Blog
Hier bloggt Dr. Norbert Copray
   


  Diese Seite weiterempfehlen
  Ihr Feedback
Blog nach Monat: Februar 2007

22.02.2007 10:40
Süße Verführung zum Gen-Food?
Imker und Honigliebhaber sind in Aufruhr. Durch die Aussaat gentechnisch veränderter Maissaat – Maislinie Mon 810 der Firma Monsanto – kommt es zur Verunreinigung des Honigs.

Da Bienen in einem Radius von bis zu 3 km die Pollen abfliegen, kann es dazu kommen, dass Pollen gentechnisch veränderter Maispflanzen in den Honig gelangen, wenn der Mais nicht vor dem Blühen geerntet wird. Imker haben daher im Eilverfahren eine Unterlassungsklage gegen die Überwachungsbehörden der Länder eingereicht, zumal es nach ihrer Auffassung keine Zulassung für Mon 810 in Deutschland gebe.

In Ungarn und Österreich ist der Anbau sogar ausdrücklich untersagt. Forschungen in Ungarn hatten ergeben, dass die Pollen des Gen-Maises zu ungewöhnlich hohem Raupensterben geführt haben. Untersuchungen in den USA ergaben, dass Tiere wie der Monarchfalter, der gar nicht von der genmanipulierten Pflanze betroffen sein sollte, schwer geschädigt werden. Erst die Tiere, dann der Mensch?
http://www.bienen-gentechnik.de/ http://www.keine-gentechnik.de/bibliothek/zulassung/dossier-mon-810-mais.html http://www.transgen.de/zulassung/gvo/15.doku.html

21.02.2007 20:01
Unis missbrauchen Studiengebühren
Finden Sie das richtig und fair? Viele Universitäten verwenden die Studiengebühr nicht dem Zweck entsprechend und sanieren ihre leeren Kassen.

So schafft zum Beispiel die Uni Göttingen mit den Einnahmen Sportgeräte für den Hochschulsport an. An der Uni Aachen wurden im Wintersemester neue Imagebroschüren gedruckt. Die Fachhochschule Hildesheim/Göttingen stopfte ein Haushaltsloch von 300.000 Euro, die Uni Dortmund will ein Defizit von 400.000 Euro ausgleichen. (Quelle: rp-online).

Und das obwohl die Gebühren eigentlich der Verbesserung der Lehre dienen sollen. Laut Gesetz sowie Aussagen von Politik und Universitätsleitungen. Wer kontrolliert die Universitäten bei der Verwendung der Studiengebühren, wer haut ihnen auf die Finger bei ihrer unzulässigen Praxis?

19.02.2007 19:18
Atomindustrie ohne Vertrauenskapitel
Wie wirken die Erklärungen der Atomindustrie auf Sie? Die Atomindustrie hat eine gigantische Glaubwürdigkeitslücke. Zäh sind die Erklärungen von Vattenfall Europe, die nach zwei Atommeilern in Forsmark (Schweden) – davon schrammte einer haarscharf an einer Katastrophe vorbei - nun auch einen seiner Reaktoren im Kernkraftwerk Ringhals aus Sicherheitsgründen heruntergefahren hat. Auch Oskarshamn meldet Probleme. Das dritte schwedische Atomkraftwerk Oskarshamn, das der Tochtergesellschaft OKG von E.ON gehört, meldete Probleme mit Lecks im Kühlwassersystem. Die Zeitung "Göteborgs-Posten" am selben Tag berichtete, die Atomaufsichtsbehörde SKI habe Vattenfall offiziell wegen Vernachlässigung der Sicherheit in Ringhals kritisiert. So habe man den ältesten der vier Reaktoren im Januar 14 Tage weiterlaufen lassen, obwohl Probleme am Kühlsystem für Reaktor 1 bekannt gewesen seien. Und seit 154 Tagen ist Biblis wegen Sicherheitsmängeln vom Netz, ohne dass dies das Stromangebot wesentlich beeinflusst hätten, wie stets von der Atomindustrie behauptet.

Am Wochenende ist die Atomindustrie mit einer Anzeige als Sonderbeilage in vielen Zeitungen mal wieder in die Öffentlichkeit gegangen. Die Stromerzeugung durch Atomkraft sei frei von Kohlendioxid heißt es da. Das stimmt, aber was ist danach und davor?

