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15.01.2019 10:39
Tierwohl Premium ist eine Mogelpackung - Ärger über Politik von Julia Klöckner und Lebensmittelhandel
Die großen Bio-Verbände sehen sowohl die neue Fleisch-Kennzeichnung des Einzelhandels als auch das geplante staatliche Tierwohl-Label kritisch. Alicia Lindhoff, Redakteurin der Frankfurter Rundschau schreibt dazu:

"Am Wochenende hatte der Lebensmitteleinzelhandel angekündigt, ab April dieses Jahres flächendeckend ein vierstufiges System zur Kennzeichnung von Haltungsbedingungen einzuführen. Künftig soll ein kompassartiges Label auf allen Fleischprodukten von Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe anzeigen, aus welcher Haltungsform das Fleisch stammt. Das von der „Initiative Tierwohl“ der Lebensmittelbranche entwickelte Stufensystem reicht von „Stallhaltung“ (rot) bis zu „Premium“ (grün). Unter letztere sollen auch alle Bio-Produkte fallen.

Mit Blick auf ‚Tierwohl‘ sind die Vorschläge der Landwirtschaftsministerin, die jetzt auf dem Tisch liegen, eine Mogelpackung. Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Das ärgert uns“, sagt „Bioland“-Sprecher Gerald Wehde. „Damit kommen wir in diesem Kennzeichnungssystem praktisch nicht vor.“ Denn die Kriterien für die sogenannte „Premium“-Stufe lägen deutlich unter den Bio-Standards. So hätten beispielsweise Schweine in der Bio-Landwirtschaft 50 Prozent mehr Platz, als bei der „Premium“-Stufe des Einzelhandels gefordert sei, ergänzt Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Außerdem sorge Bio nicht nur für das Tierwohl, sondern auch für Umwelt und Gesundheit. Enttäuschend findet Bioland-Sprecher Wehde die Regelung auch deswegen, weil zu einem früheren Zeitpunkt geplant gewesen sei, eine der vier Kategorien ausschließlich für Bio-Produkte zu öffnen.
Verärgert sind die Verbände zudem darüber, dass es dem Bundeslandwirtschaftsministerium auch zwei Jahre nach den ersten Vorstößen nicht gelungen ist, ein staatliches Tierwohl-Label auf den Weg zu bringen.

Zur jüngsten Meldung, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe sich mit einer Reihe von Verbänden „weitgehend“ auf Kriterien für ein solches Label geeinigt, sagt BÖLW-Geschäftsführer Röhrig: „Mit Blick auf ‚Tierwohl‘ sind die Vorschläge der Landwirtschaftsministerin, die jetzt auf dem Tisch liegen, eine Mogelpackung.“
Bioland-Sprecher Wehde moniert, sowohl der Einzelhandel als auch das Landwirtschaftsministerium belohnten durch ihre Kriterien bereits solche Betriebe, die für ihre Tiere nur minimal mehr täten als es die gesetzlichen Mindeststandards vorgäben: „Dabei müsste etwa in der Schweinehaltung mindestens 40 Prozent mehr Platz und ein Verbot des Schwänzeabschneidens vorgegeben sein.“ Wenn die Bundesregierung ihr eigenes Ziel, 20 Prozent Ökolandbau zu erreichen, ernst nehmen würde,müsste sie Bio als besten Teil des Labels separat kennzeichnen.

Die Bio-Verbände kritisieren außerdem, dass Klöckner den Herstellern freistellen will, ob sie ab 2020/21 am staatlichen Tierwohl-Label teilnehmen wollen. Sie fordern eine Kennzeichnungspflicht wie sie etwa für Eier gilt".

"Der Beitrag in der Frankfurter Rundschau am 15.1.2019"

09.01.2019 11:35
Doxxing, Doxing, Sexting und Grooming: Unfaire Attacken im Cyberspace
Ein neuer Begriff Doxxing, auch Doxing, macht von sich Reden. Im Gegensatz zu Leaks von Whistleblowern wie dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden geht es beim "Doxxing" (auch "Doxing" geschrieben) um personenbezogene Daten. Die Betroffenen sollen im Netz vorgeführt werden. Außerdem wollen die Täter einen Missbrauch der Daten ermöglichen. Doxxing, auch doxing, ist das internetbasierte Zusammentragen und anschließende Veröffentlichen personenbezogener Daten, zumeist mit bösartigen Absichten gegenüber den Betroffenen. Zum Teil geht damit auch die Identifikation von anonymen Personen einher. Die Gründe für das Doxing können unterschiedlicher Natur sein, darunter etwa Selbstjustiz, öffentliches Bloßstellen sowie Belästigung. Personen, die vom Doxing betroffen sind, sind oft Folgeattacken ausgesetzt, basierend auf den veröffentlichten Daten.

Beim "Doxxing" (von engl.: dox, Abkürzung für documents, dt.: Dokumente) werden möglichst viele private Informationen wie Kreditkartennummern, Scans von Ausweisdokumenten, vertrauliche Privatadressen oder Handynummern illegal abgefischt und dann online gestellt. In den USA spielt dabei auch die Sozialversicherungsnummer eine entscheidende Rolle, weil diese wiederum Tür und Tor für alle möglichen Betrugsattacken eröffnet.
Wer die vertraulichen Dokumente und Informationen ins Netz gestellt hat, lässt sich im Regelfall nicht ermitteln. Im Web stehen etliche Dienste wie Pastebin, Box.com oder Megaupload zur Verfügung, die anonym oder mit einem Pseudonym genutzt werden können.

Es ist davon auszugehen, dass Doxxing stark zunehmen wird. Es gilt als probates Mittel des Angriffs nicht nur gegen unbeliebte Oppositionelle im politischen Raum, wo es gezielt eingesetzt wird, sondern auch im Rahmen von privatem Mobbing oder Stalking. Die Mehrheit der Doxxing-Fälle ist bislang eher privater Natur. Es geht gegen Menschen, die man nicht mag, die man ihre Meinung oder ihr Verhalten übelnimmt, oder Stars und Sternchen, denen man ihren Ruhm neidet. Im politischen Raum geht es vor allem gegen progressiv und feministisch denkende Menschen. Es dient der Einschüchterung und der Beschränkung der Meinungsfreiheit.

