von Waren, die ein Fairness-Siegel tragen, erstmals über 1 Milliarde Euro – eine Verdopplung in nur drei Jahren. Gut drei Viertel davon sind Lebensmittel, so die Zahlen des Forums Fairer Handel. 78 Prozent entfallen auf Produkte mit dem Logo von Fairtrade, dem bekanntesten Siegel.

Auch andere Siegel versprechen, bei der Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien einzuhalten: Gepa fair+, Naturland Fair, Rainforest Alliance Certified, Utz Certified – und Hand in Hand“. Neben Fairtrade wurden fünf Siegel genauer durchleuchtet. Warentest: „Kann der Kauf von Produkten mit den Logos die Situation der Bauern verbessern? Ja, am meisten bei Naturland Fair, gefolgt von Fairtrade und Hand in Hand, am wenigsten bei Rainforest Alliance. Der Organisation geht es vor allem darum, nachhaltige Anbaupraktiken zu fördern. Mindestpreise für die Rohware garantiert sie nicht.

Einige Siegel legen den Schwer­punkt auf Soziales, andere auf Umwelt­schutz. Sie sind also nicht einfach Stempel auf dem Papier. Hinter ihnen stehen Labelorganisationen, die Anforderungen stellen – auch an die Bauern, die die Rohware erzeugen. Die Organisationen legen den Standard fest, nach dem Produzenten zertifiziert werden. Bauern können Schulungen in Anspruch nehmen, um die Anforderungen umsetzen zu können. Unabhängige Kontrolleure prüfen schließlich, ob sie die geforderten Kriterien einhalten. Alle Organisationen im Test haben eigene Standards – außer Gepa. Hinter „Gepa fair+“ stehen Standards anderer Organisationen wie Fairtrade“.

Die Tester von Stiftung Warentest machten „einen Praxis-Check“ und schreiben: „Für jede Organisation wählten wir bis zu vier mit ihrem Logo versehene Produkte aus: Kaffee, Tee, Kakao und Südfrüchte. Die Organisationen sollten belegen, dass sie diese zurück­verfolgen können und ihre Kriterien in der Produktion einge­halten werden. Farmen selbst besuchten wir nicht, unsere Prüfer ließen sich aber Kontrollberichte, Zertifikate und Verträge zeigen. Meist klappte die Rückverfolgbarkeit ohne Probleme – insbesondere bei Fairtrade und Rapunzel. Bei Rainforest Alliance und Utz kam es vor, dass die Herkunft der Rohware nicht eindeutig belegt werden konnte. Von klein bis groß. Das Hand-in-Hand-Logo von Rapunzel ziert nur etwa 100 Lebens­mittel, das Utz-Siegel 20 000.

Mit dem Erfolg kam die Kritik: Fairer Handel bewirke weniger als behauptet, befand 2014 eine Studie der University of London. In Äthiopien und Uganda würden Lohnarbeiter in fairen Kooperativen weniger verdienen als in konventionellen Betrieben. Fairtrade nahm die Kritik ernst, bemängelte aber die Methodik der Studie. Was sagt unser Test zum Thema Bezahlung? Auf dem Papier sichern alle Organisationen den Festangestellten in der Landwirtschaft Mindest- oder Tariflohn zu – oder sogar mehr. Unser Blick in Prüfberichte bestätigte das, vor allem bei Fairtrade und Rapunzel, da diese auch gezahlte Löhne aufführen. Fairtrade und Rapunzel sichern zudem Bauern in Kooperativen Mindestpreise für die Ernte zu, Naturland auch. (…)

Ob die Bauern tatsächlich von höheren Preisen und Schu­lungen profitieren, zeigen Wirkungs­analysen. Dazu messen die Organisationen ihren Effekt vor Ort. Vielfältige Analysen machen Fairtrade und Utz. Im „Impact Report 2016“ berichtet Utz etwa, dass viele Kakaobauern in der Elfen­beinküste bei Kontrollen negativ auffielen. Sie müssten mehr Schutz­kleidung tragen.

