Blog nach Monat: September 2014

26.09.2014 16:10
Fairness-Initiativpreis 2014 an AG Beipackzettel
Der Fairness-Initiativpreis 2014 der Fairness-Stiftung geht dieses Jahr an die AG Beipackzettel, eine Arbeitsgemeinschaft von ehrenamtlichen Patientenvertretern und professionellen Pharmamitarbeitern. Sie leistet seit Jahren bahnbrechende Arbeit für leicht verständliche Beipackzettel, die eine faire Kommunikation zwischen Pharmaindustrie, Ärzten, Apothekern und Patienten ermöglichen. Ihre weitgehend bislang unbekannte Arbeit soll mit dem Fairness-Initiativpreis am 25.10. in Frankfurt am Main im Rahmen einer Feier öffentlich bekannt und anerkannt werden.

In der AG Beipackzettel haben sich ehrenamtliche Vertreter von Patientenorganisationen und Seniorenverbänden (darunter Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und hren Angehörigen e.V.; Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren Organisationen e.V.; Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.; Bund zur Förderung Sehbehinderter – BFS NRW e.V.; Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V.; Frauenselbsthilfe nach Krebs Bundesverband e.V.) und Mitarbeiter von Pharmaunternehmen (u.a. Pfizer, MSD, Takeda) in einer Arbeitsgruppe zusammen gefunden und arbeiten seitdem an der patientenfreundlichen Gestaltung von Gebrauchsinformationen. Der Beipackzettel , wie er gemeinhin genannt wird, spielt eine wichtige Rolle im Leben von Patienten, aber auch bei Ärzten und Apothekern. Wie ein patientenfreundlicher Beipackzettel aussieht, hat die
AG in sieben Punkten zusammengefasst und dementsprechend bereits erfolgreich Beipackzettel verändert.

Am 25.10. wird im Rahmen der Preisfeier auch der Deutsche Fairness Preis 2014 an Claus Fussek, Sozialarbeiter, Pflegeexperte und Autor, vergeben.

Die Fairness-Stiftung ist seit 14 Jahren aktiv, das Fairness-Bewusstsein und die Fairness-Qualität in Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken und zu verbessern. Neben den Preisverleihungen berät die Fairness-Stiftung Menschen in unfairen Situationen, trainiert Führungskräfte in Fairness-Kompetenz und begleitet Firmen und Organisationen zur Fairness-Qualität. Die Preisverleihungen werden vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft gesponsert.


Pressekontakt:
Fairness-Stiftung
Dr. Norbert Copray
Langer Weg 18
60489 Frankfurt am Main
Tel. 069-78988144
Mail: presse(at)fairness-stiftung.de
www.fairness-stiftung.de


18.09.2014 12:35
Deutscher Fairness Preis 2014 an Claus Fussek
Den Deutschen Fairness Preis 2014 erhält der Pflegeexperte Claus Fussek. Das Kuratorium der Fairness-Stiftung erklärt: Claus Fussek hat einen entscheidenden Beitrag für die Fairness zwischen den Generationen geleistet und insbesondere die Situation der Pflegebedürftigen, der Kranken und der alten Menschen ins öffentliche Interesse gerückt. Das jahrzehntelange Engagement des Sozialarbeiters für die Beachtung der Menschenrechte in der Pflege wird durch die öffentliche Verleihung des Deutschen Fairness Preises am 25.10. in Frankfurt am Main gewürdigt.

Die Fairness-Stiftung ist seit 14 Jahren aktiv, das Fairness-Bewusstsein und die Fairness-Qualität in Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken und zu verbessern. Neben den Preisverleihungen berät die Fairness-Stiftung Menschen in unfairen Situationen, trainiert Führungskräfte in Fairness-Kompetenz und begleitet Firmen und Organisationen zur Fairness-Qualität. Die Preisverleihung wird vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft gesponsert.