Zum Cyberspace gehört auch als Variante des Cyber-Mobbing das Sexting. Unter Sexting ist die private Verbreitung erotischen Bildmaterials vom eigenen Körper über Mobiltelefone, insbesondere Smartphones, zu verstehen. Das aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammende Verbundwort setzt sich aus Sex und texting (engl. etwa: „Kurzmitteilungen verschicken“) zusammen. Sexting erfolgt bei Teenagern und jungen Erwachsenen durch Fototausch. Häufig wird zur Verbreitung Snapchat benutzt, eine Instant-Messaging-Anwendung für Smartphones und Tablets. Die mit ihr verschickten Fotos sollen nur eine bestimmte Anzahl an Sekunden sichtbar sein und sich dann selbst zerstören. Es ist jedoch mit relativ einfachen Mitteln möglich, versendete Dateien innerhalb der Ordnerstruktur des genutzten Gerätes zu finden und wiederherzustellen.

Cyber-Grooming gehört zum Internet basierten Stalking und fällt damit unter unfaire Attacken jenseits lauterer Absicht. Mehr dazu unter
"Cyber-Grooming als Variante von Stalking im Internetzeitalter"

https://www.fairness-stiftung.de/Shaming.htm" class="FSLinkorText">"Doxxing, Doxing als Cyber-Shaming" - Bloßstellen im Internet
https://www.fairness-stiftung.de/Shaming.htm

04.01.2019 12:10
Johannes Hans A. Nikel ist tot - wir trauern um ihn
Dr. Johannes Hans A. Nikel, Gründungsmitglied unseres Kuratoriums, ist am 28.12.2018 mit 88 Jahren gestorben. Er war 15 Jahre, bis zu seinem 85. Geburtstag im Kuratorium eine inspirierende, zuversichtliche, engagierte und kritische Persönlichkeit. Er hat stets an die Notwendigkeit und das Wirken der Fairness-Stiftung geglaubt und ist durch sein eigenes Leben in den verschiedenen Phasen seines Wirkens für Fairness eingetreten.

Dr. Johannes Hans A. Nikel, geboren 1930, studierte Soziologie und Philosophie in Frankfurt am Main. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Nach journalistischer Ausbildung bei der "Süddeutschen Zeitung" wurde er 1949 Redakteur für Politik bzw. Kultur bei der "Frankfurter Rundschau"; er war auch Freier Mitarbeiter bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und dem "Hessischen Rundfunk".
Er gründete den eigenen Verlag Bärmeier & Nikel sowie eine Druckerei. Er war Verleger und Herausgeber zahlreicher Bücher mit Autoren von Erich Kästner über Alexander Mitscherlich bis Gerhard Zwerenz.

Zusammen mit Hans Hermann Köper war er Initiator und Begründer der Kriegsdienstverweigerung in der Bundesrepublik Deutschland, und stellvertretender Bundesvorsitzender. Er sorgte für den Aufbau von Beratungsstellen und für die Öffentlichkeitsarbeit zum "Kampf dem Atomtod".

Er war Mitherausgeber und -inhaber der Verbraucherzeitschrift "DM", einem Vorläufer von kritischen Wirtschafts- und Verbraucherzeitschriften. Zusammen mit Erich Bärmeier konstituierte er die Deutsche-Verbraucher-Vereinigung; sie war Anstoß zur Gründung der Verbraucherzentralen und der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände.

1962 Gründung der literarisch-satirischen Zeitschrift "Pardon". Nikel war bis 1980 deren Verleger, Herausgeber und Chefredakteur (mit 320 Tsd. Verkauften Exemplaren in der Spitze), die er 1980 verkaufte. Goldmedaille des Art Directors Club.

Dr. Nikel war Jury-Mitglied und Präsident verschiedener Grafik- und Cartoon-Biennalen bzw. Ausstellungen. 1980 Aufnahme eines Philosophie- und Kunst-Studiums, 1983 Promotion über Meister Eckhart. Beginn der Arbeit als Künstler und Bildhauer. Es entstehen über 130 Bronzeskulpturen und -plastiken. 1998 große Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Hans Eichel und der Laudatio des Kultusministers unter Beteiligung zahlreicher prominenter Schriftsteller, Dichter, Philosophen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Dr. Johannes Hans A. Nikel hat die Medaille für den Deutschen Fairness Preis geschaffen, die durch die "Fairness-Stiftung" von 2001 bis 2015 verliehen wurde.

Die Fairness-Stiftung wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Wir verneigen uns vor einem großen Mann der deutschen Zeitgeschichte, der Geschichte geschrieben hat und der aus seinem rebellischen Geist für viele Aktionen, Ideen und Engagements geschöpft hat – nicht immer angenehm für die Betroffenen, aber häufig zugunsten von kulturellem, politischem, künstlerischem und sozialem Fortschritt.

"Die von Dr. Nikel geschaffene Medaille für den Deutschen Fairness Preis 2001 bis 2015"

"Nikels Kunstwerke in seiner eigenen Galerie"

"Dr. Nikel als Laudator und Kuratoriumsmitglied für Abgeordnetenwatch bei der Verleihung des Fairness-Initiativpreis 2010"

"Zu Leben und Werk von Dr. Johannes Hans A. Nikel"

02.01.2019 10:40
Warum YouTube und Google lügen und mehr Fairness verhindern
EU-Grünenpolitikerin Helga Trüpel wirft YouTube und Google vor, eine Kampagne gegen die Reform des Urheberrechts zu fahren. Was sind die Hintergründe?

Frau Trüpel, stimmt es, dass Fußball-Fans bald keine Videos aus den Stadien mehr im Internet teilen dürfen?
Trüpel: Nein, das ist falsch.

