Blog nach Monat: Januar 2008

08.01.2008 10:32
Fairness entsteht, wo Fairness im Fokus steht
Viel entscheidender als man bisher dachte, hängt das faire Verhalten von Menschen von Rückmeldungen ab, die sie von ihrem Umfeld auf ihr Verhalten hin erhalten. Das ist eine Erkenntnis aus der Studie „Fairness im Fußball“, die Mario Hartmann mit den Professoren Claudia Dalbert und Oliver Stoll an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erarbeitet hat. Fairness oder Unfairness von Fußballspielern kann durch das sogenannte Gerechtigkeitsmotiv und durch Gerechtigkeitserfahrungen mit den Schiedsrichtern erklärt werden, die Spieler mit ihnen während des Spiels machen. Andere Faktoren, zum Beispiel das Leistungsmotiv und die Tabellenposition, sind weniger entscheidend.

Claudia Dalbert: "Menschen orientieren sich in ihrem Verhalten häufig an Maßstäben der Gerechtigkeit, sie leiden unter Ungerechtigkeiten, sie fordern Gerechtigkeit ein." Die entsprechenden Prozesse laufen im Gehirn auf einer expliziten und einer impliziten Ebene ab. "Einmal kann man sich vornehmen, gerecht zu handeln, es ist einem wichtig. Auf der anderen Seite gibt es unbewusste Prozesse, da regiert die Intuition. Entscheidend ist hierfür, ob sich jemand selbst gerecht behandelt fühlt."

117 Fußballspieler aus 14 Vereinen (Halle/Saalkreis/Merseburg) haben die halleschen Wissenschaftler befragt, von der Kreis- bis zur Verbandsliga. Die Aussagen, zu denen die Spieler sich äußerten, bezogen sich sowohl auf die Bereitschaft zu unfairen Aktionen wie Fouls und Schwalben als auch Handlungsberichte über Regelverstöße in der Vergangenheit. Eine Rolle spielte auch die Bereitschaft zu informeller Fairness, also fairen Gesten. Als objektiven Indikator zogen die Forscher die Statistik über die tatsächlichen, geahndeten Regelverstöße der betreffenden Spieler in der vorangegangenen Saison heran, indem sie ihre gelben, gelb-roten und roten Karten erfassten.

Es zeigte sich: Die Wahrscheinlichkeit vieler Karten war bei Fußballspielern mit einer hohen Bereitschaft zur Fairness genauso groß wie bei solchen mit einer geringen Bereitschaft zur Fairness. Claudia Dalbert: "Es ist eben nicht so, dass sich die Menschen, die sich fair verhalten wollen, das auch immer tun." Das entscheidende Ergebnis der Studie sieht Dalbert denn auch woanders. "Wir in der Gerechtigkeitspsychologie wissen: Die Rückmeldung über meinen eigenen Wert hat eine große Bedeutung für mein Gerechtigkeitserleben. Gerade in Zwangsgemeinschaften ist das wichtig, und um eine solche handelt es sich auf dem Fußballplatz. Dort stehen 22 Spieler, die sich fragen: Werden wir alle gleich behandelt? Ähnlich geht es Schülern in einer Klasse. Dort ist die entscheidende Person der Lehrer. Wir konnten nun zeigen: Zentraler Faktor für das Gerechtigkeitserleben im Fußball ist der Schiedsrichter." Und ähnlich geht’s auch den Mitarbeiter in einer Abteilung, in einer Firma.

Schiedsrichter haben also eine ausschlaggebende Bedeutung für die Fairnesspraxis auf dem Spielfeld. Eine schiedsrichtende Rolle fällt auch Führungskräften auf den Arbeitsfeldern zu. Ihre Art, Unfairness zu erkennen und zu stoppen sowie faires Verhalten besonders anzuerkennen, bringt mit eigenem fairen Verhalten zusammen einen Schub für die Fairness. Das jedoch will gekonnt und daher gelernt sein.

Zum Weiterlesen: Januar-Ausgabe der „Zeitschrift für Sportpsychologie“.

01.01.2008 17:01
Managergehälter begrenzen?
Hohe Managergehälter sind kein Problem an sich. Sie sind ein Problem der Verhältnismäßigkeit: Wie sieht es ingesamt mit der Belohnung für qualifizierte und engagierte Arbeit aus? Welchen Anteil hat die Mehrheit der Mitarbeiter an den Unternehmenserfolgen bekommen? Verdanken sich Managergehälter trickreichen Verträgen oder tatsächlichen Unternehmenserfolgen? Und: Wie sind diese zustande gekommen - fair oder rücksichtslos?

Insofern ist die Diskussion über Managergehälter eine Diskussion über Fairness in der Gesellschaft und in der Wirtschaft. Gesellschaft mit stark gespreizten Einkommensverhältnissen entwickeln über kurz oder lang so starke soziale Spannungen, dass der Arbeitsfriede gefährdet ist, den auch Manager für Erfolge brauchen.

Die Überlegung allerdings, Managergehälter zu begrenzen, geht in die falsche Richtung. Wichtiger wäre es vielmehr, andere ordnungspolitische Maßnahmen zu ergreifen, die ein Auseinanderdriften wichtiger Bevölkerungsteile verhindern. Die Frage an die Politik ist also eher: Wie trägt sie aktiv dazu bei, dass die, die arbeiten, auch einen fairen Anteil am Erfolg haben? Wie sorgt sie für diejenigen, die wegen eines Handicaps nicht so arbeiten zu vermögen, wie sie es für ein angemessenes Leben in unserer Gesellschaft brauchen, ohne dass sie sich unwürdigen Prüfungen aussetzen müssen? Und: wie entwickelt sie ein Steuer- und Unternehmensrecht, dass die Partner wirtschaftlicher Entwicklung in verhältnismäßiger Weise an Erfolg und Misserfolg je nach Leistungsfähigkeit beteiligt werden? Hier sind brachliegende Fragen gesellschaftlicher Fairness.

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