Die Labelorganisationen arbeiten längst zusammen und machen gemeinsame Kontrollbesuche. Das spart Zeit und Geld. Die Zertifizierer und Prüfer von Fairtrade und Rainforest Alliance dürfen seit neuestem für Utz Plantagen zertifizieren. Auch Bauern profitieren von mehreren Labeln, zeigt eine Studie des Centrums für Evaluation im Auftrag von Fairtrade. Sie haben so mehr Abnehmer und ein höheres Einkommen“.

Aber es gibt auch Kritik. Beispielsweise schrieb Cacao_Guro schon kurz nach dem Erscheinen des Heftes am 01.05.2016 dazu auf die Website von Stiftung Warentest: „Hallo, dass die Bauern ihre besten Produkte nicht fair trade handeln, stimmt zumindest im Kaffee- und Kakao-Bereich. In diesem bin ich in Südamerika seit vielen Jahren tätig. Preise für hochwertige Produkte liegen nämlich weit über jedem fair trade Preis; so wird Edelkakao oft zu Preisen die dem 10fachem fair trade Aufschlag entsprechen gehandelt. Zwar existieren bei fair trade zertifizierten Kakao Preisuntergrenzen, diese sind aber so niedrig angesetzt, dass sie seit vielen Jahren nicht erreicht wurden und in Zukunft auch nicht erreicht werden, so dass sie völlig sinnlos sind. Was den Test angeht finde ich die positive Bewertung von fair trade allgemein völlig unnachvollziehbar, da die Realität vor Ort anders aussieht. Es gibt Projekte, deren Zertifizierungskosten höher sind als der bezahlte Aufschlag, so dass die Bauern am Schluss sogar noch drauf zahlen. Zudem besitzt fair trade meiner Meinung nach in kleinster Weise ein System, ihr Standards zu überprüfen“.

Und Ka.Seb schrieb am 29.04.2016 ebenda: „bisher hatte ich auch eine positive Meinung zu Fairtrade. Nach dem Bericht im Südwest-Fernsehen http://www.swr.de/marktcheck/-/id=13831164/pqdwp3/index.html
habe ich meine Meinung geändert. Teilweise laufen unter Fairtrade Produkte, die wenige als 20 % Fairtrade beinhalten. Und das liest man erst im Kleingedruckten. Dann macht es keinen Sinn mehr, diese Produkte vorrangig zu kaufen. Und test fällt darauf herein“.

"Stiftung Warentest über Nachhaltigkeitssiegel"

"Wie die Nachhaltigkeitssiegel vergeben und geprüft werden"

"Sind Faire Trade-Produkte wirklich fair? Der SWR-Marktcheck prüft nach"

"Der Fairness-Check zu 60 großen Anbietern und Handelsketten"

26.09.2014 16:10
Fairness-Initiativpreis 2014 an AG Beipackzettel
Der Fairness-Initiativpreis 2014 der Fairness-Stiftung geht dieses Jahr an die AG Beipackzettel, eine Arbeitsgemeinschaft von ehrenamtlichen Patientenvertretern und professionellen Pharmamitarbeitern. Sie leistet seit Jahren bahnbrechende Arbeit für leicht verständliche Beipackzettel, die eine faire Kommunikation zwischen Pharmaindustrie, Ärzten, Apothekern und Patienten ermöglichen. Ihre weitgehend bislang unbekannte Arbeit soll mit dem Fairness-Initiativpreis am 25.10. in Frankfurt am Main im Rahmen einer Feier öffentlich bekannt und anerkannt werden.

In der AG Beipackzettel haben sich ehrenamtliche Vertreter von Patientenorganisationen und Seniorenverbänden (darunter Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und hren Angehörigen e.V.; Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren Organisationen e.V.; Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.; Bund zur Förderung Sehbehinderter – BFS NRW e.V.; Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V.; Frauenselbsthilfe nach Krebs Bundesverband e.V.) und Mitarbeiter von Pharmaunternehmen (u.a. Pfizer, MSD, Takeda) in einer Arbeitsgruppe zusammen gefunden und arbeiten seitdem an der patientenfreundlichen Gestaltung von Gebrauchsinformationen. Der Beipackzettel , wie er gemeinhin genannt wird, spielt eine wichtige Rolle im Leben von Patienten, aber auch bei Ärzten und Apothekern. Wie ein patientenfreundlicher Beipackzettel aussieht, hat die
AG in sieben Punkten zusammengefasst und dementsprechend bereits erfolgreich Beipackzettel verändert.

