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08.05.2019 12:10
Was dem Leben dient: neues Buch von Rupert Lay
Zum 90. Geburtstag Rupert Lays im Juni haben wir das Rupert Lay Lesebuch mit dem Titel "Was dem Leben dient. Die Ethik der Biophilie für Entscheiden und Handeln" herausgebracht.

Es enthält auf knapp 280 Seiten meist kurze Schlüsseltexte aus seinen 49 Büchern in den Themenfeldern: Ethik und Verantwortung, Sprache und Kommunikation, Menschenbild und Personalität, Religion und Glaube, Wirklichkeit und Realität, Gesellschaft und Politik. Auf mehr als weiteren einhundert Seiten findet sich ein Glossar zu den Schlüsselbegriffen der Philosophie und Ethik von Rupert Lay. Der Anhang umfasst eine aktualisierte Biographie Rupert Lays und die Bibliographie.

Das Buch kann ab sofort beim Verlag direkt bestellt werden Bestelllink oder in allen Buchhandlungen und Buchhandelsplattformen unter ISBN: 978-3-7482-6268-8.

"Handle stets so, dass Du das personale Leben in Deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen Menschen eher mehrst denn minderst".
Dieses Biophilie-Prinzip hat Rupert Lay entwickelt und stellt es ins Zentrum seiner Philosophie und seines Lebens. Die Liebe zum Leben – Biophilie – ist der Angelpunkt. Die biophile Ethik Rupert Lays orientiert Denken, Entscheiden und Handeln für die Zukunft des Lebens auf dem Planeten Erde. Handeln ist, im Gegensatz zum Verhalten, eine Folge des Wollens und Entscheidens. Beides ist eine Folge des Erkennens. Ethisch-verantwortetes Handeln muss dem Biophilie-Postulat entsprechen, wenn es für sich Realitätsorientierung beansprucht. Rupert Lay ist ein "Leitstern ethischer Orientierung" (managerseminare).

Prof. Dr. Rupert Lay, (Jg. 1929) war von 1967 bis 1997 Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Jesuitenhochschule in Frankfurt am Main (St. Georgen); Mitglied des Jesuitenordens und Priester. Ab 1967 psychotherapeutische Tätigkeit und Praxis sowie seit 1968 Beratung und Coaching für Führungskräfte und Manager. 2000 Gründungsmitglied und Vorsitzender des Kuratoriums der gemeinnützigen Fairness-Stiftung.

"Rupert Lay im Kuratorium"

29.04.2019 11:45
Warum Julia Klöckner eine klare Lebensmittel-Ampel verhindert
Es ist offensichtlich, dass die Ministerin Klöckner die Interessen der Agrar- und Lebensmittelindustrie gegen die Verbraucher und eine fairere Lebensmittel-Kennzeichnung vertritt.

Warum will Julia Klöckner eine Nährwertkennzeichnung erst im Sommer vorstellen? Und warum wird die komplizierter und damit uneffektiver als eine, die es schon gibt? Nicolai Kwasniewski schreibt dazu im Spiegel: "Ein einfaches Ampelsystem wird es wohl nicht sein - eine positive Bewertung des sogenannten Nutri-Scores ließ die Ministerin zurückhalten.

Wie können Verbraucher im Supermarkt erkennen, welche Lebensmittel gut für sie sind? Und was heißt überhaupt "gut"?
Eine simple Kennzeichnung in den Ampelfarben Rot, Gelb und Grün will die Mehrheit der Hersteller unbedingt verhindern. In Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat die Industrie für dieses Ziel offenbar eine Unterstützerin gefunden: Sie hält eine Studie zurück, die den zunehmend populären Nutri-Score offenbar positiv bewertet.

Das geht aus einer internen E-Mail aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) hervor, die die Verbraucherorganisation Foodwatch veröffentlicht hat. In einem internen Vermerk heißt es, die Ministerin habe "ausdrücklich darum gebeten" im Zusammenhang mit der Studie "größte Vertraulichkeit sicherzustellen". Geht es wirklich nur darum, "vorzeitige Festlegungen" zu vermeiden oder soll hier ein Label schlechtgemacht werden, weil es der Industrie nicht passt?

Über die Frage, wie der Gehalt an Fett, Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren bei verarbeiteten Lebensmitteln gekennzeichnet werden soll, wird seit mehr als zehn Jahren gestritten, zum Teil auch erbittert gekämpft. Die Vorgaben werden in Brüssel gemacht, vor gut zehn Jahren verhinderte die Lebensmittellobby eine Kennzeichnung in den Ampelfarben - ein großer Erfolg für die Industrie.

Seither verpflichtet eine EU-Verordnung die Hersteller vorgefertigter Produkte lediglich dazu, auf der Packung den Gehalt an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz anzugeben. Das sind jene Tabellen auf der Packungsrückseite, die nur wenige Verbraucher lesen und noch weniger vollständig verstehen.

Verbraucherschützer fordern deshalb, dass auf der Vorderseite der Verpackung gezeigt werden soll, wie viel Fett, Zucker und Salz das Lebensmittel enthält - und zwar in Rot, Gelb und Grün, für viel, mittel und wenig. Ihr Argument: So greifen Verbraucher eher zur "grünen" Version und ernährten sich langfristig ausgewogener. Die meisten Hersteller lehnen das als Bevormundung ab, nennen die Farbgebung willkürlich und argumentieren beispielsweise damit, dass auch gesundes Vollkornbrot einen roten Punkt für den Salzgehalt bekäme.