YouTube behauptet, sein Angebot müsse bald abgeschaltet werden.
Trüpel: Das ist Blödsinn. YouTube wehrt sich gegen sogenannte Upload-Filter, mit denen Urheberrechtsverstöße verhindert werden sollen. Dabei haben Unternehmen wie Facebook diese seit zehn Jahren im Einsatz.

Aber Upload-Filter verhindern doch angeblich, dass Satire oder Parodien hochgeladen werden können?
Trüpel: Das ist Unfug. Im Übrigen haben es die zeitweise diskutierten Upload-Filter nie in die Vorlage geschafft.

Sie werden also nicht mehr gefordert?
Trüpel: Nein. Die Betreiber der Plattformen sind zwar verantwortlich dafür, dass ihre Inhalte ordentlich lizenziert werden. Wie sie das machen ist ihre Sache. Da gibt es viele Möglichkeiten. Von Upload-Filtern ist im Gesetzestext keine Rede mehr.

Warum brauchen wir denn eine Reform des digitalen Urheberrechtes?
Trüpel: Wir müssen dafür sorgen, dass das Internet nicht nur frei bleibt, sondern auch fair wird. Die digitale Revolution hat dazu geführt, dass Millionen von Songs, Bildern, Videos und Texten ins Internet hochgeladen werden, ohne dass deren Urheber etwas davon haben. Wir wollen und müssen diese Urheber schützen, weil es sonst nämlich niemanden mehr geben wird, der seine Werke anbietet.

Die Gegner sprechen dennoch von einer Zensur.
Trüpel: Die Angstkampagnen von YouTube und Google stecken voller Halbwahrheiten und Lügen. Die Reform wird nicht zur Zensur führen, sondern zur Lizenzierung. Anders gesagt: Wir wollen die Meinungsvielfalt im Netz sicherstellen, damit Künstler und Schaffende künftig auch von ihren Beiträgen leben können.

Warum sind die Konzerne dann so erbittert gegen die Pläne der EU?
Trüpel: Das Geschäftsmodell von Google, Facebook und anderen basiert darauf, dass sie gigantische Werbeeinnahmen mit Inhalten erzielen, die sie selbst nicht geschaffen haben. Die Reform soll dafür sorgen, dass ein angemessener Teil dieser Einnahmen denjenigen zugutekommt, die die Inhalte erstellen.

Mit der Reform wird auch die Position der Zeitungsverlage gestärkt.
Trüpel: Der Artikel elf soll sicherstellen, dass Presseverleger ihre Rechte für die kommerzielle Nutzung von Ausschnitten von Artikeln bei den News-Seiten-Betreibern durchsetzen können. Dazu müssen die Internet-Konzerne Lizenzverträge mit den Rechteverwertern abschließen. Auf diesem Wege profitieren auch die Autoren der Beiträge davon. Und das ist nur fair.

Das Interview führte Detlef Drewes, Korrespondent Brüssel der Augsburger Allgemeinen.

30.12.2018 12:00
2019
Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins Neue Jahr,, stärkende und ermutigende Erfahrungen sowie allzeit ein Lächeln im Herzen! *****

Ihre Fairness-Stiftung ******
Dr. Norbert Copray und
Jutta Schmidt M.A. (Leitung)

21.12.2018 14:18
UN sieht soziale Situation in Deutschland kritisch
Die Vereinten Nationen sehen in Deutschland die Menschenrechte der Schwächsten unserer Gesellschaft verletzt. Explizit benannt werden Alte, Alleinerziehende und Arme. „Beschämend“ finden das die Sozialverbände.

Der UN-Sozialrat wirft Deutschland starke Mängel bei der Umsetzung der sogenannten sozialen Menschenrechte vor. Ein Beispiel: Zahllose ältere Menschen lebten „unter entwürdigenden Bedingungen“, unter anderem in bestimmten Pflegeheimen.

Nachzulesen ist dies im neuen Staatenbericht des Gremiums, aus dem vorab unter anderem die „Neue Osnabrücker Zeitung“ zitiert. Wie schon im Report vor fünf Jahren wird die Deutsche Regierung angemahnt, „unverzüglich“ mehr Geld für die Ausbildung von Pflegern bereitzustellen sowie Pflegeheime „häufiger und gründlicher“ zu kontrollieren.

Doch nicht nur die Lage vieler alter Menschen sei prekär, sondern auch die von Kindern und Niedriglöhnern, heißt es weiter. Laut dem Dokument des Ausschusses für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte lebten in Deutschland 2,55 Millionen Kinder (knapp 20 Prozent) in Armut, der Großteil von ihnen bei nur einem Elternteil.

Das Gremium beklagt insbesondere mangelnde Informationen und bürokratische Hürden, die verhinderten, dass Eltern die ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch nehmen. Überdies bezweifelten die Experten, dass die Leistungen vom Kindergeld über Kinderzuschlag bis zum Teilnahmepaket ausreichten, „um den grundlegenden Bedarf zu decken“.

Der Sozialrat befürchte zudem, „dass die Höhe der Grundsicherung nicht ausreicht, um den Empfängern und ihren Familien einen ausreichenden Lebensstandard zu ermöglichen“. Gefordert werde eine Anhebung der Grundsicherung sowie ein Stopp von Leistungskürzungen bei Pflichtverletzungen von Hartz-IV-Empfängern.

„Das Existenzminimum muss erhalten bleiben“, zitiert die Zeitung aus dem Report. Besorgt seien die Autoren auch darüber, dass 1,2 Millionen Beschäftigte trotz Jobs auf Sozialleistungen angewiesen seien. Sie forderten einen höheren Mindestlohn.

Auch zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung macht der Ausschuss einige Anmerkungen. Unter anderem empfiehlt er, sicherzustellen, dass subsidiär Schutzberechtigte ihre Familie nachholen können, „auch durch Aufhebung der Begrenzung von 1000 Personen je Monat“. Zudem solle der Prozess des Familiennachzugs verbessert werden, etwa durch gestraffte Verfahren und den Abbau „praktischer und administrativer Hürden“.