Die Brennelemente müssen hergestellt werden. Und wenn sie abgebrannt sind, muss man den Abfall aufwändig behandeln. Der ganze Prozess benötigt soviel zusätzliche Energie aus fossilen Quellen, dass für jede Kilowattstunde Atomstrom über 50 Gramm des Treibhausgases Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben werden. Bei 167,4 Terawattstunden, die im Jahr 2006 in deutschen AKW erzeugt wurden, sind das immerhin über acht Millionen Tonnen. Und um den plutoniumhaltigen Abfall sicher entsorgen und lagern zu können, braucht man einen langen Atem: 24.000 Jahre beträgt die Halbwertzeit von Plutonium, vom dem schon Promille eines Gramms in der Atemluft eines Menschen genügen, um ihn für immer krank zu machen. 24.000 Jahre hat noch kein einziger Staat jemals auf der Erde existiert. Und schließlich: die Begrenztheit der Uranvorräte. Es gibt weltweit 435 AKW. Für die würden die bekannten Lagerstätten 40 Jahre reichen.

Die Strategie der Atomindustrie, nicht immer alle Karten auf den Tisch zu legen, Störungen zu beschönigen oder so lange es geht zu verheimlichen, sich im Energiemix von Biomasse, Wasser-, Wind- und Solarenergie zu verstecken und ein Märchen von der Treibhausgas-Einsparung durch Atomstrom aufzutischen, versetzt dem kaum vorhandenen Vertrauenskapital in der Bevölkerung den Todesstoß. Das haben sie sich verdient.

16.02.2007 00:22
Schlammschlacht: Kardinal Meisner im Karneval
Da hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner mal eben den Hammer herausgeholt. Getroffen hat der Opus Dei-Förderer Meisner Horst Seehofer, seines Zeichens Bundesverbraucherminister und einer von zwei Kandidaten für den CSU-Vorsitz in Bayern. Meisner erhob schwere Bedenken, der Minister sei nicht wählbar, weil er ein außereheliches Verhältnis hätte und vom Vorsitzenden einer christlichen Partei verlangt werde, dass seine persönliche Lebensführung mit christlichen Vorstellungen übereinstimme. Denn danach bemesse sich die Glaubwürdigkeit. Das Private ist das Politische. Diesen Satz hat Meisner allerdings nicht gesagt, denn der ist aus der 68-Bewegung und die hasste Meisner wegen ihrer politisierenden Attitüde. Aber seine Minister-Schelte ist danach. Zugleich ein Rückfall in die moralinsauren fünfziger Jahre der Adenauer-Zeit, als die Kirche sich noch aktiv in Personalbesetzungen und Politikvorlagen aller Art einmischte.

Mit Opus Dei fördert Meisner seit Jahrzehnten einen innerkatholischen, reaktionären Geheimbund, der aus jedem seiner Schritte, Strategien und Mitgliedschaften ein Hehl macht. Ob das die bessere Lösung wäre: jeder hält seine Lebensweise geheim und kein Meisner kann ihm was am Zeug flicken? Woher hat Meisner seine Information? Aus der Bild-Zeitung, die als erste mit der Meldung an die Öffentlichkeit ging. Eine Zeitung, die für Wahrheit und lautere Absichten steht. Und die natürlich ebenso wenig wie Meisner mit der Attacke auf Seehofer die Absicht verband, den Weg für den Konkurrenten Seehofers um den CSU-Vorsitz, Erwin Huber, freizumachen, der für wirtschaftsfreundliche und –nahe Positionen steht. Seehofer teilt häufiger den Blick der kleinen Leute und sieht daher soziale Gerechtigkeitslücken eher und genauer als beispielsweise Kardinal Meisner, der in dieser Hinsicht noch nicht auffällig geworden ist.

Was Meisner indirekt empfiehlt, ist, öffentlich anders zu leben als privat. So machen es viele, auch CSU-Mitglieder, Pfarrgemeinderäte, Priester, Bischöfe und Kardinäle. Dermaßen unerfrorene Einlassungen wie von Meisner steigern bei einigen die Lust, ein Coming Out von Mitbrüdern heraufzubeschwören, denn etliche davon sind Meisner nicht unbekannt, aber solange sie ihre sexuellen Verhältnisse heimlich leben und die Priesterkinder unbekannt bleiben, stimmen ja persönliche Lebensführung und christliche Vorstellungen überein. Für die Bild-Zeitung und Kardinal Meisner.