Laut EU-Recht ist eine zusätzliche Nährwertkennzeichnung auf der Packungsvorderseite ausdrücklich erlaubt. Einige Mitgliedstaaten haben deshalb eine freiwillige Kennzeichnung eingeführt. Derzeit sieht es so aus, als ob sich das französische Nutri-Score-Modell durchsetzt - nach Frankreich führen es auch Belgien, Spanien, Portugal und Luxemburg ein. (Lesen Sie hier mehr zum Nutri-Score)
Unternehmen wie Danone, Iglo, Bofrost und ein paar kleinere Produzenten zeichnen ihre Produkte auch in Deutschland damit aus, auch wenn ein Verein gerade gerichtlich dagegen vorgeht.

Die Industrie will das Nutri-Score-System verhindern

Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, bis zum Sommer eine Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten und einzuführen. Im vergangenen Jahr beauftragte Julia Klöckner das Max Rubner-Institut (MRI) mit einer wissenschaftlichen Bewertung der in Europa verwendeten Modelle. Im Herbst war dieser Bericht offenbar bereits fertig, und das MRI kam zu dem Schluss, dass die Nutri-Score-Ampel "grundsätzlich vorteilhaft für eine "Front of Pack"-Nährwertkennzeichnung ist". So steht es in der internen Ministeriums-E-Mail, die Foodwatch durch einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz bekommen hat und die dem SPIEGEL vorliegt.

Warum Klöckner um "größte Vertraulichkeit" bat, ist unklar - in der E-Mail heißt es, das MRI habe die Modelle "lediglich wissenschaftlich bewertet", es bedürfe noch "der Abstimmung mit anderen Referaten".
Sicher ist, dass ihr Ministerium den MRI-Bericht erst sechs Monate später, im April 2019 veröffentlichte, offenbar in einer überarbeiteten Fassung. Foodwatch-Campaignerin Luise Molling bezeichnet es als inakzeptabel, dass die ursprüngliche Studie nicht veröffentlicht werden soll: "Politik auf der Basis von Wissenschaft und Fakten, wie von Frau Klöckner immer wieder betont, braucht keine Geheimhaltung von wissenschaftlichen Studien."
Klöckner hat immer wieder darauf hingewiesen, dass sie ein eigenes Modell entwickeln möchte, und zwar in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und Verbrauchern. Zwar favorisieren auch die meisten Verbraucherorganisationen das Nutri-Score-System nach französischem Vorbild. Die Wirtschaft will die Ampel aber weiterhin vermeiden.

Auch um den Nutri-Score zu umgehen, stellte der Branchenverband Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) deshalb ein weiteres Modell vor, dass weniger eindeutig und weniger farbig ist. Vielleicht wollte Klöckner genau darauf warten - der BLL stellte sein Modell genau an jenem Tag vor, an dem die Ministerin den überarbeiteten MRI-Bericht veröffentlichte.“

23.04.2019 11:31
Wird ab Mai die Menschenrechtsverpflichtung der Unternehmen geprüft?
Wirkt der Nationale Aktionsplatz (NAP) für Menschenrechte in Unternehmen? Oder ist er nur Schall und Rauch für die Show? Inwieweit kommen in Deutschland ansässige Unternehmen in ihren weltweiten Liefer- und Wertschöpfungsketten ihrer im NAP verankerten Sorgfaltspflicht nach?

Diese zentrale Frage leitet das NAP-Monitoring - im Mai 2019 startet die erste große Erhebungsphase. Zunächst 1.800 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten werden in einer repräsentativen Stichprobe ausgewählt und in einem persönlichen Anschreiben eingeladen, an der Befragung teilzunehmen. Sie können den NAP-Prozess in Deutschland damit aktiv mitgestalten.

Darum geht es: Die Sorgfaltspflicht der Unternehmen zur Achtung der Menschenrechte ist ausführlich im Nationalen Aktionsplan beschrieben. Sie setzt sich aus fünf Kernelementen zusammen:
- einer Grundsatzerklärung der Unternehmen, die Menschenrechte zu achten,
- Verfahren, die dazu dienen, tatsächliche und potenzielle nachteilige Auswirkungen auf die Menschenrechte zu ermitteln,
- Maßnahmen, die potenzielle negative Auswirkungen verhindern sollen sowie weitere Maßnahmen, die geeignet sind, die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu überprüfen,
- der Berichterstattung und
- Beschwerdemechanismen.

Beachten deutsche Unternehmen im Ausland die Menschenrechte? Eine Überprüfung sollte das klären. Doch das Kanzleramt interveniert bei der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans.

Zum Hintergrund ein Bericht von Tobias Schwab (von der Frankfurter Rundschau):
„Billigtextilien aus Bangladesch, seltene Erze aus dem Kongo für die Elektronikindustrie, Kakao von Plantagen in der Elfenbeinküste – immer wieder sehen sich deutsche Unternehmen mit Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten konfrontiert.
Mit dem 2016 beschlossenen Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) verpflichtete die Bundesregierung Firmen deshalb zu mehr Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei ihren Geschäftspartnern im Ausland – zunächst auf freiwilliger Basis. Im jüngsten Koalitionsvertrag vereinbarten Union und SPD allerdings, „national gesetzlich tätig zu werden“, sollten die Unternehmen ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht nicht wahrnehmen.

Überprüft werden soll das Engagement der Firmen mittels einer umfangreichen Befragung. Dieses Monitoring sorgt nun für Zündstoff, ein handfester Koalitionskrach droht.

Kanzleramt und Wirtschaftsministerium greifen ein

Aus dem vertraulichen Entwurf für das Monitoring, den die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) im Auftrag des federführenden Außenministeriums erarbeitet hat, geht hervor, dass Bundeskanzleramt und Bundeswirtschaftsministerium massiv intervenieren.