Am 25.10. wird im Rahmen der Preisfeier auch der Deutsche Fairness Preis 2014 an Claus Fussek, Sozialarbeiter, Pflegeexperte und Autor, vergeben.

Die Fairness-Stiftung ist seit 14 Jahren aktiv, das Fairness-Bewusstsein und die Fairness-Qualität in Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken und zu verbessern. Neben den Preisverleihungen berät die Fairness-Stiftung Menschen in unfairen Situationen, trainiert Führungskräfte in Fairness-Kompetenz und begleitet Firmen und Organisationen zur Fairness-Qualität. Die Preisverleihungen werden vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft gesponsert.


Pressekontakt:
Fairness-Stiftung
Dr. Norbert Copray
Langer Weg 18
60489 Frankfurt am Main
Tel. 069-78988144
Mail: presse(at)fairness-stiftung.de
www.fairness-stiftung.de


18.09.2014 12:35
Deutscher Fairness Preis 2014 an Claus Fussek
Den Deutschen Fairness Preis 2014 erhält der Pflegeexperte Claus Fussek. Das Kuratorium der Fairness-Stiftung erklärt: Claus Fussek hat einen entscheidenden Beitrag für die Fairness zwischen den Generationen geleistet und insbesondere die Situation der Pflegebedürftigen, der Kranken und der alten Menschen ins öffentliche Interesse gerückt. Das jahrzehntelange Engagement des Sozialarbeiters für die Beachtung der Menschenrechte in der Pflege wird durch die öffentliche Verleihung des Deutschen Fairness Preises am 25.10. in Frankfurt am Main gewürdigt.

Die Fairness-Stiftung ist seit 14 Jahren aktiv, das Fairness-Bewusstsein und die Fairness-Qualität in Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken und zu verbessern. Neben den Preisverleihungen berät die Fairness-Stiftung Menschen in unfairen Situationen, trainiert Führungskräfte in Fairness-Kompetenz und begleitet Firmen und Organisationen zur Fairness-Qualität. Die Preisverleihung wird vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft gesponsert.

18.03.2014 14:51
Verliert der TÜV seinen guten Ruf?
TÜV Siegel haben ein hohes Ansehen, das sich der TÜV über Jahre erworben hat. Was ist jedoch, wenn der TÜV mit einem Siegel wirbt, dass kaum hält, was es verspricht?

Derzeit klärt der Bundesgerichtshof, ob beim TÜV Rheinland eine Pflichtverletzung bei der Zertifizierung von Brustimplantaten der Firma PIP vorliegt. PIP hatte jahrelang Brustimplantate mit gesundheitsschädlichem Industriesilikon versetzt. Plusminus berichtet, dass der Redaktion Unterlagen vorlägen, die Versäumnisse des TÜVs vermuten lassen.

In einem anderen Fall gaben Prüfer des TÜV Süd vor Gericht an, dass „sie (…) [im Prüfbericht] das hineinschreiben [würden], was der Auftraggeber will“. „Der TÜV erklärt das als Missverständnis. Nicht die Ergebnisse, sondern das Test-Design würden nach Wunsch des Kunden gestaltet“. Hierbei ging es um ein Blockkraftwerk einer GFE-Group, welches sich als Betrugsfall herausstellte. Der TÜV hatte fälschlicherweise einen „sensationell niedrigen Treibstoffverbrauch“ attestiert.

Vor fünf Jahren hat der TÜV Nord sein Prüfsiegel „geprüfte Fondsplausibilität“ für „besonders riskante geschlossene Fonds“ eingestellt. Zuvor war vom Bundesverband für Finanzdienstleistungen festgestellt worden, dass die TÜV-Noten „deutlich geschönt" seien.