Die CSU-Spitzen hatten gerade mehr Fairness im Kampf um den Vorsitz vereinbart. Da blieb nur Meisner, die Fairness zu missachten und mit Schlamm zu schmeißen. Richtig tugendhaft, der Kardinal. Zumal er bestimmt vorher genau und gewissenhaft mit Horst Seehofer über seine eheliche Situation, Hintergründe und Missdeutungen gesprochen hat. Wie ein katholischer Priester das eben so macht: vorbildlich seelsorglich. Es muss Karneval in Köln sein, wo dann alles Kopf steht, um den Kardinal Meisner für einen guten Priester und Kirchenführer zu halten.
http://www.sueddeutsche.de/,zl3/muenchen/artikel/773/101672

15.02.2007 12:31
Wer studiert, soll brav sein
Gestern beschloss das Kabinett unter Angela Merkel (CDU) Veränderungen beim BAföG, aber keine Anhebung des BAföG-Satzes. Beiträge für Studenten im Ausland und ausländische Studenten hierzulande sowie für Studenten mit Kindern wurden in Aussicht gestellt. Aber was nützt das bei so geringem BAföG-Satz?

Im 6. Jahr in Folge wurde der BAföG-Höchstsatz nicht verändert. Er beträgt 585 € für Studenten, die zur Miete wohnen (ca. 250 €), ihre Krankenkasse selbst bezahlen (ca. 50 €), maximal 110 hinzuverdienen und deren Eltern ein sehr niedriges Einkommen haben. Im Schnitt bekommen Studenten zwischen 370 (NRW) und 420 € (Sachsen). Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, zum Studieren ein Witz.

Begründet wurde die Nichterhöhung mit Geldmangel. Eine Lüge? Eben haben Bund und Länder beschlossen, über ihre Landesbanken und die KfW mit einem dreistelligen Millionenbetrag nahe der Milliardengrenze bei EADS einzusteigen. Das Verteidigungsministerium kauft auf Beschluss des Kabinetts 8 Tornados zu einem Stückpreis von ca. 35 Millionen Euro für den Kampf am Hindukusch ein - vorgeschlagen hatte es nur 6 Maschinen. In der Exzellenzinitiative gab es 1,9 Milliarden Euro für Edel-Unis und -Institiute. Und selbst die Landesbeamten des extrem finanzschwachen Sachsen-Anhalts bekommen ab Mai 2008 2,9% mehr Gehalt.

Das ist CDU-Strategie seit der Machtübernahme 1982 durch Helmut Kohl: Die ökonomische Basis der Studenten extrem knapp halten, dann sind sie brav und angepasst, erlauben sich kein kritisches Hinterfragen gesellschaftlicher Entwicklungen und schon gar keine Massenproteste. Kohl rasierte zuerst das BAföG. Seine Nachfolger führen die Studiengebühren ein. Der Arbeitsmarkt bleibt auch für junge, kompetente Absolventen schwierig.

Deutschland ist blind für die Zukunftserfordernisse einer breiten Hochqualifizierung seiner jungen Menschen. Das Bundeskabinett ist schäbig, weil es ausgerechnet bei den ärmeren Studenten spart. Und der Umgang der Gesellschaft mit dem Potenzial der jungen Menschen ist eine Schande.

14.02.2007 16:06
Ätzende Ware oder fairflowers am Valentinstag?
Heute werden 21 Millionen € für Blumen in Deutschland ausgegeben: es ist Valentinstag. Der Feiertag ist ein gelungener Coup der Blumenindustrie zu ihrer schwächsten Verkaufszeit zwischen Weihnachten und Ostern. Doch Blumen sind überwiegend eine ätzende Ware: Stark mit Pestiziden belastet ätzen sie die Haut und die Atemluft der vielen Frauen, die in Dritte Welt- und Schwellenländern für den europäischen und nordamerikanischen Markt beim Schneiden und Sortieren der Blumen ihre Haut zu Markte tragen.

Inzwischen weiß man, dass weit geringere Mengen der Schadstoffe als bisher gedacht bereits die Luftröhre und die Haut der Frauen Leben verkürzend beeinträchtigen.

Aber es gibt Alternativen. Denn besonders in armen Ländern ist der Blumenhandel oft die einzige Verdienstmöglichkeit für Frauen. Damit es dabei gesundheitlich unbedenklich und fair gegenüber den Frauen zugeht, haben die Menschenrechtsorganisation FIAN und Gewerkschaften das Blumenlabel FLP für Flower Label Program entwickelt. In Afghanistan und Äthiopien beispielsweise können so Frauen vom Koka- und Opiumanbau auf Blumenanbau und -handel umsteigen.