Umstritten ist vor allem die Methodik des Monitorings - die letztlich darüber entscheidet, wie viele Firmen die Anforderungen erreichen. Denn der NAP setzt eine Schwelle: Demnach müssen bis 2020 mindestens die Hälfte aller in Deutschland ansässigen Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten die „wesentlichen Elemente menschenrechtlicher Sorgfalt in ihre Unternehmensprozesse“ integriert haben. Andernfalls droht ein Gesetz - das Kanzleramt und Wirtschaftsressort offenbar unbedingt vermeiden wollen.

Darauf deuten jedenfalls die Änderungen im EY-Bericht hin, der der Frankfurter Rundschau vorliegt. So wollen das Kanzleramt und das Ministerium von Peter Altmaier (CDU) etwa, dass Firmen, die den Fragebogen nicht ausfüllen, als „Nicht-Responder“ registriert werden und damit aus der Bewertung herausfallen. Darüber hinaus soll die Kategorie „Grenzfälle“ geschaffen werden - für Unternehmen, die nach einer „Gesamtwürdigung“ dann doch noch zu den „Erfüllern“ gerechnet werden können. Deren Zahl wollen Kanzleramt und Altmaier offenbar auch steigern, indem Unternehmen, anders als bislang vorgesehen, Schwächen in einem Bereich durch ihre Performance auf einem anderen Feld kompensieren können.

„Germanwatch“ kritisiert Kanzleramt
Bei den zivilgesellschaftlichen Akteuren kommt das gar nicht gut an. „Es ist ein Unding, dass das Kanzleramt auf den letzten Drücker die Methodik des Monitorings weiter verwässern will“, kritisiert Cornelia Heydenreich, Expertin für Unternehmensverantwortung bei Germanwatch. Damit würde das Ergebnis schöngerechnet. Und die Wahrscheinlichkeit steige, „dass mehr als die Hälfte der Unternehmen das Monitoring besteht“.

Auch Armin Paasch von der katholischen Hilfsorganisation Misereor hält die Intervention für ein durchsichtiges Manöver, „um eine gesetzliche Regelung zu vermeiden“. Das Monitoring solle den Anschein erwecken, „dass viele Unternehmen ihre Sorgfaltspflichten wahrnehmen, auch wenn sie gar nichts tun“.

Bundeskanzleramt und Wirtschaftsministerium teilten auf Anfrage der Frankfurter Rundschau beinahe gleichlautend mit: Da die Beratungen zum Bericht von EY innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen seien, könnten „zu diesem Zeitpunkt keine weiteren detaillierten Auskünfte“ gegeben werden. Entschieden werde in einem interministeriellen Ausschuss (IMA) - und zwar im Konsens.

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung: „Zeitalter der Freiwilligkeit hat ein Ende“

Nach Übereinstimmung sieht es im Moment aber gar nicht aus. Dem Vernehmen nach lehnen die ebenfalls im IMA vertretenen und SPD-geführten Ressorts Arbeit und Soziales, Umwelt sowie Justiz die Änderungen ab. Offiziell betonte eine Sprecherin des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf Anfrage, der Koalitionsvertrag sehe vor, „dass sich die Bundesregierung für eine konsequente Umsetzung des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte einsetzt“. Und: „Sollte sich 2020 herausstellen, dass die Freiwilligkeit nicht ausreicht, wird die Bundesregierung gemäß Koalitionsvertrag gesetzlich tätig.“
Bärbel Kofler, die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, ist da schon viel weiter. „Wir brauchen gesetzliche Regelungen, das Zeitalter der Freiwilligkeit hat ein Ende“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete der Frankfurter Rundschau. „Wenn 100 Prozent der deutschen Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gerecht würden, dann bräuchten wir kein Gesetz. Ansonsten besteht eine Schutzlücke, die wir dringend schließen müssen.“

Das sieht man offenbar auch im Bundesentwicklungsministerium von Gerd Müller (CSU) so. Wie jüngst bekannt wurde, liegt dort bereits der Entwurf für ein „Nachhaltiges Wertschöpfungskettengesetz“ auf dem Tisch. Das würde Unternehmen bei ihren Auslandsgeschäften umfassende Risikoabschätzungen vorschreiben und verlangen, Menschenrechtsverletzungen präventiv vorzubeugen.

Genug Zündstoff also für die große Koalition. Für diesen Mittwoch ist nun ein Krisentreffen des interministeriellen Ausschusses anberaumt, in dem das Bundeskanzleramt offiziell nur Beobachterstatus hat, aber doch sehr rührig mitwirkt“ (3.4.2019).

18.03.2019 11:39
Fairness für Whistleblower?
Wer Rechtsverstöße in Unternehmen oder Organisationen offenlegt, lebt gefährlich. Whistleblower riskieren, strafrechtlich verfolgt oder entlassen zu werden. Jetzt hat die EU eine Richtlinie zum Schutz vorgestellt.

Illegaler Handel mit Facebook-Daten, manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Autos, Geldwäsche und Steuerhinterziehung rund um die Panama Papers: Viele Skandale, die in den vergangenen Jahren große Schlagzeilen und zahlreiche Gerichtsverfahren mit sich brachten, wären möglicherweise unentdeckt geblieben, wenn nicht Insider brisante Informationen öffentlich gemacht hätten. Dafür zahlen Hinweisgeber häufig einen hohen Preis, so EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans.