Das Bundesarbeitsministerium antwortete auf die Vorwürfe und eine entsprechende Anfrage der Linke-Politikerin Sabine Zimmermann. Der Ausschuss habe in seinen Bemerkungen „keine Menschenrechtsverletzungen“ festgestellt, sondern gebe nur Empfehlungen zur Umsetzung des internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ab. Diese nehme die Bundesregierung „sehr ernst“. Im Januar sei ein erstes Treffen im Arbeitsministerium mit zivilgesellschaftlichen Gruppen geplant, um sich über die Umsetzung auszutauschen.

11.12.2018 14:15
Wie krass unfair sind Spielzeuge?
Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, haben sich die Arbeitsbedingungen nicht verbessert, die die Arbeiterschaft bei der Spielzeugherstellung seit Jahrzehnten erleiden muss. Entscheidend ist, dass viele Elemente der Spielzeuge, selbst wenn sie in Europa hergestellt werden, aus China kommen: „Am ersten Arbeitstag kam der Schichtleiter auf die neuen Mitarbeiterinnen zu und gab ihnen Formulare zum Unterschreiben – „beeilt Euch damit!“ Sie sollten bestätigen, an einer Brandschutzschulung teilgenommen zu haben – obwohl es so eine Übung nie gegeben hatte. Stattdessen fing ohne weitere Ausbildung das Schuften an der Spritzgussmaschine an: ohne Atemmaske oder sonstige Sicherheitsausrüstung. „Der Kunststoff verströmt einen beunruhigenden Geruch, wenn er erhitzt wird“, berichten Mitarbeiter aus der Fabrik Loveable Products in der südchinesischen Industriestadt Dongguan. Die stechend riechenden Lösungsmittel wiederum, die beim nächsten Arbeitsschritt zum Einsatz kommen, reizen die Haut. Handschuhe gibt es aber nur auf ausdrückliche Nachfrage beim Chef. Dafür kratzt der Lohn mit rund 500 Euro im Monat auch in China am Existenzminimum.

Loveable Products ist kein Einzelfall, wie aus verdeckten Ermittlungen der Arbeitsrechtsorganisation China Labour Watch zusammen mit der Christlichen Initiative Romero (CIR) in Nürnberg hervorgeht. Freiwillige Helfer der Organisation haben in den vergangenen Monaten in mehreren südchinesischen Spielzeugfabriken angeheuert, um ihre Erfahrungen vor Ort zu dokumentieren. Das Ergebnis: Auch deutsche Markenanbieter wie Ravensburger und Schleich lassen weiter bei Partnern in China herstellen, die sich nicht an alle örtlichen Regeln zu Arbeiterrechten und Arbeitsschutz halten. „Die Spielwarenindustrie hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt“, sagt Maik Pflaum von der CIR. „Das Bewusstsein für die Bedingungen, unter denen das Spielzeug fürs Weihnachtsfest entsteht, ist noch viel zu gering ausgeprägt.“

Die Markenanbieter versuchen stattdessen vor allem, die Preise zu drücken. Dazu spielen sie die ostasiatischen Fabriken gegeneinander aus. „Die Unternehmen sehen ihre Verantwortung nicht“, sagt Studien-Initiator Pflaum. Er fordert die Unternehmen auf, auf einen kleinen Teil ihrer Margen zu verzichten, damit das Spielzeug mit gutem Gewissen Freude bereiten kann.

Die Hersteller verweisen derweil auf ihre Bemühungen, hohe Standards auch bei den Auftragsherstellern sicherzustellen. Ravensburger bestätigt, bei Loveable Products produzieren zu lassen – allerdings nur weniger als zwei von tausend Spielzeugen im Programm. Die meisten Waren des Unternehmens kommen aus Ravensburg und einem Werk in Tschechien, nur rund zehn Prozent stammt aus China. Viele Plastikteile lassen sich praktisch nur in Fernost beziehen, sagt ein Sprecher.

Außerdem ziehen die Marken sich hinter selbst gegründete Organisationen zurück, die in Asien die Arbeitsbedingungen überwachten sollen. Auch der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie verweist auf große gemeinsame Anstrengungen, um hohe Standards sicherzustellen. Die Weltvereinigung der Spielwarenhersteller ICTI nimmt derweil zu dem aktuellen Report Stellung: Er begrüße jede unabhängige Überprüfung und werde berechtigter Kritik sofort nachgehen. Tatsächlich tragen drei der vier Fabriken, die CRI jetzt wegen Regelverstößen anprangert, das Gütesiegel von ICTI. „Die Fälle belegen einmal mehr, wie wirkungslos ein Ansatz ist, der allein auf Fabrikkontrollen basiert“, kommentiert Pflaum.

Die Zulieferstrukturen der Hersteller sind zum Teil sehr kompliziert. Schleich beispielsweise lässt die bekannten Tierfiguren außer am Stammsitz in Schwäbisch Gmünd und in China auch in Portugal, Tschechien, Bosnien, Moldawien, Rumänien und Tunesien fertigen. Mit Loveable arbeite das Unternehmen bereits seit vielen Jahren zusammen, sagt eine Sprecherin.

Wesentlich deutlicher fällt die Kritik derweil an den US-Großkonzernen Disney, Hasbro und Fisher-Price aus. In der Fabrik Wah Tung Toy Products in der Stadt Heyuan sind fehlende Schulungen und laxer Umgang mit Chemikalien ebenfalls ein Problem – doch schlimmer ist aus Sicht der Arbeiterinnen die magere Bezahlung. Sie erhalten auch mit exzessiven Überstunden nur zwischen 300 und 550 Euro Lohn im Monat. Von den 33 Euro, die eine singende Arielle-Badespaß-Puppe in Deutschland kostet, geht nur ungefähr ein Cent an die Arbeiterin in China. „Disney legt den größten Wert auf die Einhaltung aller arbeitsrechtlichen Bestimmungen“, teilte das Unternehmen dazu mit".

