Blog nach Monat: Mai 2018

24.05.2018 10:44
Wie fair, sozial und ökologisch sind die Banken in Deutschland?
Zum dritten Mal hat der Fair Finance Guide Deutschland anhand sozialer und ökologischer Kriterien Banken in Deutschland analysiert und verglichen. Angewendet wurden 250 Einzelkriterien zu 13 sozial-ökologischen Themen auf einer Performance-Skala zwischen 0 % und 100 %. Im Vergleich zu den vorherigen Untersuchungen im März 2016 (8) bzw. im November 2016 (10) wurde die Zahl der untersuchten Banken jetzt auf 13 erweitert.

Das zentrale Ergebnis:Die Nachhaltigkeitsrichtlinien von sechs Banken haben sich im Vergleich zur Voruntersuchung und als Folge des Dialogs mit dem Fair Finance Guide Deutschland qualitativ verbessert. Dennoch gibt es aus Sicht der Nichtregierungsorganisationen, die hinter dem Fair Finance Guide stehen, weiterhin inakzeptable Defizite.

Überraschend schlecht schneiden zwei der drei neu untersuchten Banken ab: Die Sparkasse KölnBonn mit der denkbar schlechtesten Performance (0 % von 100%) sowie die Bayern LB auf dem vorletzten Platz (28 % von 100%).

„Die Sparkasse KölnBonn lässt ihre KundInnen komplett darüber im Unklaren, ob die Verwendung der etwa 20 Mrd. Euro Einlagen an nachhaltige Kriterien gebunden ist“, beklagt Antje Schneeweiß von SÜDWIND.

Seit dem Jahr 2018 sind Banken ab einer gewissen Größenordnung erstmalig für das Geschäftsjahr 2017 verpflichtet, über nicht-finanzielle Belange zu berichten (CSR-Berichtspflicht). Zu diesen gehören fünf verpflichtende Themen: Umwelt-, ArbeitnehmerInnen- und Sozialbelange sowie die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

„Die untersuchten Banken kommen zwar ihrer Berichtspflicht zur unternehmerischen Sozialverantwortung nach, doch fördert dieses Verfahren nicht die Transparenz in Bezug auf soziale und ökologische Aspekte des Kerngeschäftes der Banken“, beklagt Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand der Nichtregierungsorganisation Facing Finance, die den Fair Finance Guide Deutschland koordiniert. Küchenmeister verweist darauf, dass z.B. die Unternehmen der DZ BANK-Gruppe Menschenrechtsaspekten bei den direkten Geschäftstätigkeiten nur eine untergeordnete Rolle zuschreiben.

Ein weiteres Ergebnis: Der Fair Finance Guide Deutschland unterscheidet sich im Vergleich zu Nachhaltigkeitsratingagenturen und ihren Bewertungen deutlich. „Im Vergleich zu Nachhaltigkeitsratingagenturen erweist sich der Fair Finance Guide als kritischer und verfolgt zudem eine komplett transparente Methodik, wohingegen die Nachhaltigkeitsratingagenturen jede Menge Informationen in eine Blackbox kippen, eine Zahl darunterschreiben und diese dann für viel Geld an ihre KundInnen - zu denen auch viele Banken gehören - verkaufen“, kritisiert Thomas Küchenmeister. Zu den positiven Ergebnissen trägt wesentlich der TOP-Neueinsteiger EthikBank bei, der aus dem Stand mit einer Performance von 94 % von möglichen 100 % auf Platz 2 landet.

„Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wissen, ob ihre Bank soziale und ökologische Richtlinien berücksichtigt. Die Verbraucherzentrale Bremen kooperiert daher mit dem Fair Finance Guide und hat die EthikBank unter die Lupe genommen. Die Tochter der Volksbank Eisenberg ist zwar nur eine kleine Anbieterin, konnte sich aber mit ihrer Nachhaltigkeitsausrichtung auf Anhieb in der Spitzengruppe platzieren“, kommentiert Dr. Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.

Die katholische Pax-Bank, die bei der ersten Untersuchung noch die schlechteste Bewertung erhielt, macht erneut einen großen Sprung (55 % auf 66 %) und landet auf Platz 5, deutlich vor der Commerzbank (39 %), der leicht verbesserten Deutschen Bank (33 %) und der stagnierenden DZ Bank (32 %). “Die klare Verbesserung des Ratings der Pax Bank rührt wesentlich von der gewachsenen Dialogbereitschaft des Instituts, welche sich als entscheidende Grundlage für die Entwicklung der Investitions- und Anlageleitlinien der Pax Bank erwiesen hat”, sagt Mario Dziamski, Gründer der Verbraucherinitiative Rank a Brand e.V.. Auch die evangelische KD-Bank zeigt sich deutlich verbessert.

„Unsere Transparenzinitiative scheint zu wirken, denn im Durchschnitt erhöht sich der qualitative Standard der ESG-Kriterien der untersuchten Banken langsam aber stetig“ resümiert Sarah Guhr, Projektleitern des Fair Finance Guide Deutschland.So hat sich der Durchschnittswert der acht seit Beginn bewerteten Banken trotz mittlerweile gestiegener Anforderungen von 42 % auf 58 % erhöht. Die konventionellen Banken verbesserten sich seit März 2016 insgesamt von 23 % auf 28 %.