Neue Richtlinie: drei Richtungen

Zum besseren Schutz von Whistleblowern sieht eine neue Richtlinie der EU-Kommission drei Kanäle vor: Zunächst sollen Hinweisgeber intern die Möglichkeit haben, Rechtsverstöße anzuprangern. Dafür müssen Unternehmen und Behörden vertrauenswürdige Kommunikationswege schaffen - zum Beispiel in Form von Ombudsleuten. Die Regeln betreffen alle Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von zehn Millionen Euro. Wenn das Unternehmen auf Beschwerden nicht reagiert, sollen Whistleblower sich an staatliche Kontrollbehörden und Bürgerbeauftragte wenden. Im letzten Schritt sei der Gang an die Öffentlichkeit, über Journalisten und Medien legitim, so Timmermans.

Beweislast beim Unternehmen

In diesen Fällen sollen die Hinweisgeber nicht ihre Entlassung fürchten müssen oder andere Formen der Vergeltung. Kommt es doch dazu, muss das Unternehmen beweisen, dass etwa eine Versetzung oder Gehaltseinbußen nichts mit der Veröffentlichung zu tun haben.
Nicht nur für Angestellte
Dieser Schutz soll nicht nur Angestellten gewährt werden, sondern auch Auftragnehmern, Zulieferern, Praktikanten oder Bewerbern, erklärt Justizkomissarin Vera Jourova. Ein Whistleblower sei der Richtlinie zufolge jeder, der interne Informationen über EU-Rechtsverstöße offenlegt, die der Gesellschaft ernsthaft schaden.
Die neue Richtlinie ist zunächst ein Vorschlag der EU-Kommission. Das Europäische Parlament fordert die neuen Regeln bereits seit langem. Schließlich müssen noch die Staats- und Regierungschefs zustimmen, bevor die Mitgliedstaaten den Schutz der Whistleblower in nationales Recht umsetzen müssen. Soweit Samuel Jackisch, ARD-Studio Brüssel

Was ist vorgesehen?

Klare Mechanismen und Pflichten für Arbeitgeber
Alle Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten oder einem Jahresumsatz von mehr als 10 Mio. EUR müssen ein internes Verfahren für den Umgang mit Meldungen von Hinweisgebern einführen. Auch alle Landes- und Regionalverwaltungen und Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern werden von der neuen Richtlinie erfasst.
Die erforderlichen Schutzmechanismen sollen Folgendes umfassen:
• klare Meldekanäle innerhalb und außerhalb der Organisation, um die Vertraulichkeit zu wahren;
• ein dreigliedriges Meldesystem bestehend aus:
• internen Meldekanälen;
• Meldungen an die zuständigen Behörden – wenn interne Kanäle nicht funktionieren oder nach vernünftigem Ermessen nicht funktionieren können (z. B. wenn die Nutzung interner Kanäle die Wirksamkeit von Untersuchungsmaßnahmen der zuständigen Behörden gefährden könnte);
• Meldungen in der Öffentlichkeit/den Medien – wenn nach der Meldung über andere Kanäle keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden oder wenn eine unmittelbare oder offenkundige Gefährdung des öffentlichen Interesses oder die Gefahr eines irreparablen Schadens besteht.
• Rückmeldepflichten für Behörden und Unternehmen‚ die innerhalb von drei Monaten auf Meldungen von Missständen reagieren und sie weiterverfolgen müssen.
• Vermeidung von Vergeltungsmaßnahmen und wirksamer Schutz: Jegliche Vergeltungsmaßnahmen sind untersagt und sollen geahndet werden. Wenn ein Hinweisgeber Vergeltungsmaßnahmen erleidet, soll er Zugang zu kostenloser Beratung und angemessenen Abhilfemaßnahmen erhalten (z. B. Maßnahmen gegen Belästigung am Arbeitsplatz oder zur Vermeidung einer Entlassung). Die Beweislast wird in solchen Fällen umgekehrt, sodass die von der Meldung betroffene Person oder Organisation nachweisen muss, dass sie keine Vergeltungsmaßnahmen gegen den Hinweisgeber ergreift. Hinweisgeber werden auch in Gerichtsverfahren geschützt, etwa indem sie von der Haftung für offengelegte Informationen befreit werden.
Wirksame Sicherungsmaßnahmen
Mit dem Vorschlag werden verantwortungsvolle Hinweisgeber geschützt, die tatsächlich im öffentlichen Interesse handeln wollen. Daher enthält der Vorschlag auch Sicherungsmaßnahmen, durch die in böser oder missbräuchlicher Absicht getätigte Meldungen unterbunden und Rufschädigungen vermieden werden sollen. Für die von der Meldung eines Hinweisgebers betroffenen Personen gilt die Unschuldsvermutung, und sie haben das Recht auf einen wirksamen Rechtsbehelf, ein faires Verfahren und Verteidigung.

"Aus dem ARD-Studio in Brüssel"

"Verlautbarung der EU-Kommission"

"Was ist Whistleblowing und was kann man tun? Die Hinweise der Fairness-Stiftung"

11.03.2019 10:16
Wie Preise fair sein können
Nach dem „Preis der Gerechtigkeit“ fragt Mark Schieritz in der ZEIT vom 11.3.2019. Und fragt: „Sind Sie der Meinung, dass Ihr Paketbote ordentlich bezahlt werden sollte? Die Erzieherin Ihrer Kinder? Der Pfleger, der sich um Ihre Mutter kümmert? Die meisten Menschen werden auf diese Fragen wahrscheinlich mit Ja antworten. Es ist in der Tat moralisch nicht leicht zu begründen, warum jemand, der einen anderen Menschen pflegt, nur halb so viel verdient wie einer, der am Fließband eine Karosserie zusammenbaut.