Die europaweite Kampagne „Spielsachen fair machen!“ der österreichischen NGO Südwind setzt sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in China ein. Ihre Forderungen reichen vom Recht auf Versammlungsfreiheit für die chinesischen Arbeiter bis zur Offenlegung der Zuliefererketten von Unternehmen. „Unsere Petition an Mattel haben bisher 10.000 Konsumenten unterschrieben. Die großen Spielzeugfirmen setzen chinesische Zulieferbetriebe mit ihrer Einkaufspolitik unter enormen Zeitdruck“, sagt Claudia Bonk, die Leiterin des Projekts.
Chinesische Firmen würden in extrem kurzen Zeiträumen eine große Anzahl an Spielzeug produzieren müssen –, was den Stress der Arbeiter wesentlich erhöhe. Denn wer die Produktionsquote nicht erfüllt, muss mit Lohnabzügen zwischen ein und fünf Euro rechnen. Die Kampagne wendet sich auch gegen den internationalen Spielzeugverband ICTI, der auch für die Zertifizierungen von chinesischen Spielzeugfabriken zuständig ist.

ICTI hat einen Verhaltenskodex für die gesamte Spielzeugbranche entwickelt. Doch bei einer Recherche der NGO Sacom in zwei Spielzeugfabriken wurden trotz Zertifizierung schwere Verstöße gegen die Richtlinien und allgemein anerkannte Menschen- und Arbeitsrechte festgestellt.

Yang Yu arbeitete fünf Jahre in einer chinesischen Spielzeugfabrik. Die junge Frau, die ihren richtigen Namen nicht verraten möchte, ist im Alter von 16 Jahren aus ihrem Heimatdorf in der chinesischen Provinz Hubei in die Stadt gezogen. „Ich habe einen älteren Bruder – meine Eltern hatten nicht genug Geld, um uns beiden eine Ausbildung zu ermöglichen“, sagt sie. Yang habe elf bis zwölf Stunden pro Tag am Fließband gearbeitet. Ihr Lohn schwankte zwischen umgerechnet 120 Euro und 250 Euro im Monat – je nach Saison. „Überstunden waren verpflichtend. Von einer Gewerkschaft hatten wir noch nie etwas gehört.“ Pausen gab es kaum, wer zu oft die Toilette besuchte, wurde ermahnt. Dann drohten Lohnkürzungen oder auch Entlassungen. Kontrollen von außerhalb – auch von der Firma Mattel – gab es zwar. „Doch die wurden angekündigt. Dann gab es eine Versammlung, bei der wir Musterantworten auf anfallende Fragen auswendig lernen mussten“, sagt Yang. Oft wurden Arbeiter bei Kontrollen auch angewiesen, Chemikalien zu verstecken. Mattel will offiziell nicht Stellung nehmen, vielmehr streitet das Unternehmen die Vorwürfe ab.

"Spielsachen fair machen - Eine lohnenswerte Kampagne mit Info, Grafik und Material"

04.12.2018 15:31
Was Beschäftigte für 2019 wichtig finden
Angesichts mancherorts vorhandener Vollbeschäftigung müssen einige Fragen zur Arbeitswelt neu oder erneut gestellt werden. Was ist den Beschäftigten in ihrem Beruf und an ihrem Arbeitsplatz am Wichtigsten? Wie ist das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Arbeit? Was treibt sie an? Wie stehen sie zu ihren Chefs? Ist die Möglichkeit, in Teilzeit arbeiten zu können, inzwischen besonders wichtig? Denken die Jungen darüber anders als die Älteren? Kurz: Was beschäftigt die Beschäftigten mit Blick auf 2019?

Zusammengefasst ergibt sich aus einer repräsentativen Umfrage 2018 mit Blick auf 2019 folgendes Bild:

„1. Das Wohlfühlen am Arbeitsplatz, die Arbeitsplatzsicherheit und die Zukunftsfähigkeit ihres Berufs sind erwerbstätigen Deutschen besonders wichtig.

2. Möglichkeiten zur Weiterbildung, die Unterstützung durch Vorgesetzte und die Einarbeitung in moderne Technik sind wichtige Anliegen, mit denen man im Vergleich weniger zufrieden ist.

3. Neue Ideen für die Arbeitswelt sind für Erwerbstätige derzeit nicht sehr wichtig, so die Option, berufliche und private Dinge zu verbinden. Vielmehr wollen sie in ihrer Freizeit nicht mit beruflichen Angelegenheiten behelligt werden.

4. Sabbaticals, Sportangebote, ein gesundes Kantinenangebot sind (noch) wenig relevant. Bei den jungen Erwerbstätigen zeigen sich hier allerdings erste Veränderungen.

5. Auch wenn die Unterstützung von Vorgesetzten bei der Weiterentwicklung bemängelt wird, sind die Erwerbstätigen mit der zwischenmenschlichen Beziehung zueinander weitgehend zufrieden.

6. Bei den jungen Erwerbstätigen zwischen 25 und 34 Jahren, die ihre Berufskarriere starten steht die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit an erster Stelle. Daneben erwarten sie Anerkennung, Unterstützung und Weiterbildungsmöglichkeiten.

7. Erwerbstätige zwischen 35 und 44 Jahren sorgen sich um ihr Fortkommen. Sie wollen sich weiterbilden, in moderne Technik eingearbeitet werden und erwarten dabei die Unterstützung durch Vorsetzte.

8. Leitende Angestellte wünschen sich die Einarbeitung in moderne Technik, die Unterstützung von Vorgesetzten und eine bessere Verteilung der Arbeit. Sie haben auch die Altersabsicherung im Blick. Die Zukunftssicherheit ihres Berufs sehen sie positiv.

9. Erwerbstätige in Großunternehmen (mehr als 2.000 Mitarbeiter) sehen die Unterstützung von Vorgesetzten bei der Weiterentwicklung als Defizit. Zudem erwarten sie sich eine bessere Verteilung der Arbeit und mehr selbstbestimmte Arbeitsinhalte.