Für kriminelle Zwecke nutzte die Firmengruppe S&K Immobilien eine Bescheinigung des TÜV Süd. Die Bescheinigung, laut TÜV nur für interne Zwecke gedacht, stellte fest, „dass sich der Wert der Immobilien von S&K fast verdoppelt“ habe. Zwar wurde die Bescheinigung von S&K missbraucht, allerdings scheint fragwürdig, weshalb der TÜV überhaupt eine solche Bescheinigung ausstelle, ohne den Wert der Immobilien zu prüfen.

Im Bereich nachhaltiger Palmöl-Produktion in Indonesien werfen Kritiker TÜV Nord und - Rheinland Gefälligkeitsgutachten vor. Ein solcher Fall wurde durch TÜV Nord bestätigt und betraf den Palmölproduzenten Wilmar.

Kritisch untersucht Panorama außerdem das Siegel „Service tested“ des TÜV Saarland. Auch hier kann festgestellt werden, dass der TÜV zwar Informationen zum Vorgehen der Kundenbefragung veröffentlicht, diese jedoch unvollständig sind und somit einen Mangel an Transparenz aufweisen.

Die aufgedeckten Fälle sind zum großen Teil sehr gravierend. Dennoch scheint es sich um Einzelfälle zu handeln. Es ist bislang keine systematische Strategie erkennbar, wonach der TÜV seine Qualität gemindert habe und Verbraucher täuschen wolle. Es bleibt jedoch abzuwarten, was der TÜV unternimmt, um die Qualität seiner Siegel zu sichern und vor Missbrauch zu schützen. Auf Seiten des TÜVs sind hierfür hohe Anstrengungen erforderlich. Dies gilt insbesondere für die Transparenz der Siegel in Bezug auf Vorgehensweisen und Ergebniserlangung. Aber nur so kann der TÜV seinen guten Ruf erhalten oder wiederherstellen.

Jolanda Butera, Diplom-Soziologin

Gefährliche Brustimplantate
"Plusminus von der ARD

Wie unabhängig sind Prüfinstitute?
"Plusminus von der ARD

Wie der TÜV seinen guten Ruf verspielt
"Panorama von der ARD"

Zum Siegel Service tested des TÜV
"Prüfprozess des TÜV bei Service tested"

22.03.2013 12:05
ADAC unfair unterwegs
Im ADAC rumort es. Mitarbeiter und Betriebsräte sollen ausspioniert worden sein. Ex-Vorstand Burkhard Scheunert sprach von einem Sumpf beim ADAC. "Durch geschickte Handhabung hat der Geschäftsführer schon erreicht, dass die Kollegen machen, was er möchte (...), er diktiert wie's weitergeht", sagte Scheunert dem NDR-Fernsehmagazin "Panorama 3". Bei Amtsgerichten laufen immer mehr Klagen gegen den ADAC Niedersachsen und Sachsen-Anhalt auf. Allein 92 sollen es im letzten Jahr gewesen sein bei einer Mitarbeiterstärke von 150 Personen. Im Regionalbereich Nordbayern sieht es nicht viel anders aus.

Auslöser sind wohl kritische und für den ADAC unangenehme Meldungen in der Öffentlichkeit, wonach vor allem in den ADAC Regionalabteilungen ein teilweise inkompetentes und teilweise intrigantes Management herrsche. Die Münchener ADAC-Zentrale fühlt sich nicht zuständig, da es allgemeine Richtlinien gäbe und ansonsten jeder Regionalbereich (=Gau; 18 Gaue bundesweit) sein Management eigenverantwortlich betreibe. Regionale Geschäftsführer versuchen, Kritik und Konflikte unter den Teppich zu kehren oder ergreifen Maßnahmen gegen interne Kritiker.

"Es hat in keiner Weise oder Form jemals eine Anweisung der Geschäftsführung gegeben, den Betriebsrat auszuspionieren", sagte der für den ADAC tätige Kommunikationsberater Klaus Cocks. Es gehe wohl darum, den amtierenden Vorstand zu stürzen. "Wir haben hier eine kleine Meuterei auf der Bounty", sagte Cocks. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen.