Insofern ist es eine gute Nachricht, dass sich die Tarifparteien am Wochenende nach langen Verhandlungen auf einen vergleichsweise kräftigen Anstieg der Löhne im öffentlichen Dienst geeinigt haben. Ausgebildete Pflegekräfte beispielsweise erhalten jetzt bis zu 380 Euro mehr brutto im Monat.

Die Länder müssen daher allerdings etwa sieben Milliarden Euro mehr für Personal ausgeben. Und das Geld fällt nicht vom Himmel, sondern kommt aus dem Haushalt und fehlt damit wieder an anderer Stelle. Womit wir beim Kern der Angelegenheit wären: Wenn Paketboten, Erzieher oder Pfleger anständig bezahlt werden sollen, dann muss das wiederum jemand bezahlen. Und das sind am Ende wir alle. Die Versandgebühren steigen, die Steuern, die Beiträge zur Pflegeversicherung.

Anders gesagt: Wer faire Löhne will, der muss auch faire Preise bezahlen. Deshalb ist die Frage nach dem angemessenen Lohn hochpolitisch. In Wahrheit profitiert ein Teil der Bevölkerung durchaus davon, dass der andere Teil für wenig Geld schuftet und zurzeit nur dank staatlicher Zuschüsse genug zum Leben hat.

Wenn die Gehälter im unteren Einkommensbereich kräftig steigen sollten, dann gäbe es keinen Döner für 3,50 Euro mehr und auch keinen Herrenhaarschnitt für zehn Euro. Dann würden diese Dinge teurer.
Wie das in der Praxis aussieht, kann man sich in der Schweiz anschauen. Dort liegt der Mindestlohn für einen ungelernten Arbeiter im Gastgewerbe umgerechnet bei über 3000 Euro im Monat, dafür ist aber eine Pizza in Städten wie Zürich selten unter 20 Euro zu haben, und ein Restaurantbesuch mit der Familie ist auch für Gutverdiener ein Luxus. Das ist der Preis der Gerechtigkeit“.

Wie wäre es also mit: weniger fliegen, weniger verreisen, weniger Fleisch essen, weniger konsumieren. Und dafür mehr bezahlen zugunsten von Löhnen und Gehältern, von denen die Arbeitenden wirklich leben, ihre Mieten bezahlen und für ihre Rente besser vorsorgen können? Es käme allerdings darauf an, dass die dann erhöhten Preise nicht von den Firmenspitzen abkassiert und den Beschäftigten vorenthalten werden. Wer wird für die Fairness sorgen, wenn es gerechte Preise gibt? Hier trennt sich die Spreu vom Weizen und es bleibt nicht aus, dass jede und jeder von uns sich darum kümmern muss, ob die Firmen, deren Produkte und Dienstleistungen wir in Anspruch nehmen, ihre Beschäftigten fair entlohnen.

"Der Preis der Gerechtigkeit"

"Welche Firma handelt fair?"

01.03.2019 07:44
Abzocke mit Kosmetik für Frauen
Bei Rasierprodukten ebenso wie bei Parfüm: Verbraucherschützer haben erneut "Frauenaufschläge" von teilweise über 100 Prozent auf Drogerieprodukte dokumentiert. Dafür erfanden sie sogar eigens eine Feuchtigkeitscreme.

Selbst bei komplett gleichen Drogerieprodukten zahlen Frauen weiterhin oft einen höheren Preis. Das zeigt eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg. Ihr zufolge waren die Preise bei elf Rasierprodukten aus Drogeriemärkten für die Frauenvariante im Schnitt um 38 Prozent teurer. Die Verbraucherschützer forderten Hersteller und Händler auf, die Preisdiskriminierung von Frauen "in jeglicher Hinsicht zu unterlassen".
Ein Rasierschaum der Marke Isana werde bei Rossmann sogar mit einem Frauenaufschlag von über 100 Prozent verkauft, kritisierten die Verbraucherschützer. Für zwei Eau de Toilette seien in der Stichprobe Aufpreise von 24 Prozent bis 57 Prozent dokumentiert worden.

"Wir haben die Marktstichprobe zum vierten Mal gemacht - und die Preisdifferenz hat sich wenig verändert", bilanzierte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Hersteller und Händler nutzen aus, dass Frauen häufiger als Männer bereit sind, für Pflegeprodukte mehr Geld auszugeben, vor allem, wenn sie sich von der Gestaltung der Verpackungen angesprochen fühlen." Frauen seien dadurch doppelt benachteiligt, weil sie durchschnittlich weniger verdienten als Männer.

Die Verbraucherzentrale erfand zusammen mit der Agentur Serviceplan extra ein Produkt, um Verbraucher auf das Phänomen der "Pink Tax" aufmerksam zu machen. Die Feuchtigkeitscreme wurde an zwei Tagen in einem Pop-Up-Store im Hamburger Schanzenviertel angeboten: unter dem Namen "Deep Care Men" mit blauem, kantigen Schriftzug und unter dem Nahmen "Smooth Sensation Sensitive" mit geschwungenem rosa Schriftzug. Das männliche Produkt kostete 4,90 Euro, das weibliche 6,90 Euro. Die Passanten, die beides testeten, seien "teils sichtlich überrascht" gewesen.

Ungerechte Preise für Männer und Frauen werden schon seit Jahren kritisiert. In einer Studie für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes waren 2017 mehr als 1682 im Wesentlichen identische Produkte für Frauen und Männer verglichen worden. Davon unterschieden sich den Angaben zufolge 3,7 Prozent (62 Produktvarianten) beim Preis - 2,2 Prozent waren für Frauen, 1,4 Prozent für Männer teurer. Der Preisaufschlag lag bei durchschnittlich rund fünf Euro.