„Der Fair Finance Guide konnte besonders in den Bereichen Arbeitsrecht (von 36 % auf 43 %), bei der fossilen Energieerzeugung (von 21 % auf 28 %) sowie dem Thema Bergbau (von 21 % auf 26 %) Verbesserungen feststellen“, unterstreicht Sarah Guhr. Diese Entwicklung sei z.B. den vermehrten Ausschlüssen von Kohlekraftwerksbetreibern bzw. von Kohlebergbau und umweltschädlichen Energiegewinnungsmethoden wie Fracking bzw. Öl- oder Teersande (tar sands) zuzuschreiben, so Sarah Guhr.

Facing Finance und die Kooperationspartner im Fair Finance Guide werden ihre Zusammenarbeit fortsetzen und ausweiten. Zudem ist vorgesehen, anhand von öffentlich zugänglichen Fallstudien kontinuierlich zu prüfen, ob Banken tatsächlich ihre ESG-Richtlinien einhalten.

Ziel des Fair Finance Guide Deutschland bleibt es, für BankkundInnen mehr Transparenz und Vergleichbarkeit in Bezug auf die soziale und ökologische Bilanz deutscher Banken herzustellen und ihnen die Möglichkeit zu geben, die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle besser beurteilen zu können. Dafür steht das anhand von 250 Kriterien detailliert recherchierte, unabhängige und frei zugängliche ESG-Bewertungsportal zur Verfügung:
"Checken Sie Ihre Bank um ESG-Bewertungsportal"

Der Fair Finance Guide Deutschland ist Teil vom"Netzwerk Fair Finance Guide International", gegründet von Oxfam Novib. Der FFG International umfasst weltweit derzeit neun Länder und vereint über 40 Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Umweltgruppen und Verbraucherorganisationen.

Fair Finance Guide Deutschland wird von der schwedischen Entwicklungsbehörde Sida und der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen finanziert. Die dem Projekt zugrunde liegende, umfassende Methodik wurde mit Unterstützung der niederländischen Agentur Profundo (www.profundo.nl) entwickelt.

Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an:

Thomas Küchenmeister
FACING FINANCE
0175-4964082
kuechenmeister@facing-finance.org

Hintergrundinformationen
"Hintergrundinfo"

07.05.2018 13:33
Die Ausbeutung von Mensch und Umwelt durch Unternehmen stoppen
So geht der Weltladentag am 12. Mai mit der Kampagne „Mensch. Macht. Handel. Fair.“ in die nächste Runde. Nach dem Motto „neue Bundesregierung, neue Chance“ fordern das Forum Fairer Handel und der Weltladen-Dachverband nachdrücklich die Mitglieder des Bundestages auf, Menschen- und Arbeitsrechte weltweit verbindlich zu schützen. Diese Forderung untermauern die Weltläden mit einer bundesweiten Unterschriftensammlung für eine gesetzliche Unternehmensverantwortung.
"Video - Stimmen zur Kampagne"
Bis zum Welttag für menschenwürdige Arbeitsbedingungen am 7. Oktober zählt jede Unterschrift!

„Menschenrechtsverletzungen stellen im globalen Wirtschaftssystem keine Ausnahme dar. Oft speisen sich Unternehmensgewinne systematisch aus menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und niedrigen Umweltstandards“, kritisiert Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel. Der fünfte Jahrestag der Katastrophe von Rana Plaza am 24. April erinnerte jüngst schmerzhaft an diese Ungerechtigkeit. Wenn Unternehmen im Ausland die Rechte von Arbeiter*innen verletzen, die lokale Bevölkerung von ihrem Land vertreiben oder Schäden für Umwelt und Gesundheit verursachen, bleibt dies für sie häufig ohne rechtliche Folgen. Betroffene finden weder vor Ort in ihrer Heimat noch in den Herkunftsländern der Unternehmen Rechtsschutz und Wiedergutmachung.

„Die deutsche Politik hat in den letzten Jahren viele Möglichkeiten verpasst, die Ausbeutung von Mensch und Umwelt bei der Herstellung unserer Alltagsprodukte zu stoppen und verbindliche menschenrechtliche Vorgaben für Unternehmen zu beschließen“, erklärt Anna Hirt, Kampagnenreferentin beim Weltladen-Dachverband. Auch deutsche Unternehmen sind immer wieder an Menschenrechtsverletzungen im Ausland beteiligt oder profitieren finanziell davon. Dabei hat sich Deutschland dazu verpflichtet, weltweit für sozial- und umweltverträgliche Produktionsweisen zu sorgen. „Das ist ein eklatanter Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, betont Fütterer.

Vor diesem Hintergrund sammeln die Weltläden in ganz Deutschland ab dem 12. Mai – dem Weltladentag, der zugleich World Fair Trade Day ist – Unterschriften für eine gesetzliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für Unternehmen. Diese werden am 7. Oktober, anlässlich des Welttags für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, an die Bundestagsabgeordneten in den jeweiligen Wahlkreisen übermittelt. Die Aktion knüpft auch an die Kampagne „Visionen des Fairen Handels zur Bundestagswahl 2017“ an. In deren Rahmen haben 65 Weltläden Kontakt zu etwa 160 Kandidat*innen aufgenommen. Davon wurden 80 Personen im Herbst in den Bundestag gewählt. Genau diese Abgeordneten spricht die Kampagne „Mensch. Macht. Handel. Fair“ in diesem Jahr erneut an. „Die große Mehrheit dieser Parlamentarier*innen sagte zu, sich für die politischen Forderungen des Fairen Handels in ihrer Zeit im Bundestag einzusetzen. Wir nehmen sie nun beim Wort und fordern die Umsetzung ein!“, so Anna Hirt vom Weltladen-Dachverband zur Zielsetzung der Kampagne.

"Zu Anliegen und Hintergrund der Kampagne"

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