Im Auftrag der ZEIT hat das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft quer durch alle Berufsgruppen 1.000 Menschen dazu befragt, was sie sich von ihrem Arbeitsplatz wünschen und wie zufrieden sie sind. (…) Dazu hat das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der ZEIT in einer repräsentativen Erhebung rund 1.000 erwerbstätige Menschen in Deutschland befragt: Arbeiter wie Angestellte, Selbstständige wie Auszubildende, ältere und junge, quer durch alle Berufsgruppen. Die Erhebung zu den "Fragen des Jahres" fand von Juli bis September 2018 mittels "computergestützter telefonischer Interviews" statt".

"Aspekte des Arbeitslebens, die im weitesten Sinne das Thema Führung betreffen, sind für die Beschäftigten auf besondere Weise relevant – sie finden sich vermehrt in der oberen Hälfte der Wichtigkeitsskala wieder. Das sind, zugegeben, noch keine "Breaking News". Aber ein zweiter Blick auf die Zahlen lohnt sich: Zwar sind die Vorgesetzten weiterhin die zentralen Figuren bei den wichtigen Fragen des Berufsalltags, sie sind Hoffnungsträger und Projektionsfläche. Bei den großen, "wichtigen" Themen "Weiterentwicklung", "Anerkennung", "Selbstbestimmtes Arbeiten", "Verteilung der Arbeit" und "Einarbeitung in moderne Technik" lautet die Botschaft allerdings: Kümmert euch gefälligst, und zwar deutlich mehr als bisher".

Am deutlichsten wird dies im Bereich "Unterstützung bei Weiterentwicklung durch Vorgesetzte" artikuliert. Obwohl drei Viertel der Befragten (74 Prozent – bei den 25- bis 44-Jährigen sogar 80 Prozent) es so relevant finden, dass es Platz fünf auf der Wichtigkeitsskala einnimmt, liegt der Zufriedenheitswert insgesamt bei dürren 45 Prozent – der größte Abstand unter allen abgefragten Punkten. Besonders groß ist die Diskrepanz und eine damit verbundene Anspruchshaltung bei Arbeitnehmern in Großunternehmen mit über 2000 Mitarbeitern. Da besteht nach Auskunft der Infas-Experten ein flächendeckender "Handlungsauftrag": Die Angestellten wünschen sich Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten und Einarbeitung in moderne Technik ebenso wie bei eigenständiger Gestaltung der Arbeitsinhalte und einer besseren Verteilung der Arbeit.

Bei aller Selbstständigkeit sehnt sich der noch so mündige Arbeitnehmer offenbar auch nach Streicheleinheiten. Gleich nach der "Weiterentwicklung" folgt "Anerkennung" auf Platz sechs der Wichtigkeitsskala: Für fast 70 Prozent aller Beschäftigten ist diese Frage von herausragender Bedeutung, übrigens in allen befragten Altersgruppen gleichermaßen. Hier scheinen die Chefs aber ihre Lektion gelernt zu haben: 54 Prozent der Beschäftigten sind zufrieden mit der Art und Weise, wie ihnen Wertschätzung entgegengebracht wird".

Doch es ist noch Luft nach oben, denn die Zahl heißt auch: 46 Prozent sind noch nicht mit der Wertschätzung und Anerkennung durch ihre Vorgesetzen zufrieden. Oder lassen es die Beschäftigten an Qualität und Engagement vermissen? Auch dann wäre eine motivierende und leitende Rückmeldung wichtig, die auch wertschätzend praktiziert werden kann und Mankos überwinden hilft.

Weitere Ergebnisse, Details und Schaubilder finden sich im PDF der Studie
"Studie zur Arbeitswelt 2019"

27.11.2018 08:10
Versagt die Werteerziehung in der Schule?
Verrohende Sprache, aggressives Verhalten und herabsetzende Aktionen zeigen Wertedefizite

Mit einer repräsentativen forsa-Umfrage unter Eltern und Lehrkräften soll der Wertorientierungen und Werteerziehung in Deutschland mehr Geltung verschafft werden. Werteerziehung soll mehr Priorität, mehr Gestaltungsfreiraum und mehr Zeit in der Schule bekommen. Der VBE erklärt:

„Angesichts der Verrohung der Umgangsformen in unserer Gesellschaft und aktueller Ereignisse wie jüngst in Chemnitz ist der sofortige Ruf der Politik nach mehr Werte- und Demokratieerziehung laut geworden. Dies hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) mit 164.000 Mitgliedern die größte Fachgewerkschaft innerhalb des Deutschen Beamtenbundes zum Anlass genommen, eine Umfrage unter Eltern und Lehrkräften zum Thema Wertorientierungen und Werteerziehung in Auftrag zu geben und hiermit einen Impuls für die Wertedebatte zu setzen. Eltern wie auch Lehrkräfte formulieren danach in überwältigender Deutlichkeit, wie wichtig Ihnen das Thema Werteerziehung und eine Orientierung an den gesetzlich verankerten Bildungs- und Erziehungszielen in Schule sind.

Über 90 Prozent der Eltern geben für 8 der 16 abgefragten Bildungs- und Erziehungsziele an, dass ihnen diese (sehr) wichtig sind, über 90 Prozent der Lehrkräfte erachten sogar 12 der 16 Bildungs- und Erziehungsziele als (sehr) wichtig“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, anlässlich der heute veröffentlichten Ergebnisse. Für die Studie wurden von der Universität Tübingen in Kooperation mit forsa 1.111 Eltern schulpflichtiger Kinder sowie 1.185 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt. Die Ergebnisse liefern erstmals einen Abgleich zwischen den Erwartungen von Eltern und den Einschätzungen von Lehrkräften zu diesem Thema.