Als ein Beispiel für solche Produkte waren baugleiche Rasierklingen mit rosa und hellblauer Verpackung genannt worden. Produktvarianten nach Geschlecht mit Preisunterschied machten jedoch "nur einen geringen Anteil am Gesamtsortiment aus und sind damit nicht prägend für die Konsumausgaben bei Produkten insgesamt", hieß es in der Studie.

"Wie Frauen bei Drogerieartikeln abgezockt werden - Verbraucherzentale warnt"

13.02.2019 11:50
Entwicklungsminister droht deutschen Firmen
Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) droht deutschen Firmen mit empfindlichen Strafen in Deutschland, wenn sie ihre Lieferanten aus Entwicklungsländern nicht zu fairen Arbeitsbedingungen und dem Einhalten von Umweltstandards zwingen. So berichtet das Handelsblatt. "Sein Ministerium bereitet einen entsprechendes „Nachhaltige Wertschöpfungskettengesetz“ vor.

„Das Entwicklungsministerium will sicherstellen, dass Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht in globalen Lieferketten nachkommen“, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Nachfrage.
Ein erster Gesetzentwurf liegt dem Handelsblatt vor. Er droht Unternehmen mit Bußgeldern bis zu fünf Millionen Euro, mit Freiheitsstrafen und dem Ausschluss von öffentlichen Aufträgen in Deutschland, wenn sie bei ihren Lieferanten im Ausland. Menschenrechte nicht durchsetzen. Die Berliner „Tageszeitung“ berichtete zuerst über das Thema.

Müller will die Ziele des „Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte“ durchsetzen. Bisher setzt er dabei auf Freiwilligkeit. Es gibt das „Textilbündnis“, an dem sich die Hälfte der Textilindustrie beteiligt. Auch mit Kakaoproduzenten will das Entwicklungsministerium freiwillig Fairtrade-Bedingungen durchsetzen. Im Dezember drohten allerdings fünf Bundesminister, darunter auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) der Wirtschaft mit einem Gesetz, sollte es bis 2020 keine Fortschritte geben.
„Sollte sich 2020 herausstellen, dass die Freiwilligkeit nicht ausreicht, wird die Bundesregierung gemäß Koalitionsvertrag gesetzlich tätig“, sagte die Ministeriumssprecherin. Damit dies dann sofort geschehen könne, gebe es „vorbereitende Arbeiten“ für das Gesetz, in dem Sorgfaltspflichten der Firmen definiert und ein Compliance-Beauftragter vorgeschrieben werden sollen. Betroffen wären vor allem die Textilindustrie und die Lebensmittelindustrie.

Während Entwicklungsorganisationen das Vorhaben loben, reagierte die FDP empört auf den Plan, minutiös ausgearbeitete Regeln für einzelne Branchen festzuschreiben. „Ein frommer Wunsch, der nicht funktionieren kann“, sagte der FDP-Abgeordnete Christoph Hoffmann. „Handel findet global statt; seine Schwerpunktmärkte liegen längst nicht mehr in Deutschland oder Europa“, sagte er. Es sei daher grundfalsch, ein Sonderrecht nur für deutsche Firmen zu schaffen.

Schlechte Politik statt Dürre – die tatsächlichen Gründe von Hungersnot

Hoffmann fürchtet, dass Müller ein Eigentor schießt: „Die kostenintensive Bürokratie wird das zarte Pflänzchen des Handels mit Entwicklungsstaaten zertrampeln und das Engagement der deutschen Mittelständler angesichts angedrohter Strafen auf Null zurückfahren“, erwartet er. Der Verband Textil + Mode etwa reagierte bereits enttäuscht auf die Drohung mit einem Gesetz: Das untergrabe die Bemühungen der Industrie im Textilbündnis. Eine komplette Kontrolle der Lieferketten durch Firmen im Ausland sei gar nicht möglich.

Hoffmann warf Müller vor, zu wenig Druck auf Regierungen mittels Entwicklungsgeldern auszuüben. „Die Despotenhilfe muss aufhören“, verlangte er. Es gelte, auf europäischer Ebene einen multilateralen Ansatz für Sanktionen zu schaffen, um gute Regierungsführung und Menschenrechte durchzusetzen, verlangte Hoffmann".

"Handelsblatt zu Müllers Drohung"

08.02.2019 11:20
Werden Sie von Algorithmen fair beurteilt?
Von der Kreditvergabe über das Aufspüren von Anschlagsplänen bis hin zu einem Sozialkredit-System in China – Algorithmische Entscheidungssysteme kommen immer öfter zum Einsatz. Sie durchforsten große Datensätze und nehmen Bewertungen vor. Doch welche Rolle spielen Qualität und Fairness?

Wie unterscheiden sich gute und schlechte Algorithmische Entscheidungssysteme? Wie muss ein Rechtsstaat sie gestalten? Um diese Fragen geht es in einem interdisziplinären Forschungsprojekt »FairAndGood ADM« an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK), das im Januar gestartet ist und das das BMBF für zwei Jahre mit rund 316.000 Euro fördert. Ein Team aus Politikwissenschaft, Informatik und Philosophie arbeitet eng zusammen. Prof. Dr. Georg Wenzelburger koordiniert das neue Vorhaben, das der Qualität und Fairness von algorithmischen Entscheidungssystemen auf den Grund geht.