12.09.2014 13:36
Gibt es eine Fairness-Zentrale im Kopf?
Offenbar hat der Mensch eine „Fairness-Zentrale im Kopf“. So bringt Daniela Zeibig, Wissenschaftsjournalistin und Redakteurin bei „Gehirn & Geist“ ein neues Forschungsergebnis von Hirnforschern auf den Punkt. Denn diese Forscher „haben nun jene Region im Gehirn ausfindig gemacht, die entscheidend mitbestimmt, wie fair wir uns anderen gegenüber verhalten.

Der dorsolaterale präfrontale Kortex (DLPFC) ist eine Region an der Stirnseite des Gehirns, die unter anderem beim Konfliktlösen, Vorausplanen und bei der Entscheidungsfindung aktiv wird. Ist sie beschädigt, dann verhalten wir uns offenbar auch weniger fair gegenüber anderen Menschen und sind stärker auf unseren eigenen Vorteil bedacht. Das fanden nun Forscher um Ming Hsu von der University of California in Berkeley heraus.

Hsu und seine Kollegen ließen einige Probanden ein Wirtschaftsspiel spielen. Ein Teil der Versuchsteilnehmer litt an einer Schädigung des DLPFC, andere hatten wiederum mit einer Verletzung des so genannten orbitofrontalen Kortex (OFC) zu kämpfen, einer Hirnregion, die sich in der Nähe des DLPFC befindet. Die Kontrollgruppe bestand schließlich aus völlig gesunden Probanden.

Im Rahmen des Spiels mussten die Versuchspersonen einem anonymen Partner Tipps geben, wie er – und der Proband selbst – eine möglichst hohe Geldsumme einstreichen konnte. Ab und zu hatten die Teilnehmer allerdings die Möglichkeit, einen Vorteil für sich selbst herauszuschlagen, wenn sie ihren Kollegen aufs Glatteis führten und absichtlich mit falschen Informationen versorgten. In diesem Fall bekamen die Versuchspersonen mehr Geld, der andere dafür aber wesentlich weniger. So konnten die Wissenschaftler testen: Wer verhält sich fair und ehrlich – und wer ist eher ein Egoist?

Das Ergebnis war schlussendlich recht eindeutig: Während sich Kontrollgruppe und Versuchsteilnehmer mit einem beeinträchtigten OFC gleichermaßen aufrichtig verhielten, spielten die Probanden, deren DLPFC beschädigt war, wesentlich öfter unfair und sammelten mehr Geld für sich selbst. Hsu und seine Kollegen schließen daraus, dass der dorsolaterale präfrontale Kortex eine wichtige Rolle bei Entscheidungen spielt, in denen wir Ehrlichkeit über unsere eigenen Interessen stellen und uns für den Weg der Fairness entscheiden. Arbeitet dieses Areal nicht mehr richtig, handeln wir dementsprechend selbstsüchtiger.

Zu einem ähnlichen Schluss kamen in der Vergangenheit auch Studien, die mit verschiedenen bildgebenden Verfahren einen Blick in die Gehirne von gesunden Versuchspersonen warfen und die Aktivität bestimmter Areale im Entscheidungsprozess nachverfolgten. Ein kausaler Zusammenhang ließ sich so aber nicht belegen. Die Ergebnisse von Hsu und Kollegen machen in dieser Hinsicht nun einen vielversprechenderen Eindruck. Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass bei ihren Versuchsteilnehmern durch die Verletzung des DLPFC auch angrenzende Hirnregionen oder Nervenverbindungen in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnten. Und diese haben möglicherweise ebenfalls ein Wörtchen dabei mitzureden, ob wir uns fair verhalten oder eben nicht“.

Insofern ist auch dieses Ergebnis mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Denn mit der Zeit können Zusatzerkenntnisse entstehen, die die Sichtweise modulieren. Jedenfalls kann man davon ausgehen, dass es in unserem Gehirn Areale gibt, die für die Entscheidung zur Fairness zuständig sind.