Gleichzeitig sehen sowohl Eltern als auch Lehrkräfte klare Defizite bei der Umsetzung aller Ziele. Gründe für ein Nicht-Erreichen einzelner Bildungs- und Erziehungsziele sehen Eltern wie auch Lehrkräfte vor allem in einer unzureichenden Berücksichtigung im Lehrplan. Bezeichnend sei laut Beckmann, dass die Umsetzung bestimmter Ziele genau dort gelinge, wo diese im Lehrplan integriert seien. Eltern als auch Lehrkräfte beurteilen die praktische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema, etwa in Form von Projektwochen oder Workshops, als zweitwichtigsten Grund für das Erreichen bestimmter Werterziehungsziele. „Die Politik muss die Ernsthaftigkeit ihrer Forderungen nach mehr Werte-und Demokratieerziehung an Schule belegen – mit dem notwendigen Gestaltungsfreiraum für Lehrkräfte. Werte müssen erlebt und gelebt werden, dafür braucht es weniger starre Strukturen und stattdessen mehr Flexibilität und vor allem mehr Zeit

Der sich ändernde Alltag in der Gesellschaft und damit verbunden die zunehmenden Erziehungsaufgaben für Schule müssen Platz finden im starren Korsett der Leistungsorientierung. Nur so können junge Menschen eine an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung orientierte Wertehaltung entwickeln“, so Beckmann.

Gefragt nach aktuellen Themen in der Wertedebatte vertreten über 90 Prozent der Eltern und Lehrkräfte die Meinung, dass auch in einer multikulturellen Gesellschaft bestimmte Werte für alle Menschen, die hier leben, gelten müssen. Nur 3 Prozent der Lehrkräfte und 10 Prozent der Eltern halten eine Wertediskussion in Schule für überflüssig. Immerhin 54 Prozent der Eltern und sogar 73 Prozent der Lehrkräfte sehen eine Gefahr, die von einer „Beliebigkeit in der Frage um Werte“ ausgehen würde. „Schule ist ein Ort, der Schülerinnen und Schülern eine Orientierung in der Ausbildung ihrer Werthaltung geben soll und muss. Deshalb muss für Schule ein universell geltender Gesamtkanon an zu vermittelnden Werten gelten“, fordert Beckmann.

Hinsichtlich der Frage, wie wichtig bestimmte Akteure bei der Vermittlung von Werten gegenüber Kindern und Jugendlichen sind, betonen nahezu alle Eltern und Lehrkräfte die bedeutsame Rolle des Elternhauses. Eine große Mehrheit der Eltern und Lehrkräfte gibt zudem an, dass folgend mit ähnlicher Bedeutung auch Schule, die Partnerin bzw. der Partner, der Freundeskreis und der Eigeneinfluss eine wichtige Rolle spielen. Was die Umfrage auch zeigt: Nur ein Drittel der Eltern und Lehrkräfte geben an, dass die Kirche beziehungsweise Religionsgemeinschaft wichtig ist.

„Die Politik muss Schule adäquater und entschiedener dabei unterstützen, gerade die jungen Menschen in ihrer Entwicklung einer reflektierten Werthaltung zu fördern, bei denen dies durch deren sozialen oder kulturellen Hintergrund nicht ausreichend gegeben ist. Nur so können wir negativen Auswirkungen auf die weitere Biografie dieser jungen Menschen und auf uns als Gesamtgesellschaft entgegenwirken“, betont Beckmann.

Der VBE fordert:
- Die feste fächerübergreifende Verankerung und deutlich stärkere Priorisierung aller Erziehungs- und Bildungsziele in den Lehrplänen von Schulen und zwar fächerübergreifend.
- Mehr Flexibilität, freie Gestaltungsräume und vor allem mehr Zeit für Schule, um Werteerziehung zu implementieren und erlebbar machen zu können.
- Basierend auf einem Diskurs von Politik und Gesellschaft die Verständigung auf einen gemeinsamen Wertekanon, der Orientierung für alle Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern bietet.
- Entschiedenes Handeln von der Politik, welches für die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen, Rahmenbedingungen und Unterstützungsleistungen sorgt. U. a.: die Einsetzung multiprofessioneller Teams, den Ausbau von qualitativer, werteorientierter Ganztagsschule und adäquate Voraussetzungen für die Erziehungspartnerschaft zwischen Lehrkräften und Eltern.
- Ein verbessertes, intensiveres und standardisiertes Angebot von Veranstaltungen zur Werteerziehung in allen Phasen der Lehreraus- und -fortbildung, welches die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Werteverständnis zum Ziel hat.
- Die Bereitstellung einer zeitgemäßen technischen Infrastruktur an Schule, um einen reflektierten Umgang mit Medien als einem wichtigen Akteur bei der Wertevermittlung fördern zu können.
- Ein verstärktes gesellschaftliches Engagement, welches außerschulische Angebote an Schule heranträgt und Lehrerinnen und Lehrer bei der Werteerziehung unterstützt“.

Ohne eine intensivere, systematischere und freiheitlichere Beachtung und Behandlung von Wertethemen und -Konflikten in Schule und Bildung wird es keine besseren, wertgestützten Verhaltensweisen in der Gesellschaft geben, die an Würde, Respekt und Fairness orientiert sind.

Gerechtigkeit durch Bildung ist das erklärte Ziel des VBE. Der VBE – Verband Bildung und Erziehung ist die größte Fachgewerkschaft innerhalb des dbb deutschen beamtenbundes mit ca. 164.000 Mitgliedern. Er organisiert hauptsächlich Lehrer und Lehrerinnen an Grund-, Haupt-, Real-, Förder- und Gesamtschulen, aber auch an sonstigen Schultypen in Deutschland sowie Erzieherinnen und Erzieher. Mit dem Einsatz für eine Stärkung des Lehrerberufs in der Gesellschaft, einer Anerkennung der Gleichwertigkeit der Lehrämter sowie gleicher Bezahlung aller Pädagogen unabhängig von der Schulart soll dieses Ziel erreicht werden. Für die Erzieher wird eine Ausbildung an Fachhochschulen auf europäischem Niveau gefordert.

"Der VBE"

19.11.2018 13:30
Ist verloren, wer Fehler macht? Fairer Umgang hat noch Luft nach oben
Die Fehlerkultur in deutschen Unternehmen wird von Führungskräften offener bewertet, als Mitarbeiter sie erleben. In regelmäßigen Abständen kommen Studienautoren zu dem Schluss, dass es an einer funktionierenden Fehlerkultur in vielen deutschen Unternehmen mangele. Jüngst zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), dass Kommunikation über Fehler an entscheidenden Punkten häufig nicht stattfindet.