Hier können Sie sehen, wo es fair trade-Blumen gibt, denn Sie entscheiden mit, ob Fairness für die Unternehmen wichtiger wird: http://www.fairflowers.de/
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1074085

13.02.2007 16:35
Gen-Food: Aus Landwirtschaft wird Agrochemie
Wollen Sie Gen-Food essen? Gen-Kartoffeln oder Gen-Mais in Soßen, Pudding und Gebäck? Ich nicht! Gegen das althergebrachte Kreuzen von Pflanzen habe ich nichts. Da haben die Menschen eine langgeprüfte und ausgereifte Erfahrung, und wenn auf diese Weise bestimmte Merkmale einer Pflanze mit der einer anderen kombiniert oder ausgeglichen werden können, dann vollzieht der Mensch oftmals nur systematisch und absichtlich, was die Natur kennt, seit sie existiert.

Doch der Eingriff in die DNA, in die Gen-Struktur zum Zweck der Manipulation, damit beispielsweise eine Pflanze gegen hochgiftiges Pflanzengift immun ist, das dann nur die unerwünschten Pflanzen trifft, ist ein extremes, weltweites Experiment an der Menschheit mit offenem Ausgang. Die Freisetzung von Plutonium, von Quecksilber, von Asbest oder DDT in den siebziger Jahren - in Vietnam, Kambodscha, Indien usw. immer noch hier und da im Einsatz - ist dazu eine Analogie.

Gen-Technik dieser Art ist völlig überflüssig, macht die Bauern von Pharma- und Agrokonzernen abhängig - z.B. kann gentechnisch veränderter Mais nicht einfach durch Bauern selbst vermehrt, sondern muss neu angekauft werden und ist die falsche Richtung. Mit der Natur arbeiten, naturnah wirtschaften, gegen den Fortschritt von der Industriealisierung zur Chemisierung der Lebensmittel: das ist die Zukunft für Natur und Mensch. Daher: Ich will genfrei, was ich esse. Und Sie?
http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/anbau_genpflanzen/gen_mais_anbau_in_deutschland/


12.02.2007 16:38
Fairness-Ausbruch bei der CSU?
"Machtkampf wird gedeckelt - Fairness-Ausbruch in der CSU", so titelt der Nachrichtensender ntv in seiner heutigen Meldung und Kommentierung. Gemeint ist, dass sich die Spitzen der CSU darum bemühen, die Kampfkandidatur um die Nachfolge von Edmund Stoiber im Parteivorsitz zwischen Erwin Huber (Landeswirtschaftsminister in Bayern) und Horst Seehofer (Bundesverbraucherminister) in ihren Folgen für die Partei einzudämmen. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer forderte von allen Beteiligten Fairness. Horst Seehofer glaubte: "Wir werden eine gutes Schulbeispiel für faires, demokratisches Verhalten abliefern."

Was bei solchen Behauptungen und Bestimmungen immer vergessen wird: Fairness kann man nicht verordnen, vorgeben oder verlangen. Fairness ist das Ergebnis von Gesprächen und Verhandlungen, in denen die Fairnessvorstellungen eines jeden mit denen des oder der anderen abgeglichen, in Übereinstimmung gebracht und vereinbart werden. Das ist während eines Konflikts extrem schwierig und sollte daher in konfliktfreien oder konfliktarmen Zeiten gemacht werden. Aber nur dann gibt es eine tatsächliche Chance, dass der Ruf nach Fairness nicht bloßes Macht- und Imponierinstrument ist, sondern Erfolgsfaktor für Entscheidungs- und Konfliktzeiten.
http://www.n-tv.de/765386.html


10.02.2007 18:21
Wer darf an den Pranger?
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Wer durch seine berufliche Tätigkeit ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät, darf namentlich genannt werden, wenn er dadurch nicht an den Pranger gestellt wird. Wenn Medien also Betroffene namentlich nennen, müssen sie zwischen dem Persönlichkeitsrecht und der Pressefreiheit abwägen.

Anprangern und berichten sind zweierlei. Unerträglich ist der vermeintliche Journalismus der BILD. Hier wird meistens nicht berichtet, sondern angeprangert. Die emotionale Zuspitzung, in der über Menschen hergezogen oder mit der sie herabgewürdigt werden, dient der Auflage, nicht einer demokratischen Öffentlichkeit, auch wenn BILD das immer wieder gern behauptet.