Bis 2020 möchte China ein Sozialkredit-System aufbauen, das die Bevölkerung in allen Lebenslagen bewertet. Erfasst werden sollen etwa Daten zu Kreditwürdigkeit, Kaufverhalten, Arbeitsleistung, Straftaten und Verkehrsdelikten. Algorithmische Entscheidungssysteme, in Fachkreisen auch ADM-systems (Algorithmic decision making systems) genannt, durchforsten dazu riesige Datensätze, in denen Verhaltensmuster von Menschen erfasst sind, und berechnen daraus für jeden Menschen eine Punktzahl als individuelle Bewertung.

Solche Verfahren kommen aber auch anderen Orts zum Einsatz, etwa wenn Banken Kredite vergeben, Sicherheitsbehörden Terroristen überwachen oder wenn Gerichte über vorzeitige Haftentlassungen entscheiden. Gegenüber dem Menschen haben diese Rechenprogramme einen klaren Vorteil: Systematisch durchsuchen sie Unmengen von Daten und spüren relevante Muster auf. Doch genau wie bei Menschen sind manche Systeme besser und andere schlechter darin, genaue Vorhersagen zu treffen.

Aber anhand welcher Qualitätskriterien treffen sie dabei eine Wahl? Woran erkennt man gute AMD-Systeme? Welche Rolle spielt Fairness dabei? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das neue Forschungsprojekt an der TUK. »Während ADM-Systeme zunehmend zur Entscheidung gesellschaftlich relevanter Fragen eingesetzt werden, hinkt die Forschung zu diesen Fragen noch hinterher«, sagt Politikwissenschaftler Professor Dr. Georg Wenzelburger, der das Vorhaben koordiniert. »Unsere Arbeit soll helfen, diesen Rückstand aufzuholen.«

Wenzelburger arbeitet dabei eng mit seinen Forscherkolleginnen Informatik-Professorin Dr. Katharina Anna Zweig und der Philosophin Professorin Dr. Karen Joisten zusammen. Sie werden sich zum einen mit den informatisch-mathematischen Grundlagen befassen, die für solche ADM-Systeme gelten, und unterschiedliche Maße für Qualität und Fairness auswerten. Zudem werden sie diese Verfahren aus ethischer Sicht beleuchten und anhand von Beispielen überprüfen, wie der politische Prozess aussieht, der zu solchen Systemen führt.

»Wenn wir solche Verfahren einsetzen, müssen wir uns über Bewertungsrichtlinien im Klaren sein«, fährt Wenzelburger fort. Das Team um den Kaiserslauterer Politikwissenschaftler wird unter anderem untersuchen, wie die Qualität solcher Systeme gemessen und wie die Fairness bewertet werden kann. Außerdem wird es sich mit den Fragen befassen, wie solche Kriterien beim Design dieser Systeme oder beim Kauf künftig eine Rolle spielen können.

Anhand von Fallbeispielen möchte der Politikwissenschaftler darüber hinaus untersuchen, wie der politische Prozess ausgesehen hat, der zur Entscheidung für das entsprechende ADM-System geführt hat. »Wir wollen klären, wie solche Prozesse aussehen müssen, um der Anforderung eines demokratischen Rechtstaates zu entsprechen«, sagt Wenzelburger. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie in Polen ADM-Systeme in Arbeitsämtern eingesetzt werden. Hier ermittelt ein Algorithmus die Leistungsfähigkeit von Arbeitslosen und errechnet einen Score, der das »Beschäftigungspotential« ausdrücken soll und Personen in drei Kategorien sortiert. Je nach Kategorie unterscheiden sich dann die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die die Person erhalten kann (zum Beispiel Weiterbildungsangebote und so weiter).

"Der Original-Beitrag der TU Kaiserslautern"

21.01.2019 11:29
Überschätzte KI und digitale Krise - künstliche Intelligenz löst keine realen Probleme
Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx hält das Thema Künstliche Intelligenz für ziemlich überschätzt. Es sei "eine Art Fetisch geworden – ein Hype, der gefährliche Illusionen schafft", sagte der Soziologe und Leiter des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Die meisten realen Probleme sind viel zu komplex und "lebendig", als dass sie von Datensystemen gelöst werden können." Das gelte auch fürs autonome Fahren.

Es sei Zeit für eine "digitale Ehrlichkeit": "Computer und Roboter können weder die Pflege regeln, noch Armut mildern, noch den Verkehr entstauen. Dazu brauchen wir intelligentere soziale, humane Systeme."

Digitale Krise
Die Social-Media-Kanäle sieht Horx in einer digitalen Krise. "Die sozialen Medien machen Menschen süchtig nach sozialer Bestätigung. Der "Like"-Button wirkt auf die Seele etwa so wie Zucker auf den Organismus", sagte er. "Aber das sind leere seelische Kalorien. Sein Leben auf dem Netz auszubreiten, führt irgendwann zu einem Selbstdarstellungs-Narzissmus, der schnell in Depression und Selbstzweifel umkippt."
Hinzu kämen in den Sozialen Netzwerken Hass und Angriffe auf die Demokratie. "Deshalb verlieren Facebook und Co. derzeit viele Millionen Nutzer. Der Höhepunkt der digitalen Illusion ist überschritten, jetzt geht es um eine neue Phase, eine humanistische Digitalisierung", sagte Horx.