Das Team vom „MarkenCheck“ der ARD/WDR (Das Erste) schreibt und filmt: „Wir konfrontieren Karl Obermair aus der Münchener ADAC-Zentrale auch mit diesen Vorgängen und damit, dass ein Anwalt, der viele dieser Arbeitsgerichtsverfahren arbeitnehmerseitig betreut hat, ungestraft von einem "Angstmanagement" beim ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt sprechen durfte, das "totalitäre Züge" habe. Doch erneut erklärt sich Obermair für nicht zuständig: "In Niedersachsen gibt es Unruhe, so ähnlich wie das auch im vorherigen Regionalclub Nordbayern der Fall war. Auch da ist eine entsprechende Reaktion auf informeller Ebene erfolgt. Die Situation in Niedersachsen müssen die Kollegen aus Niedersachsen regeln", sagt er.

Ungeklärte Vorgänge in zwei Gauen, die an Grundfesten von Arbeitnehmerrechten rütteln. Trotzdem, Karl Obermair hat ein reines Gewissen. Doch ist die ADAC-Spitze wirklich machtlos – macht es das nicht besser. Unser (…) Checkurteil: Der ADAC ist als Arbeitgeber zweifelhaft“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

"ARD-Video zu: ADAC unfair?"

13.09.2012 11:52
Finance Watch erhält Fairness-Initiativpreis 2012
Der Fairness-Initiativpreis geht in diesem Jahr an Finance Watch. Das gab die Fairness-Stiftung in Frankfurt am Main bekannt. Der europäische gemeinnützige Verein will bei der Reform der Finanzregulierung ein Gegengewicht zur Lobby der Finanzbranche und ihrer privaten Interessen sein. Als Bürgeranwalt will er gegenüber dem Gesetzgeber das Gemeinwohlinteresse öffentlich vertreten, so dass es zu einem Gleichgewicht zwischen privaten und öffentlichen Interessen kommt. Die Fairness-Stiftung sieht darin einen überfälligen und notwendigen Beitrag zur Fairness-Qualität der Finanzinstitute und ihrer politischen Regulierung. Die kleine Organisation steht seit August 2011 in Brüssel rund 700 Lobbyisten der Finanzbranche gegenüber, die über etwa 350 Millionen Euro pro Jahr für ihre Aktivitäten verfügen. Finance Watch muß dagegen mit einem Bruchteil dieses Betrages auskommen.

Das Kuratorium und die Leitung der Fairness-Stiftung halten die Arbeit von Finance Watch für ein notwendiges Signal und Korrektiv, um der Finanzregulierung eine faire, auf das Gemeinwohl hin orientierte Richtung zu geben. „Es gilt“, so der Direktor der Fairness-Stiftung, Norbert Copray, „auf diese Arbeit aufmerksam zu machen, die Aktiven in dieser Arbeit zu unterstützen und das Fairness-Anliegen von Finance Watch hervorzuheben und zu würdigen“. Die Finanzregulierung allein der Politik zu überlassen, wäre im Sinne der Europäer und der Bürger in Deutschland sicher nicht zielführend.

Der Fairness-Initiativpreis wird jährlich einmal von der Fairness-Stiftung an Organisationen des 21. Jahrhunderts verliehen, die sich in einem speziellen Bereich für Fairness in der Gesellschaft engagieren. Bisher ging er an LobbyControl, Abgeordnetenwatch, Foodwatch und Irrsinnig menschlich.
http://www.finance-watch.org/?lang=de

22.11.2011 18:00
Fairness-Events 2011 - Berichte und Fotos
Wer die Veranstaltungen verpasst hat oder wer sich noch mal erinnern möchte: Berichte und Fotos von der Verleihung des Deutschen Fairness Preises 2011 an Thomas Jorberg, Vorstandsprecher der GLS-Bank: http://www.fairness-stiftung.de/Preisverleihung2011.htm

von der Verleihung des Fairness-Initiativpreises 2011 an LobbyControl: http://www.fairness-stiftung.de/Fairness-Initiativpreis-2011.htm

und vom Internationalen Fairness-Forum 2011 über den Umgang mit Fehler, Irrtum und Versagen angesichts ständigen Optimierungsdrucks: http://www.fairness-stiftung.de/FF2011.htm



