Blog nach Monat: August 2010

24.08.2010 13:41
Das neue und einzigartige Buch über Fairness
Brandneu und aktuell: Das Buch „Fairness“ (Gütersloher Verlagshaus 2010, 240 Seiten), in das die Erkenntnisse der Fairness-Forschung, die Ansätze der Fairness-Stiftung zum Aufbau von Fairness-Kompetenz und meine Erfahrungen der letzten 35 Jahre in der Beratung von Verantwortungsträgern, Chefs und Management eingeflossen sind. Es ist das einzige Buch im deutschsprachigen Raum, das sich ausschließlich und grundlegend mit Fairness befasst. Dazu liefert es einen Ansatz,
1. die Fairness-Intuition des Menschen und ihre Störungen zu verstehen,
2. das parasitäre „System der Unfairness“ zu durchschauen,
3. die Fairness-Fallen frühzeitig zu identifizieren oder zu verlassen,
4. eigene Fairness-Kompetenz aufzubauen,
5. den Umgang mit Fairness professioneller zu machen und
6. Fairness als Lebenskompass zu begreifen und zu nutzen.
Zugleich werden die verschiedenen Felder in den Blick genommen, in denen Fairness eine besondere Rolle spielt bzw. in denen Unfairness ihr böses Spiel treibt: Gesellschaft und Wirtschaft, Privat- und Berufsleben, Unternehmen und Organisationen, Nachbarschaft und Elternschaft.

Zum verbreiteten Missverständnis über Fairness heißt es in der Einleitung: „Die Vorstellung, Fairness sei lediglich etwas weich gespülte Zwischenmenschlichkeit, um die Härte nicht zu spüren, mit der man manipuliert, ausgenutzt und ausgebeutet wird, hat den Fairness-Faktor noch nicht wirklich verstanden. Fairness ist das genaue Gegenteil und hat – wie in Fairness-Prozessen zu erfahren ist – für viele überraschend gar nichts mit Seichtheit und dem Schein der Nettigkeit zu tun.

Fair sein heißt nicht nett sein, sondern sehr deutlich, konsequent und mitunter mit harten Ergebnissen für Fairness zu sorgen. Denken wir nur an sehr gute Schiedsrichter, die durch gelbe und rote Karten dafür sorgen, dass ein Spiel wieder an Fairness-Qualität gewinnt, das schon in die gegenteilige Richtung zu kippen drohte. Wer Fairness banalisiert oder mit einem naiven, nicht qualifizierten Fairness-Begriff operiert, arbeitet unfairen Akteuren in die Hände. Sie haben großes Interesse daran, Fairness lächerlich zu machen, zu tabuisieren und auf eine nette, höfliche Maske zu schrumpfen. Lassen wir uns dazu nicht verführen“ (S. 11f).

Erhältlich überall im Buch- oder im Versandbuchhandel. Handsigniert bei http://www.publik-forum.de/shop/Default.asp?id=9982&titel=Fairness+%28handsigniert%29&k1=31&k1n=Mittelfeld&k2=3&k2n=Handsigniert

18.08.2010 10:29
Wie der Atomdeal politische Unfairness fördert
Wird Angela Merkel zur Atomkanzlerin? Sie hat erkennen lassen, dass sie zu einer Verlängerung der Atomlaufzeiten steht. Aber niemand weiß, welchen Zeitraum sie bevorzugt. Immerhin war sie Umweltministerin, als weiter nuklearer Abfall in die Asse II in Niedersachsen eingefüllt wurde, obwohl es in ihrem Hause massive Bedenken gegen die Sicherheitsstandards und die Zuverlässigkeit der Asse gab. Heute steht die Bundesrepublik vor einem Scherbenhaufen des Atommülllagers und muss zwei Milliarden Euro aufwenden, um den radioaktiven Abfall aus dem Salz-Wasser-Gemisch wieder heraus zu holen. Die Frage eines Atommüllendlagers ist immer noch nicht geklärt, aber es wird weiter radioaktiver Abfall für Jahrhunderte und Jahrtausende produziert.

Offensichtlich geht es weniger um die Sicherheit der Bundesbürger als um’s Geld. Das jedenfalls lässt sich von der Tatsache ableiten, dass über die Laufzeitverlängerung zwischen den Atomenergiekonzernen und dem Bundesfinanzministerium verhandelt wird. Nicht einmal Bundesumweltminister Norbert Röttgen ist dabei. Im Vorfeld haben die Atomkonzerne die Bundesregierung wissen lassen, dass sie die älteren Atomkraftwerke abschalten würden, wenn ihnen mit einer Brennelementesteuer Gewinne verloren gingen, weil dann angeblich die Atommeiler nicht mehr rentabel seien. Die Kanzlerin ließ die Konzernbosse wissen, dass sie von diesem öffentlichen Säbelrassel nichts halte. Offenbar findet solches Droh- und Imponiergebaren aber wohl hinter verschlossenen Türen ab, womit die Konzerne ihr Erpressungspotenzial vorführen. Dabei gehört Deutschland derzeit zu den stromexportierenden Ländern, was den Konzernen auch gute Gewinne bringt. Insofern ist eine Stromlücke durch das Abschalten älterer Atommeiler nicht zu erkennen.