Zwar gaben 66 Prozent der 218 von EY befragten Führungskräfte an, in ihren Unternehmen würde eine offene Diskussionskultur zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten herrschen, aber nur 42 Prozent der 800 befragten Mitarbeiter sehen das genauso. Darüber hinaus geben 18 Prozent der Mitarbeiter an, dass Fehler in ihrem Unternehmen überhaupt nicht besprochen würden.

Verschiedene Studien bemängeln offene Fehlerkultur
Schon im Jahr 2016 kam eine ähnliche Befragung der von Rundstedt & Partner GmbH zu einem ähnlichen Ergebnis: Damals gaben 17 Prozent der befragten Mitarbeiter an, dass Fehler in ihren Unternehmen vertuscht würden. Laut der Studie von 2016 waren es etwa 60 Prozent, die ihre Fehler im Team offen besprechen konnten.

Laut einer Untersuchung, die von der Personalberatung S-Three Mitte 2018 veröffentlicht wurde, befürchten 41 Prozent von 1000 befragten Mitarbeitern und Freelancern bei Fehlern sogar negative Konsequenzen für ihre Karriere. Ein noch größerer Anteil nimmt darüber hinaus an, dass bei Fehlern Verlust von Anerkennung droht.

Fehlerkommunikation scheint auf einer Ebene einfacher als über Hierarchien hinweg. EY-Partner Nelson Taapken meint, „während unter den Mitgliedern eines Teams Fehler durchaus thematisiert werden, gibt es nach oben und unten deutliche Tabus und Kommunikationsbarrieren.“ 57 Prozent der Angestellten nennen die Furcht, als Überbringer der schlechten Botschaft selbst zum Opfer zu werden, als größtes Hindernis für offene Kommunikation, so die EY-Studie. Auf der anderen Seite sehen 54 Prozent der Führungskräfte die Angst vor Gesichtsverlust als wichtigsten Grund für fehlende Fehlerkommunikation. Damit einher gehe die Sorge um die eigene Karriere und Angst vor dem Verlust des eigenen Jobs.

Ähnliche Gründe könnten auch eine Rolle dabei spielen, dass bei Fehlern häufig nicht Fehlerursachen und notwendige Verbesserungen, sondern die Suche nach einem Verantwortlichen oder einem Sündenbock im Vordergrund stehen. Etwa ein Viertel der Befragten aus dem Jahr 2016 habe schon einmal erlebt, dass ihr Vorgesetzter die Schuld für einen Fehler auf andere schiebt und 25 Prozent gaben an, dass eher nach Sündenböcken gesucht wird als nach der eigentlichen Ursache von Fehlern.

Jüngere Mitarbeiter machten demnach sogar häufiger die Erfahrung, dass nicht nach Ursachen oder Lösungen gesucht wird und hätten bei zugegebenen Fehlern häufiger Angst vor Reaktionen von Kollegen oder Vorgesetzten als ältere Mitarbeiter.

Die Studien fordern deshalb einen konstruktiveren Umgang mit Fehlern und eine offenere Kommunikation über Probleme und Fehlerquellen. Denn so könne neben der individuellen Entwicklung und der emotionalen Bindung der Mitarbeiter auch die Arbeitsweise selbst verbessert werden. Der Studie von S-Three zufogle wünschen sich 86 Prozent der Mitarbeiter und Freelancer, dass Fehler zumindest toleriert werden, etwa zwei Drittel wünschen sich außerdem, dass Fehler als Chance für Weiterentwicklung begriffen werden.

Dem Führungsbarometer von Forsa (2018) zufolge hängt eine konstruktive und offene Fehlerkultur außerdem mit Innovationsgeist und einem hohen Engagement der Mitarbeiter und Führungskräfte eines Unternehmens zusammen. Im Führungsbarometer wurden insgesamt elf Kulturfaktoren abgefragt und auf einem Zusammenhang mit dem Engagement der Unternehmen hin untersucht.

Fehlerkultur steht auch in Zusammenhang mit Engagement der Mitarbeiter und mit Innovationskraft. Unternehmen mit hohem Engagement nutzen Fehler demnach häufiger als Quelle für Verbesserung als Unternehmen mit wenig engagierten Führungskräften und Mitarbeitern. Nur zehn Prozent der Unternehmen mit niedrigem Engagement geben an, über eine Innovations- und Fehlerkultur zu verfügen, unter den Unternehmen mit hohem Engagement sind dies 91 Prozent.

Eine mangelhafte Fehlerkultur könne sich negativ auf die Förderung von Ideen auswirken. So vermissen 39 Prozent der von S-Three Befragten Maßnahmen zur Förderung von Ideen und sogar ein Drittel bemängelt, dass innovative Vorschläge zwar gehört, aber kaum umgesetzt werden.

Feedback und Coaching erhöhen Engagement: In Unternehmen mit besonders engagierten Mitarbeitern und Führungskräften würden laut Forsa 95 Prozent der Führungskräfte regelmäßiges Feedback geben und alle Führungskräfte aus Unternehmen mit hohem Engagement verstünden sich als Coach ihrer Mitarbeiter. Zum Vergleich: Im Durchschnitt sei dies nur in 54 Prozent der Unternehmen der Fall. Weiter würden in den Unternehmen mit hohem Engagement häufiger Entscheidungskompetenzen an Mitarbeiter delegiert.

Angst vor schwerwiegenden Folgen für die eigene Karriere, fehlende Offenheit und wenig an Lösungen orientierte Fehlerkultur bis hin zu aktiver Vertuschung von Fehlern. Die Liste der attestierten Probleme in vielen Deutschen Unternehmen ist lang und bisher scheint sich keine eindeutige Verbesserung im Umgang mit Fehlern abzuzeichnen. Dabei deutet vieles darauf hin, dass Unternehmen ihre Innovationskraft mit einer konstruktiven Fehlerkultur ausbauen können.

Siehe auch: "Das Fairness-Forum über: Wie gelingt ein fairer Umgang mit Fehler, Irrtum und Versagen angesichts ständiger Optimierung?"

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