25.10.2010 17:32
10 Jahre Fairness-Stiftung: Preisfeier und Fairness-Forum
Komplett ausgebucht sind die Verleihung des Deutschen Fairness Preises 2010 und der Fairness-Initiativpreise 2010 sowie das Internationale Fairness-Forum in Frankfurt am Main am 30. Oktober.

400 Gäste haben sich angesagt, um mitzuerleben, wie der österreichische Fairness-Forscher und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Ernst Fehr von der UNI Zürich den Deutschen Fairness Preis erhält und Prof. Dr. Tania Singer die Laudatio auf ihn hält.

Die Verleihung der Fairness-Initiativpreise 2010 an www.abgeordnetenwatch.de, an www.foodwatch.de und an www.irrsinnig-menschlich.de unterstreicht das wachsende Bürgerengagement für mehr Fairness-Qualität in unserer Gesellschaft in bestimmten, konkreten Themenfeldern.

Mit der Festrede von Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier, bis Mai diesen Jahres Präsident des Deutschen Bundesverfassungsgerichts, über die Frage: "Fairness - Grundwert im sozialen Rechtsstaat?" wird zum 10jährigen Jubiläum der Fairness-Stiftung die Fairness-Qualität unserer Gesellschaft grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt. Das anschließende Podiumsgespräch mit Prof. Papier, Prof. Fehr, Prof. Singer, Prof. Gertrud Höhler, Prof. Götz W. Werner und Vorstandssprecher Günter Cramer wird die Frage und die Antworten Papiers aus verschiedenen Blickrichtungen diskutieren, um Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

Durch den Newsletter des Fairness-Stiftung https://www.fairness-stiftung.de/EMailKontaktanfrage.asp erfahren Sie, wann Sie die Berichte über die Veranstaltungen auf unseren Seiten nachlesen können.

11.09.2008 19:34
Wie Macht sich fertig macht
Prominente ruinieren ihren Erfolg häufig selbst. Das ist auf der politischen Bühne und im Blick auf Top-Manager nicht selten zu sehen. Wie Prof.Dr. Wolfgang Scholl vom Berliner Humboldt-Universitätsinstut für Psychologie erläutert, kommen solche Persönlichkeiten mit Wissen, Können und Geschick sowie dem Willen zur Macht in höhere Positionen. Dort, so Scholl, "tendieren sie dann zunehmend zur Machtausübung anstelle von Einflussnahme, lernen zu wenig, machen Fehler, versuchen, die Fehler zu korrigieren durch noch größere Fehler und treiben sich so in den Ruin" - möglicherweise mit der ganzen Firma.

Machtausübung blockiert oft die Lernfähigkeit und verstärkt nur die geschmeidige Anpassung. Die Machtmittel werden immer skrupeloser und Warnzeichen werden übersehen oder unterschätzt.

Ein partizipativer Führungsstil, der mit Einflussnahme an Stelle von Machtmitteln arbeitet, vermeidet in der Regel negative Folgen bei den von Macht Betroffenen, steigert die Lernfähigkeit und Begeisterung aller Beteiligten. Einflussnahme ist allerdings nicht Machtverzicht, sondern ein Soft Skill für einen partizipatorischen Machtgebrauch. Die Kunst der sanften Einwirkung, so der Forscher auf Grund seiner Studien, will allerdings gelernt wird und wird niemand in die Wiege gelegt.