Doch entscheidender als das Gezeter um die Laufzeiten und die finanziellen Aspekte für die Bundesregierung und die Atomenergiekonzerne ist die Art und Weise, in der Politik gemacht wird. Politik soll sich an Gemeinwohlinteressen ausrichten, nicht ein Einzelinteressen. Doch wie versucht wird, am Bürgerwillen und an künftigen Regierungen vorbei politische Tatsachen zu schaffen, ist „ein Niedergang des demokratischen Parlamentarismus“. Wie es die Vorsitzende von Transparency International, Edda Müller, zu Recht ausspricht. Da beklagen die Politiker nach jeder Wahl die Politikverdrossenheit der Bürger. Um kurze Zeit darauf unter Missachtung von Transparenz, Gemeinwohl und Bürgerwillen schwer änderbare Fakten zu schaffen. Wenn sich starke Wirtschaftszweige wie die Atomkonzerne in der Energiewirtschaft oder die Hotelketten in der Hotelerie günstige Bedingungen ihres Profitstrebens von der Politik erkaufen oder mit Erpressungspotenzial heraushandeln können, dann steht das demokatrische System grundsätzlich auf dem Spiel. Und der politischen und steuerlichen Unfairness wird Tür und Tor geöffnet. Dabei geraten andere, schwächere gesellschaftliche Gruppen, ins Hintertreffen. Gesellschaftliche Unfairness wird zementiert.
http://www.fr-online.de/politik/-man-muss-massiv-dagegen-vorgehen-/-/1472596/4564460/-/index.html
http://www.transparency.de/Lobbyismus.737.0.html


12.08.2010 11:49
Wenn Arbeit krank macht
Dauerdruck, Hektik und geringe Ressourcen: Deutsche Arbeitnehmer reagieren mit psychischen Beschwerden und Erkrankungen auf den kaum noch zu bewältigenden Stress in den Unternehmen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes betrugen die Krankheitskosten durch psychische und Verhaltensstörungen im Jahr 2008 knapp 28,7 Milliarden Euro. Für gut die Hälfte dieser Kosten waren nur zwei Diagnosen verantwortlich: 9,4 Milliarden Euro wurden für Demenzerkrankungen und 5,2 Milliarden Euro für Depressionen ausgegeben. Vor allem für die Behandlung von Frauen fiel ein Großteil der Kosten an, da Frauen häufiger als Männer unter einer dieser beiden Erkrankungen leiden.

Die Ergebnisse der Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Kosten durch psychische Erkrankungen von 2002 bis 2008 besonders stark gestiegen sind: Bei den Behandlungskosten von Frauen machte sich eine Plus von rund drei Milliarden Euro bemerkbar, bei Männern ein Plus von zwei Milliarden. Das entspricht einem Zuwachs von 20 beziehungsweise 26 Prozent. Insgesamt sind die Krankheitskosten seit 2002 um 16 Prozent gestiegen.

Deutschlands Arbeitnehmer nehmen immer mehr Antidepressiva ein. So eine Sonderauswertung des TK-Gesundheitsreports. Demnach hat sich das Volumen der verschriebenen Antidepressiva unter Deutschlands Beschäftigten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Statistisch erhielt 2009 jeder Berufstätige durchschnittlich für acht Tage Medikamente zur Behandlung von Depressionen. Das bedeutet einen Anstieg von 113 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000.

Seelische Erkrankungen bedeuten längere Fehlzeiten als bei physischen Erkrankungen. Und für die Firmen kommt es dadurch zu 4,1 Milliarden Euro Kosten bzw. nicht realisierten Umsätzen. Doch das scheint kein Grund für die Unternehmen zu sein, für gesundheitsförderliche und damit faire Arbeitsumstände zu sorgen. Viele haben den Zusammenhang zwischen psychischen Arbeitsbedingungen, Leistungsfähigkeit und psychischen Beeinträchtigungen auch noch nicht erkannt. Krankenkassen versuchen mit Gesundheitsförderung dem Trend entgegen zu wirken. Mit geringem Erfolg. An der extremen Arbeitsverdichtung, hohen Beschleunigung und unmittelbaren Dauerverfügbarkeit hat sich nichts geändert. Die Firmenleitungen müssten erkennen, dass sie mit einer gesundheitsförderlichen Arbeitskultur nicht nur an Fairness-Qualität, sondern auch an Performance gewinnen. Aber dafür wird nur selten und wenig Geld in die Hand genommen.

Und dann soll die nächste „Gesundheitsreform“ der schwarz-gelben Regierung auch noch die Unternehmen aus der weiteren Zunahme von Krankenkassenkosten entlassen und sie einseitig den Versicherten aufbürden. Als würden Arbeitsumstände, ehrgeizige Ziele und eine verbesserungsbedürftige Führungs- und Unternehmenskultur nicht selbst zu steigenden Krankheitskosten beitragen.


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