"Gehirn & Geist über Fairness"

"Dazu das Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn"

04.09.2014 12:59
Von Natur aus fair?
Kinder haben im Alter von sechs bis acht Jahren einen scharfen Sinn für Gerechtigkeit. Eine neue Studie zeigt erneut, dass Menschen bereits im Kindesalter einen Sinn Fairness entwickeln. Allerdings ist das Urteil über unfaires Verhalten stark davon abhängig, ob die andere Fremde oder Bekannte oder gar Freunde sind. Psychologen der Universitäten Harvard und Yale zeigten jüngst im Fachblatt PNAS (online), dass diese Parteilichkeit wohl altersabhängig ist. Während Sechsjährige Ungerechtigkeiten in der eigenen Gruppe noch milder bewerten als die von anderen, ist ihr Gerechtigkeitssinn mit acht Jahren mit mehr Objektivität versehen. Sie gehen auch dann gegen Unfairness vor, wenn sie aus den eigenen Reihen kommt.

Wie Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung (19.8.14) berichtete, hatten die Forscher um Jillian Jordan zunächst 32 Sechsjährige untersucht: „Die Kinder wurden nach ihrer Lieblingsfarbe in blaue und gelbe Gruppen eingeteilt, und trugen Hüte der entsprechenden Farbe. Dann schaute jeweils ein Kind zu, wie sechs Süßigkeiten zwischen einem Mitglied der eigenen und der anderen Gruppe geteilt wurden. Empfanden die "Schiedsrichter" die Aufteilung als fair, bekamen beide Empfänger die Naschereien. Wenn sie die Verteilung missbilligten, mussten die Schiedsrichter mit einer eigenen Süßigkeit die Ungerechtigkeit ausgleichen - Bonbons eines unfairen Aufteilers kamen weg.

Bei den Sechsjährigen zeigte sich, dass sie weniger streng gegenüber Mitgliedern der eigenen Gruppe waren, Unfairness bei anderen jedoch streng ahndeten. In einer zweiten Versuchsreihe wurden 32 Achtjährige mit dem identischen Versuch konfrontiert. Jetzt zeigte sich, dass die älteren Kinder weniger bestechlich in ihrem Urteil waren und sich von der Gruppenzugehörigkeit kaum beeinflussen ließen. "Die Sechsjährigen waren noch nachsichtig gegenüber ihresgleichen", sagt Jordan. "Bei den Achtjährigen war hingegen deutlich zu spüren, dass sie auch dann um Gerechtigkeit bemüht waren, wenn es auf ihre eigenen Kosten ging. Sie hatten das Gefühl, dass Egoismus schlecht ist, egal ob er sich bei Mitgliedern der eigenen Gruppe zeigt oder bei Fremden." Bereits im Grundschulalter entwickeln Kinder offenbar so viel Empathie, dass sie andere als unfair behandelte Opfer ansehen können, egal wie fremd sie ihnen sind.

Die Forscher fragen sich, ob das gezeigte Verhalten kulturspezifisch für den Westen ist oder es sich um Normen der Fairness handelt, die es überall auf dem Globus gibt“. Bartens‘ Resümee: „Erneut bestätigt diese Untersuchung, dass sich Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn schon bei kleinen Kindern finden und der Mensch nicht "von Natur aus" egoistisch ist, wie manche Ökonomen und Politiker gerne mittels biologistischer Blaupausen behaupten, um ungezügelten Wettbewerb zu rechtfertigen und Egoismus als Tugend darzustellen. Das Gegenteil ist der Fall“.

Das haben auch schon zahlreiche Untersuchungen und Experimente zuvor gezeigt (siehe in „Fairness“, Gütersloher Verlagshaus 2010). Doch es dauert wohl noch Jahrzehnte, ehe sich in der Gesellschaft die Einsicht durchsetzt, dass kooperative Gesellschaften, die auf Fairness gründen, konkurrenten Gesellschaften überlegen sind. Zumal, wenn der Wettbewerb nicht in faire Bedingungen eingebunden ist.

"Fairness" - Das Buch.

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