Wirtschaftspsychologie 3/2007 http://www.fairness-stiftung.de/pdf/Einladung2008.pdf

11.04.2008 18:41
Bringt das Fairness-Abkommen Fortschritt?
Ein Fairness-Abkommen soll für rund 220.000 Zeitarbeitnehmer in mehreren Bundesländern die Arbeitsbedingungen schrittweise verbessern. Das vereinbarten Spitzenvertreter der Arbeitgeberverbände der Zeitarbeitsbranche und der Gewerkschaft IG Metall. Es schaffe die Grundlage für faire Arbeitsbedingungen für Zeitarbeitnehmer, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Vereinbarung gilt für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen. Vertreter der Arbeitgeberverbände sind weniger optimistisch, begrüßen aber grundsätzlich die Vereinbarung. Es handelt es sich allerdings nicht um einen Tarifvertrag, sondern um eine freiwillige Vereinbarung.

Die Vereinbarung sieht vor, dass sich beide Seiten für die Einhaltung der Tarifverträge in der Branche einsetzen. Damit ist vor allem auch der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gemeint. Zudem sichern die Arbeitgeberverbände ihre Bereitschaft zu, sich für dreiseitige Vereinbarungen zwischen ihren Zeitarbeitsfirmen, deren Kunden und der Gewerkschaft stark zu machen. Die IG Metall wiederum erkennt mit der Vereinbarung ausdrücklich den «eigenständigen Charakter und Wert der Zeitarbeitsbranche» an. Gemeinsames Ziel sei ferner die Aufnahme der Zeitarbeitsbranche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz, was auf einen Branchenmindestlohn hinaus laufen dürfte.

Die IG Metall hatte ein starkes Druckmittel in der Hand, um die Zeitarbeitsfirmen zu einem Fairness-Abkommen zu bewegen. Denn der Einsatz von Zeitarbeitsfirmen ist durch den Betriebsrat zustimmungspflichtig. Und die Gewerkschaftsvertreter kündigten an, nur den Zeitarbeitsfirmen als Partner der Unternehmen zuzustimmen, die sich an die Inhalte des Fairness-Abkommens halten.
Die Zeitarbeitsfirmen wollten auf jeden Fall ihr Image verbessern und vermeiden, dass sie durch die Betriebsräte nicht in Unternehmen zugelassen werden. Außerdem können sie mit dem Fairness-Abkommen unliebsame Wettbewerber aus dem Markt drängen.

Ob das fair ist: zu einem Abkommen genötigt werden und mit einem Abkommen Wettbewerbsvorteile sichern? Immerhin: wenn anders der Fairness nicht zum Fortschritt zu verhelfen ist, dann erst mal auf diese Weise. Vielleicht gelingt es auch mal mit Einsicht und werthaltiger Orientierung. Die Gewerkschaft hat ein Stück sozialen Ausgleichs in den Betrieben zurück erobert. Was beweist: auf lange Sicht kommen Unternehmen und Gewerkschaften nur kooperativ, aber weniger konfrontativ weiter. Da kann man sich das teure Hick-Hack gleich sparen und mit fairem Vorgehen Zeit, Geld und Ansehen sparen.

10.04.2007 10:40
UNO: Konvention für Menschen mit Behinderungen
Über 90 Staaten haben bisher die Konvention der UN über die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen unterzeichnet. Auf diese Weise wird die völkerrechtliche Gleichberechtigung der Menschen mit Behinderungen mit allen anderen Menschen in einer Bevölkerung festgeschrieben. Deutschland gehörte zu den ersten Unterzeichnern. Mit bereits 20 Ratifizierungen ist die Konvention in Kraft getreten. Das ist nun der nächste Schritt zur vollen weltweiten Gültigkeit.

Die USA akzeptieren die Konvention nicht und werden daher nicht unterschreiben. Russland überlegt noch.

In der Konvention wird der gemeinsame Schulbesuch und die gemeinsame Ausbildung von Menschen mit und ohne Behinderung festgeschrieben und gefordert. Barrierefrei sollen Verkehrwege und -mittel, Gebäude, Dienstleistungen und Waren zugänglich werden und sein. So lässt sich feststellen, ob der Unterschrift auch Taten folgen.