Noch unerträglicher ist aber, dass das neue Papst-Buch von Benedikt XVI. über Jesus in der BILD vorabgedruckt wird. Hat der Papst keine guten Berater, weiß er nicht, dass eben diese Zeitung für die meisten Lügen, Übertreibungen und Fehlangaben im deutschen Jorunalismus verantwortlich ist? Ist dem Papst auch die Reichweite wichtiger als die Moral? Oder reicht es, dass sich der Chefredakteur der BILD als praktizierender Katholik ausgibt?

05.02.2007 12:34
DGB handelt arbeitsrechtlich inkorrekt
Peinlich für den DGB: Er hatte einer Gewerkschaftssekretärin gekündigt und sich dabei nicht an die arbeitsrechtlichen und betriebsverfassungsrechtlichen Bestimmungen gehalten für die er ansonsten eintritt. Gekündigt wurde Esther Ditschereit, die Mutter zweier unterhaltspflichtiger Kinder ist.

Das Arbeitsgericht Berlin stellte zur Kündigung fest: Die betriebsbedingte Kündigung ist sozial nicht gerechtfertigt und - der Betriebsrat wurde nicht angehört! Und das ausgerechnet beim Deutschen Gewerkschaftsbund.

Das Gericht hat seiner Urteilsbegründung eine lange Mängelliste hinzugefügt: es fehle der Nachweis, dass der DGB die Mitarbeiterin nicht mehr beschäftigen könne. Die Gründe für die Kündigung seien nicht ausreichend dargelegt. Erforderliche und konkrete Angaben fehlten. Der DGB hat gegen das Urteil Berufung beim Landesarbeitsgericht eingereicht. Es kann noch peinlicher werden.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/07.12.2006/2948620.asp

03.02.2007 13:03
SPIEGEL: Harte Fairness?
Fritz Pleitgen, Intendant des WDR, bevorzuge harte Fairness, titelt der Spiegel heute. Dabei macht der Spiegel ein Wortspiel mit der WDR-Sendung "hart, aber fair", die von Frank Plasberg moderiert wird. Er wird als einer von insgesamt drei heißen Kandidaten gehandelt, die die Nachfolge von Sabine Christansen antreten könnten, nachdem Günther Jauch (RTL) abgesagt hatte: Anne Will und Sandra Maischberger.

Dass es hart, aber fair zugehen müsse, ist ein beliebter Slogan. Er wird aber durch Wiederholung nicht besser und richtiger. So wenig hart und fair Gegensätze sind und sein müssen, so wenig fair und verständnisvoll. Es geht nicht um Härte an und für sich, sondern darum, wie Härte praktiziert wird: zum Beispiel durch hartnäckiges Nachfragen, durch Klarheit, durch Entscheidungsfreudigkeit, durch Konsequenz in der Umsetzung. Das muss aber alles nicht im Gegensatz zur Rücksichtnahme, zum Einpflegen bedenkenswerter Gesichtspunkte, zum umsichtigen Umgang mit Riskiofaktoren, zu Unterstützung zu Gunsten besserer Kompetenz und Leistungsfähigkeit führen. Fairness wird professionell praktiziert, wenn sie beide Gesichtspunkte umfasst: Härte im Sinne von Klarheit, Entschiedenheit, Konsequenz und im Sinne von Rücksichtnahme, Berücksichtigung, Verzicht auf das Ausnutzen von Schwächen des Gegenübers.

Fairness ist für mich in beiden Richtungen lesbar. Am überzeugendsten jedoch, wo Fairness Rücksichtnahme beinhaltet, Rücksichtnahme auf die individuelle Situation eines Menschen. Fairness und Gleichmacherei - das könnte hart sein, aber zugleich auch hart und abschreckend. Gleichbehandlung muss notwendig mit individueller Rücksichtnahme einher gehen, sonst wird sie unfair. Das wäre auch denen ins Stammbuch zu schreiben, die mit dem Gleichbehandlungsgesetz AGG das Thema Fairness für erledigt betrachten. Es fängt jetzt erst an - und ist anspruchsvoller, als der Gesetzestext vermuten lässt.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,463726,00.html

02.02.2007 10:26
Kinderarbeit bei OTTO trotz Ethik-Kontrollen
Große Aufregung beim Otto-Konzern, seiner Tochtergesellschaft Heine und schwerer Imageschaden bei sozial- und ethikbewussten Konsumenten. Der Stern hat in seiner neuesten Ausgabe aufgedeckt, dass Blusen im Angebot des Heine-Versandkatalogs von Kindern in Indien unter elendigen Bedingungen bestickt werden. Die Kinder leben in slumartigen Behausungen in Kellerwerkstätten, bekommen kein Geld, sondern lediglich das Wohn- und Aufenthaltsrecht an diesen Orten, an denen sie gleichzeitig auch die Blusen besticken. Manche waren von ihren Eltern in die Zwangsarbeit verkauft worden und mussten 14 Stunden am Tag arbeiten.

