Blog
Hier bloggt Dr. Norbert Copray
   


  Diese Seite weiterempfehlen
  Ihr Feedback
Blog nach Monat: Februar 2011

08.02.2011 11:02
Wirklich kein faires Geschäft
Fair ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Von Anfang an. Das ist die Forderung sozialkritischer Menschen. Aber nicht nur. Das ist auch eine der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation, kurz ILO genannt. Da heißt es im Abkommen 100 vom 23. Mai 1953 in Art. 1b: „Der Ausdruck „Gleichheit des Entgelts männlicher und weiblicher Arbeitskräfte für gleichwertige Arbeit" bezieht sich auf Entgeltsätze, die ohne Rücksicht auf den Unterschied des Geschlechts festgesetzt sind“. So formuliert vor über 55 Jahren. Auch diesem Abkommen ist die Bundesrepublik Deutschland mit seiner Wiederaufnahme in die ILO 1951 beigetreten. Und nach mehr als 55 Jahren gibt es hinsichtlich Männern und Frauen immer noch nicht flächendeckend gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Die Entlohnung von Männern und Frauen liegt im Schnitt zwischen 10 und 30 % zu Lasten der Frauen.

Doch seit 15 Jahren wurde selbst diese Situation durch die Leih- und Zeitarbeit übertroffen. Häufig verdienen Leih- und Zeitarbeiter nur halb so viel oder etwas mehr als halb so viel wie die Mitarbeiter der Stammbelegschaft. 15 % weniger Geld als die Stammmitarbeiter bei gleicher Arbeit ist die Regel. Und das, obwohl die Zeitarbeiter, wie der Begriff schon sagt, ein deutlich höheres Risiko tragen. Weniger als die Hälfte von ihnen arbeitet länger als 6 Monate, viele nur 3 Monate am selben Arbeitsplatz. Lange Anfahrten sind die Regel. Mobilität und Flexibilität sind extrem ausgeprägte Anforderungen.

Das Geschäft mit der Leiharbeit ist für die Zeitarbeitsfirmen lukrativ. Denn sie verdienen ordentlich, zumal, wenn größere Kontingente von Leiharbeitern vermittelt werden. Die Firmen wiederum können mit der Zeitarbeit die Löhne der Stammbelegschaft drücken oder mit deren angedrohter Ausweitung Zugeständnisse der Stammmitarbeiter erpressen.

Die Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Rundschau, Eva Roth, schreibt richtigerweise: „Die Arbeitgeberverbände warnen eindringlich vor einer Equal-Pay-Regelung. Dadurch würden Leiharbeiter teurer als Festangestellte, weil die Zeitarbeitsfirma ja auch was verdienen will, lautet ein Argument. Das stimmt. Doch zurzeit liegt die doppelte Last bei den Beschäftigten: Sie erhalten weniger Geld und haben einen unsicheren Job. Die Unternehmen haben dagegen den doppelten Vorteil: billige Arbeitskräfte und Flexibilität. Das ist kein faires Geschäft.“

Wirklich kein faires Geschäft! SEPP58 kommentiert dazu aus eigener Erfahrung: „Bei Tarifverhandlungen werden Leiharbeiter als Druckmittel eingesetzt! (…) Unter jedem Leiharbeitstarifvertrag, der Equal pay verhindert, stehen die Namen der Gewerkschaften VERDI, IGM usw.. Sie, die Gewerkschaften, haben aus Rücksicht auf die SPD die Leiharbeitnehmer den Seelenverkäufern zum Fraß vorgeworfen“.

Ein fairer Vertrag sieht anders aus. Der verteilt Vor- und Nachteile ausgewogen auf die Vertragspartner, um gemeinsam Vorteile für beide gleichermaßen zu sichern. Den Unternehmen die Flexibilität und Mobilität der Leiharbeiter, den Stammmitarbeitern die Unterstützung durch Zeitarbeiter in Spitzenzeiten der Auftragslage, den Leiharbeitern die Beschäftigung zu menschenwürdigem und gleichem Lohn jenseits der Arbeitslosigkeit und der Sozialbedürftigkeit, den Zeitarbeitsfirmen Verdienste aus Vermittlungs- und Betreuungsarbeit. Wer hier einen der Partner übervorteilt, sägt nicht nur an der Sozialpartnerschaft, sondern auch am inneren Frieden. Zur sozialen Gerechtigkeit gehört gleicher Lohn für gleiche Arbeit – gleich.
http://www.ilo.org/ilolex/german/docs/gc100.htm http://www.fr-online.de/politik/meinung/kein-faires-geschaeft/-/1472602/7165140/-/index.html


Blog-Kategorien
  Bildung
  Führung
  Gesellschaft
  Kaufen & Haben
  Korruption
  Medien
  Organisationen
  Politik
  Recht
  Sport
  Unternehmen
  Wissenschaft
Blog-Archiv
  Dezember 2018
  November 2018
  Oktober 2018
  September 2018
  August 2018
  Juli 2018
  Juni 2018
  Mai 2018
  April 2018
  März 2018
  Februar 2018
  Januar 2018
  Dezember 2017
  November 2017
  Oktober 2017
  September 2017
  August 2017
  Juli 2017
  Juni 2017
  Mai 2017
  April 2017
  März 2017
  Februar 2017
  Januar 2017
  Dezember 2016
  November 2016
  Oktober 2016
  September 2016
  August 2016
  Juli 2016
  Juni 2016
  Mai 2016
  April 2016
  März 2016
  Februar 2016
  Januar 2016
  Dezember 2015
  November 2015
  Oktober 2015
  September 2015
  August 2015
  Juli 2015
  Juni 2015
  Mai 2015
  April 2015
  März 2015
  Februar 2015
  Januar 2015
  Dezember 2014
  November 2014
  Oktober 2014
  September 2014
  August 2014
  Juli 2014
  Juni 2014
  Mai 2014
  April 2014
  März 2014
  Januar 2014
  November 2013
  Oktober 2013
  September 2013
  August 2013
  Juli 2013
  Juni 2013
  Mai 2013
  April 2013
  März 2013
  Februar 2013
  Januar 2013
  Dezember 2012
  November 2012
  Oktober 2012
  September 2012
  August 2012
  Juli 2012
  Juni 2012
  Mai 2012
  April 2012
  März 2012
  Februar 2012
  Januar 2012
  Dezember 2011
  November 2011
  Oktober 2011
  September 2011
  August 2011
  Juli 2011
  Juni 2011
  Mai 2011
  April 2011
  Februar 2011
  Januar 2011
  Dezember 2010
  November 2010
  Oktober 2010
  September 2010
  August 2010
  Juli 2010
  Juni 2010
  Mai 2010
  April 2010
  März 2010
  Februar 2010
  Januar 2010
  Dezember 2009
  November 2009
  Oktober 2009
  August 2009
  Juli 2009
  Juni 2009
  Mai 2009
  März 2009
  Februar 2009
  Januar 2009
  Dezember 2008
  November 2008
  September 2008
  August 2008
  Juli 2008
  Juni 2008
  April 2008
  März 2008
  Januar 2008
  Dezember 2007
  November 2007
  Oktober 2007
  September 2007
  August 2007
  Juli 2007
  Juni 2007
  Mai 2007
  April 2007
  März 2007
  Februar 2007
  Januar 2007
RSS-Feed abonnieren
© Fairness-Stiftung. Alle Rechte vorbehalten. Design & Realisierung by gimas gmbh.