Mit der Annahme der Konvention wird es auch die Möglichkeit für Betroffene geben, sich über Diskrimierung zu beschweren oder zum Gerichtshof für Menschenrechte zu gehen, wenn alle anderen Wege ausgeschöpft sind, um den Menschenrechten gemäß behandelt zu werden.
http://www.unric.org/German_Section/Pressemitteilungen/UNRIC%10180.html

26.03.2007 15:34
Unglaublich, aber wahr: unbestechliche Ärzte
Ärzte, die unbestechlich sein und bleiben wollen, haben sich zu einer eigenen Organisation zusammengeschlossen. Denn Pharmahersteller finanzieren praktisch alle relevanten ärztliche Weiterbildungskongresse. Sie sorgen für die „richtigen“ Themen.
Und auch vor Ort sponsoren Hersteller die regionale Fortbildung. Diese hier organisierten Ärzte ärgern sich, dass Rednerinnen und Redner ständig von neuen Medikamenten berichten – manchmal werden sie vom Sponsor ja auch gleich mit den richtigen Powerpoint-Folien bestückt.
20 Millionen Mal pro Jahr besuchen 15.000 Pharmareferentinnen und -referenten die Praxen und Krankenhäuser. Planung und Datenauswertung von Arzneimittelstudien liegen zu 90 % in der Hand von Herstellern, viele Medizinzeitschriften und selbst ärztliche Fachgesellschaften sind komplett von Anzeigenerlösen und Herstellersubventionen abhängig.
Patientinnen und Patienten üben in Einzelfällen erheblichen Druck aus, bestimmte Medikamente verschrieben zu bekommen. Dahinter stehen unkritische Berichterstattungen etwa im Internet oder Selbsthilfeorganisationen, die von Pharmaherstellern „unterstützt“ werden.

All dem wollen sich die Ärzte von Mezis widersetzen. Ich meine: Hochachtung vor diesem mutigen Schritt! Hoffentlich kann man bald die Mezis-Ärzte auf deren Website nachschlagen und diese bevorzugt aufsuchen.
http://www.mezis.de

02.03.2007 18:05
GEZ von der traurigen Gestalt
Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ist nicht gerade als zimperlich, sondern als Gebührenrambo bekannt. Nun fiel die Anstalt auf, weil sie unfair mit Sozialhilfeempfängern, die heute Hartz-IV-Empfänger heißen, umgeht. Da die Betroffenen erst sehr spät nach behördlicher Bestätigung ihres Status und ihrer staatlichen Zuwendung bei der GEZ einen Antrag auf Befreiung stellen können, stellt die GEZ schon einmal für die antragsfreie Zeit eine Gebühr in Rechnung. Aber nicht für einen Monat, sondern für ein Vierteljahr, denn Monatseinzug gibt's bei der GEZ erst gar nicht.

Da Hartz-IV-Gelder nur für 6 Monate bewilligt werden, müssen Empfänger ggf. mehrmals im Jahr einen Antrag auf GEZ-Befreiung stellen.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1085901&


Ergo: Das Vorgehen der GEZ ist unfair und demütigend.

05.02.2007 12:34
DGB handelt arbeitsrechtlich inkorrekt
Peinlich für den DGB: Er hatte einer Gewerkschaftssekretärin gekündigt und sich dabei nicht an die arbeitsrechtlichen und betriebsverfassungsrechtlichen Bestimmungen gehalten für die er ansonsten eintritt. Gekündigt wurde Esther Ditschereit, die Mutter zweier unterhaltspflichtiger Kinder ist.

Das Arbeitsgericht Berlin stellte zur Kündigung fest: Die betriebsbedingte Kündigung ist sozial nicht gerechtfertigt und - der Betriebsrat wurde nicht angehört! Und das ausgerechnet beim Deutschen Gewerkschaftsbund.

Das Gericht hat seiner Urteilsbegründung eine lange Mängelliste hinzugefügt: es fehle der Nachweis, dass der DGB die Mitarbeiterin nicht mehr beschäftigen könne. Die Gründe für die Kündigung seien nicht ausreichend dargelegt. Erforderliche und konkrete Angaben fehlten. Der DGB hat gegen das Urteil Berufung beim Landesarbeitsgericht eingereicht. Es kann noch peinlicher werden.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/07.12.2006/2948620.asp

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