Der Otto-Versand ist mehrfach für sozial- und ethikorientierte Orientierung ausgezeichnet worden, und zwar bis an den Anfang der Lieferantenketten. Dass trotz scharfer Kontrollen und großer Anstrengungen Kinderarbeit - und dann unter diesen Bedingungen - möglich ist, zeigt, wie schwer es ist, mit Kontrollsystemen eine faire Unternehmenskultur zu implementieren und zu behaupten.

Die Otto-Gruppe hat mittlerweile die Kinder aus den Kellern geholt und an einen Ort gebracht, wo sie eine ordentliche Ausbildung erhalten. Die Blusen aus dem Heine-Katalog sind derzeit nicht lieferbar. Die Geschäftsbeziehung zum Lieferanten, der den Auftrag vergeben hatte, wurde beendet.

Wenn man schon durch Kontrolle und Leitlinien Misständen nicht völlig verhindern kann, so ehrt die rasche und radikale Maßnahme den OTTO-Versand. Noch mehr ehren würde ihn, wenn er in die ethische Bildung investieren und zur ethischen Urteilsfähigkeit weltweit beitragen würde.
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/581567.html?q=Otto

Blog-Kategorien
  Bildung
  Führung
  Gesellschaft
  Kaufen & Haben
  Korruption
  Medien
  Organisationen
  Politik
  Recht
  Sport
  Unternehmen
  Wissenschaft
Blog-Archiv
  Dezember 2018
  November 2018
  Oktober 2018
  September 2018
  August 2018
  Juli 2018
  Juni 2018
  Mai 2018
  April 2018
  März 2018
  Februar 2018
  Januar 2018
  Dezember 2017
  November 2017
  Oktober 2017
  September 2017
  August 2017
  Juli 2017
  Juni 2017
  Mai 2017
  April 2017
  März 2017
  Februar 2017
  Januar 2017
  Dezember 2016
  November 2016
  Oktober 2016
  September 2016
  August 2016
  Juli 2016
  Juni 2016
  Mai 2016
  April 2016
  März 2016
  Februar 2016
  Januar 2016
  Dezember 2015
  November 2015
  Oktober 2015
  September 2015
  August 2015
  Juli 2015
  Juni 2015
  Mai 2015
  April 2015
  März 2015
  Februar 2015
  Januar 2015
  Dezember 2014
  November 2014
  Oktober 2014
  September 2014
  August 2014
  Juli 2014
  Juni 2014
  Mai 2014
  April 2014
  März 2014
  Januar 2014
  November 2013
  Oktober 2013
  September 2013
  August 2013
  Juli 2013
  Juni 2013
  Mai 2013
  April 2013
  März 2013
  Februar 2013
  Januar 2013
  Dezember 2012
  November 2012
  Oktober 2012
  September 2012
  August 2012
  Juli 2012
  Juni 2012
  Mai 2012
  April 2012
  März 2012
  Februar 2012
  Januar 2012
  Dezember 2011
  November 2011
  Oktober 2011
  September 2011
  August 2011
  Juli 2011
  Juni 2011
  Mai 2011
  April 2011
  Februar 2011
  Januar 2011
  Dezember 2010
  November 2010
  Oktober 2010
  September 2010
  August 2010
  Juli 2010
  Juni 2010
  Mai 2010
  April 2010
  März 2010
  Februar 2010
  Januar 2010
  Dezember 2009
  November 2009
  Oktober 2009
  August 2009
  Juli 2009
  Juni 2009
  Mai 2009
  März 2009
  Februar 2009
  Januar 2009
  Dezember 2008
  November 2008
  September 2008
  August 2008
  Juli 2008
  Juni 2008
  April 2008
  März 2008
  Januar 2008
  Dezember 2007
  November 2007
  Oktober 2007
  September 2007
  August 2007
  Juli 2007
  Juni 2007
  Mai 2007
  April 2007
  März 2007
  Februar 2007
  Januar 2007
RSS-Feed abonnieren
© Fairness-Stiftung. Alle Rechte vorbehalten. Design & Realisierung by gimas gmbh.