Radikale Ehrlichkeit und positive Faszination-Themen

Der Forscher sieht auch einen Trend zur radikalen Ehrlichkeit. Firmen versuchten, radikal ehrlich mit sich selbst und ihren Mitmenschen umzugehen. "Dazu gibt es bereits eine gleichnamige Psychologiebewegung, aber auch in den Firmenstrategien wird der Trend sichtbar, besonders nach den Erfahrungen mit den Banken und dem Dieselskandal. Immer mehr Firmen überprüfen ihre ökologische, kommunikative, substanzielle Glaubwürdigkeit. Weil sie sonst schweren Schiffbruch erleiden", befand Horx. Als Beispiele nannte er die Deutsche Bank oder VW. "Ehrlichkeit ist aber wahnsinnig schwer, weil wir den ganzen Tag damit beschäftigt sind, uns selbst und anderen etwas vorzumachen."

Horx hofft nach eigener Aussage darauf, dass im neuen Jahr statt "Hysterie- und Populismus-Themen wie "Terror/Armut/Migration"" positive Faszinations-Themen hervorkommen. "Im Jahr 2019 jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal. Ich kann mir vorstellen, dass eine neue Weltraumsehnsucht aufkommt, ein Space Age 2.0. Menschen suchen wieder den Weg ins Offene", sagte er.

Lust auf Veränderung
Der sehr heiße Sommer 2018 habe vielen Menschen klargemacht, dass die globale Erwärmung etwas in deren Leben verändere. "Vor allem Jüngere sind heute änderungsbereiter denn je, was Ernährung, Lebensstil und Mobilität betrifft", sagte Horx. "Und sie haben auch Lust auf diese Veränderung, nicht nur Angst oder Unwille. Es wird in den nächsten Jahren eine neue Jugendrevolte mit ökologischen Themen geben."
Der Zukunftsforscher sieht zudem eine Bewegung in Richtung Landleben: "Das ist die progressive Provinz: Nach dem Trend in die Städte geht es in der nächsten Phase wieder zurück aufs Land, in Regionen, die sich weltoffen und kreativ zeigen", sagte er.

Zur Person: Matthias Horx (63) ist Soziologe, Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum und Dozent für Trend- und Zukunftsforschung an mehreren Universitäten

15.01.2019 10:39
Tierwohl Premium ist eine Mogelpackung - Ärger über Politik von Julia Klöckner und Lebensmittelhandel
Die großen Bio-Verbände sehen sowohl die neue Fleisch-Kennzeichnung des Einzelhandels als auch das geplante staatliche Tierwohl-Label kritisch. Alicia Lindhoff, Redakteurin der Frankfurter Rundschau schreibt dazu:

"Am Wochenende hatte der Lebensmitteleinzelhandel angekündigt, ab April dieses Jahres flächendeckend ein vierstufiges System zur Kennzeichnung von Haltungsbedingungen einzuführen. Künftig soll ein kompassartiges Label auf allen Fleischprodukten von Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe anzeigen, aus welcher Haltungsform das Fleisch stammt. Das von der „Initiative Tierwohl“ der Lebensmittelbranche entwickelte Stufensystem reicht von „Stallhaltung“ (rot) bis zu „Premium“ (grün). Unter letztere sollen auch alle Bio-Produkte fallen.

Mit Blick auf ‚Tierwohl‘ sind die Vorschläge der Landwirtschaftsministerin, die jetzt auf dem Tisch liegen, eine Mogelpackung. Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Das ärgert uns“, sagt „Bioland“-Sprecher Gerald Wehde. „Damit kommen wir in diesem Kennzeichnungssystem praktisch nicht vor.“ Denn die Kriterien für die sogenannte „Premium“-Stufe lägen deutlich unter den Bio-Standards. So hätten beispielsweise Schweine in der Bio-Landwirtschaft 50 Prozent mehr Platz, als bei der „Premium“-Stufe des Einzelhandels gefordert sei, ergänzt Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Außerdem sorge Bio nicht nur für das Tierwohl, sondern auch für Umwelt und Gesundheit. Enttäuschend findet Bioland-Sprecher Wehde die Regelung auch deswegen, weil zu einem früheren Zeitpunkt geplant gewesen sei, eine der vier Kategorien ausschließlich für Bio-Produkte zu öffnen.
Verärgert sind die Verbände zudem darüber, dass es dem Bundeslandwirtschaftsministerium auch zwei Jahre nach den ersten Vorstößen nicht gelungen ist, ein staatliches Tierwohl-Label auf den Weg zu bringen.

Zur jüngsten Meldung, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe sich mit einer Reihe von Verbänden „weitgehend“ auf Kriterien für ein solches Label geeinigt, sagt BÖLW-Geschäftsführer Röhrig: „Mit Blick auf ‚Tierwohl‘ sind die Vorschläge der Landwirtschaftsministerin, die jetzt auf dem Tisch liegen, eine Mogelpackung.“
Bioland-Sprecher Wehde moniert, sowohl der Einzelhandel als auch das Landwirtschaftsministerium belohnten durch ihre Kriterien bereits solche Betriebe, die für ihre Tiere nur minimal mehr täten als es die gesetzlichen Mindeststandards vorgäben: „Dabei müsste etwa in der Schweinehaltung mindestens 40 Prozent mehr Platz und ein Verbot des Schwänzeabschneidens vorgegeben sein.“ Wenn die Bundesregierung ihr eigenes Ziel, 20 Prozent Ökolandbau zu erreichen, ernst nehmen würde,müsste sie Bio als besten Teil des Labels separat kennzeichnen.

Die Bio-Verbände kritisieren außerdem, dass Klöckner den Herstellern freistellen will, ob sie ab 2020/21 am staatlichen Tierwohl-Label teilnehmen wollen. Sie fordern eine Kennzeichnungspflicht wie sie etwa für Eier gilt".

"Der Beitrag in der Frankfurter Rundschau am 15.1.2019"

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